Dienstag, 29. November 2022

6 - Mikesch - der kleine Kater Naseweiss - Teil 6

... die Büsche teilten sich und heraus kam, ein grauschwarzes Tier mit Stosszähnen, dahinter kamen noch zwei etwas kleinere Tiere und sechs ganz kleine. Mikesch wie auch die Gruppe, blieben verdutzt stehen und schauten einander an. Der grosse Schwarze fand zu erst die Sprache wieder und sagte:
" Hallo Fremder, was bist denn  Du für einer? Wir sind die Familie Wildschein. Ich bin Grunz, das ist Grunzine und Grunzella und die Kleinen heissen bislang nur eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs. Sie bekommen ihre richtigen Namen erst, wenn sie erwachsen sind." Herr Grunz fragte Kater Mikesch Löcher in den Bauch. "Wo kommst Du her? Wo willst Du hin?" und so weiter, und so weiter. Herr Grunz war furchtbar neugierig. Als ihm kurzzeitig mal keine neue Frage einfiel, meinte er : "komm mit uns in unserer Unterkunft, dort kannst Du über Nacht bleiben und wir haben auch noch etwas von unserem Nachtessen. Sei uns willkommen" Mikesch ging mit ihnen und nun war es an ihm Fragen zu stellen. Da Wildschweine, wie auch Hausschweine sehr intelligente Tiere sind, konnten Mikesch einiges von ihnen erfahren und lernen. Er hörte auch von den anderen Bewohnern im Wald. Herr Grunz warnte Mikesch vor den Jägern und erzählte ihm von dem schillernden See mit den fetten Fischen drin. Alleine der Gedanke an frischen Fisch liess ihm das Wasser im Mund zusammen laufen. Grunz erzählte ihm auch von den Forellen im nahegelegenen Bach. Sie seien leichter zu fsngen  da der Bach nicht so tief sei.
Mikesch hatte ein Schwäche für Fisch. Dafür war er auf dem Bauernhof selbst hinter dem warmen Ofen hervorgekommen. Die Wildschweine konnten ihm so viel berichten, dass das Katerchen beschloss noch einen Tag länger bei ihnen zu bleiben. 

Die Wildsäue berichteten ihm auch von Grunz Schwester Grunzetta. Grunz und Grunzetta waren schon als Ferkel voneinander getrennt worden. Allerdings wüssten sie nicht genau, wie Grunzetta und er an ihren jetzigen Wohnort kamen. Sie waren eingeschlafen und als sie aufwachten war von ihrer Mutter keine Spur und sie waren in ganz anderer Umgebung. Grunzetta lebt auf den Bahamas und liebt es im Meer schwimmen zu gehen.
Mikesch hörte ihnen aufmerksam zu und er lernte eine Menge von ihnen. Am kommenden Morgen wollte er weiter. Er war noch nicht einmal richtig hell, als die Familie Grunz munter wurde. Mikesch war noch total verschlafen und wollte noch ein kleines Stündchen weiter schlafen. Die Wildschweine verabschiedeten sich von ihm, wünschten ihm eine gute Reise und verschwanden im Dickicht. Mikesch schnurrte sich noch eine Runde in den Schlaf. Als er wach wurde, stand die Sonne schon hoch am Horizont. Mikesch schnürte sein Bündel und machte sich weiter aus seinen Weg....

- Fortsetzung folgt -

Montag, 28. November 2022

Weinbergschnecken

Meine Kindheit war recht unbeschwert. Meistens lebten wir am Rande von Wald und Feldern und so stromerten wir viel durch Wälder und Flur. Die Plätze für die Maiglöckchen für Muttertag kannten wir gut, ebenso wo die grössten Walderdbeeren waren, Pilze oder auch wie man an die Himbeeren in Nachbars Garten kamen. Wir lebten ein paar Jahre in einem kleinen Dorf in einem Mehrfamilienhaus. Das Gebäude hatte einen Keller, mit deckenhohen Regalen, in denen meine Mutter die eingekochten Schätze bewahrte. Damals müssen wir circa sieben und drei Jahre alt gewesen sein. Am Ende der Straße war ein kleiner Weinberg. Ein richtiger kleiner Berg, wohl eher ein größerer Hügel, der rundherum mit Rebenstöcke  bepflanzt war. 

Auf der anderen Strassemseite, gegenüber unserer Wohnung  befand sich ein riesiger Spielplatz.

Wir spieltem dort oft  Spargelstechen. Dazu gruben wir unsere nackten Füsse in den Sand und streckten immer mal wieder einen Zeh  heraus, den der andere fassen musste. Nachdem wir alle kitzelig war, war das Gekichere und Gelächter gross.

Eines Tages erzählte meine Freundin, dass man mit Weinbergschnecken Geld verdienen kann. Die Idee gefiel uns. So zogen meine gleichaltrige Schulkameradin und ich mit meinem kleinen Bruder im Schlepptau los. Holten von zu Hause einen zehn Liter Wischeimer und ab in den Weinberg Schnecken sammeln. Wir waren recht fleißig und schnell war der Eimer dreiviertel voll. Allerdings sammelte mein Bruder alles ein, was nur irgendwie nach Schnecken aussah, auch die Allerkleinsten und auch die ohne Schneckenhaus.

Dann rief uns meine Mutter rein. Den Eimer mit den Schnecken schmuggelten wir ins Haus und brachten ihn in den Keller. Es sollte schliesslich eine Überraschung sein, dass wir Geld verdient hatten. Beinahe hätte mein Brüderchen uns verraten. Zum Glück konnte sich meine Mutter auf sein Gebrabbel keinen Reim machen.

... und wie Kinder so sind ... aus den Augen aus dem Sinn ...

Am nächsten Tag gellte ein Schrei durchs Haus. Oh ha! Wenn meine Mutter unsere Kosenamen zusammenzog und als einen Namen sagte, hatten wir irgendetwas ausgefressen und es war Vorsicht geboten! Als wir in den Keller kamen, traute ich meinen Augen nicht - hunderte Schnecken waren auf Wanderschaft gegangen. Sie waren über die Gläser mit dem Eingemachten gekrochen, kletterten die Regale hoch, klebten kopfüber an der Decke, na ja und am Boden laufen konnten wir auch nicht mehr

🙈

Sah schon komisch aus. Als ich dann auch noch anfing zu kichern, platzte meiner Mutter endgültig der Kragen. Mann war die sauer! Wir mussten gefühlte Stunden die Kriechtiere wieder einsammeln und unsere Beute wieder in den Weinberg bringen. Die schönen Schnecken und der Verdienst war auch futsch😒

Obendrein bekamen wir eine Woche Hausarrest..  kein Spielplatz. Meine Mutter sprach tagelang sehr einsilbig mit uns. Insbesondere wenn sie aus dem Keller kam, gingen wir besser in Deckung. Das legte sich erst wieder, nachdem sie alle Regale, Einmachgläser, Werkzeug, Fahrräder, Kinderwagen etc. Von der  klebrigen Schneckenhinterlassenschaft befreit hatte. 

So war es nichts mehr mit Schnecken Geld verdienen. Jahre später versuchten wir es moch einmal mit Kastanien, die man an den Zoo verkaufen hätte können. Nun denn, die krochen wenigstens nicht aus dem Sack, aber rochen nicht sehr angenehm, als sie zu schimmeln begannen.

😂


Copyright Julietta Günther 

Samstag, 26. November 2022

5 - Mikesch - der kleine Kater Naseweiss - Teil 5

... sie sagte: "Hallo Fremder. Herzlich willkommen in unserem kleinen Dorf. Du stehst so unschlüssig herum und siehst aus, als hättest Du Hunger. Bei uns sind Fremde willkommen. Komm mit mir und ich stelle Dir meine Familie vor. Es ist bald Abendessenszeit, Du kannst mitessen und wenn Du willst, dann kannst Du die Nacht über bei uns bleiben. Ach ja, ich heisse Mimmi" - Kater Mikesch stellte sich seinerseits vor und bedankte sich bei Mimi für das freundliche Angebot. Kater Mikesch ging mit ihr und lernte Mimis Familie kennen: Vater Tom-Tom, Mutter Miezi, die Schwestern Sunny, Maunzi und Caramel, die Brüder Pitt und Fred, Onkel Karol und Tante Anna und viele mehr. Es war eine grosse Katzenfamilie, die friedlich zusammen in einem leerstehenden Haus am Rande des Dorfes wohnten. Sie sassen alle zusammen, assen gemeinsam zu Abend, erzählten sich Geschichten und Anektoden von früher, lachten miteinander und verbrachten einen vergnüglichen, kurzweiligen Abend miteinander. Kater Mikesch erzählten ihnen, woher er kam und dass er die Welt ausserhalb des Bauernhofes kennenlernen wollte. Es wurde spät an diesem Abend. Die Familie hatte ihm ein weiches Nachlager hergerichtet und als es Zeit zum Schlafen war, ging er dort hin. Machte seine Abendtoilette. Er putzte sich gründlich den Staub aus dem Fell, denn schliesslich wollte er ja nicht schmutzig ins Bett gehen. Mit der Pfote kämte er sich noch seine Barthaare, dann rollte er sich auf seinem Nachtlager zusammen, liess den Tag noch einmal Revue passieren, dachte an den kommenden Tag. Dann schlief er ein, er träumte von fernen Ländern. Er schlief wie ein Murmeltier und wachte am nächsten Morgen ausgeruht aus.
Nach einem üppigen Frühstück war es Zeit, dass er sich wieder auf den Weg machte. Etwas wehmütig verabschiedete er sich von der Katzenfamilie, die in in den wenigen Stunden bereits ans Herz gewachsen war. Sie winkten ihm noch nach, bis sie nur noch als kleiner Punkt am Horizont zu sehen waren.

Mikesch ging weiter, kam an einem anderen Bauernhof vorbei. Der dortige Hofhund war etwas mürrisch und Mikesch beschloss, dort nicht zu verweilen. Er ging in einen dunklen Wald als es nicht weit von ihm entfernt im Unterholz knackte und sich plőtzlich die Büsche heftig bewegten ....

... Fortsetzung folgt -




Freitag, 25. November 2022

Rückbesinnung und neue Wertigkeiten

Vermutlich geht es mir so wie vielen, die das Weltgeschehen um sich herum betrachten. Ich bin wütend, traurig, aber vorallem sehr nachdenklich.
Meine Sicht auf die Ereignisse, ist nicht allgemein gültig, sondern bezieht sich auf meinen Erlebnishorizont in der Welt und dem Land, in dem ich lebe. Hier ist das Leben weniger geprägt von Panikmache, Existenzängsten und Schwarzseherrei wie ich es in Deutschland erlebte. Die Menschen sind hier prakmatischer, nehmen Situationen eher als Fakt an und versuchen das Beste daraus zumachen. Menschen  die ohne Wasser oder Strom leben, sind hier keine Seltenheit.
 
Wir haben seit über einem Preisdeckel auf Sprit,  Energie und diverse Lebensmittel, auch Begrenzung auf Abgabemengen. Wir leben damit. Verstärkt tauchen Fahrräder im Straßenbild auf. Sie wurden für mich das Symbol der neuen Zeiten. Mit ihnen kommt man ohne Sprit von A nach B, selbst um Licht zu produzieren lassen sie sich einsetzten. Die syrischem Flüchtlingen benutzten sie  um über die schwedische Grenze zu gelangen. Sie ermöglichten den russischen Soldaten die Flucht aus Cherson. Die Fahrräder zeigen  mir, dass in der Bevölkerung ein Umdenken in Gang gesetzt wurde. Man besinnt sich mehr auf die grundlegenden Dinge. Die Leute haben sich bereits durch Corona und Ausgangssperren darauf  eingestellt. Die immense Preissteigerungen werden damit kommentiert, dass man jetzt Vorsorge treffen muss,  weil man nicht weiß wie es im Januar aussieht.

Es wird gespart: Benzin, Gas, Brennholz usw. Vorräte werden verstärkt angelegt. Selbst in Deutschland wurde der Gemüsegarten wieder trendy und ist seinem verstaubtem fünfziger Jahre Schrebergarten Image entwachsen. 

Die Konsumgesellschaft wurde aus ihrer Komfortzone geschubst und siehe da, sie wird kreativ. Der Ruf nach Vater Staat, der es richten muss  wird leiser, immer mehr Menschen begreifen, dass man selber aktiv werden muss. 

Schon durch corona, Ausgangssperre und Co. setzte die Umbesinnung ein. Ein Wir-Gefühl begann zu wurzeln.
Hier wurden Mittagessen an die Schul- und Kindergärten, die Alte und Kranken ausgeliefert. Der Schulunterricht wurde in die Familien verlagert. So mussten sich gezwungenermaßen sich die Eltern damit auseinandersetzen und  sich mit ihren Kindern beschäftigen. In den Gemeinden gab es Notfallnummern.  Den Quarantäne Patienten wurden Lebensmittel und Medikamenten besorgt, ggf auch für gehacktes Brennholz gesorgt. Das Wir-Gefühl bekam ein neues Outfit.

Dann  begann Russland den Krieg gegen die Ukraine. Ukraine, ein Land, das wohl für die meisten Westeuropäer so fern war wie der Mond. Nun unterstützen Menschen die Ukrainer auch mit dem Risiko eigener Nachteile oder Einschränkungen in eigener Bequemlichkeit. 

Der Mensch kümmert sich wieder um seine Mitmenschen, zeigt sich solidarisch mit Schwule, Lesben, Transgender, Andersartige. Holt die Menschen aus der Isolation in die Mitte der Gesellschaft.

Es ist eine Zeitenwende bei der Menschen mit einer Kraft an die Öffentlichkeit treten, denen kaum jemand etwas zutraute. Egal, wie man zu einzelnen Personen steht. Starke Persönlichkeiten haben die Bühne betreten. Es existiert ein Präsident Selenskyj, der es schafft trotz extremer Lage sein Volk Kraft und Mut zu geben, sowie andere Länder zu motivieren.

Starke Frauen, deren Stimme Gehör finden, betreten die Bühne. Für mich verdienen Frauen, die sich in einer männerdominierten Welt ein Gehör  verschaffen, meinen Respekt.
Politikerinnen  wie Annalena Baerbock, Ursula van der Leyen, Frauen Irans, u.v.m , geben Richtungen vor. Frauen die von Russland als  "aggressive westliche Frauen" bezeichnet werden. Dabei übersehen sie ihre Soldatinnmütter, die sich durch Lügen und Propaganda nicht mehr einschüchtern lassen, sondern laut werden und nachfragen. Journalistinnen,  die offen Protest üben. 

Da sind die Frauen, die gegen Kopftuchzwang und Unterdrückung auf die Straße gehen. 

Frauen, die ihr Recht auf ihren eigenen Körper einfordern und gegen Abtreibungsverbot protestieren. Kein Mann sagt ihnen im Gegenzug, wie sie in finanzieller Notlage in der Lage sein sollen, ein Kind grosszuziehen. Nachdem fast jede dritte Ehe geschieden wird, liegt der Pack alleine auf ihren Schultern.

Es waren die Trümmerfrauen, die mit blossen Händen die Städte wieder aufbauten. Soldatenwitwen, die ihre Kinder alleine groß zogen. In ihrem Händen lag der spätere Wohlstand. 

Seit Tagen spukt mir die Liedzeile "wozu sind Kriege da?" (Udo Lindenberg)
durch den Kopf.

Vielleicht sind sie genau dazu da, dass die Menschheit wieder geerdet wird, dass sie sich rückbesinnt auf das was wirklich wichtig ist:
Familie, Freunde, gleichwertige Menschen, ein Volk, Toleranz, Akzeptanz und ein friedliches Miteinander - nicht nur zu Weihnachten.

Copyright Julietta Günther 















Dienstag, 22. November 2022

4 - Mikesch - der kleine Kater Naseweiss - Teil 4

... Kater Mikesch ging mutig die Strasse zum Dorf hinunter, als er plötzlich ein lautes Brummen hörte, das immer lauter wurde. Erschrocken schaute er sich um und sah ein riesiges  Ungeheuer auf sich zu kommen. Es hatte eine grosse Schnauze und glitzerte. Über der Schnauze schauten grosse Augen mit einer Brille. Mikesch rutschte das Herz in die Hose. Das Ungeheuer kam immer näher und näher. Fast war es schon auf Mikesch Höhe als Mikesch aus seiner Erstarrung kam und mit einem beherzten Sprung von der Fahrbahn sprang. Er kullerte die Böschung hinunter und blieb in einem Busch liegen. Das Ungeheuer war jetzt direkt über ihm auf der Strasse ... und ... es entfernte sich immer mehr und mehr. Erst als es fast nicht mehr zu hören war, traute sich der Kater wieder zurück auf die Fahrbahn. Er war heilfroh, dass ihn das Ungeheuer nicht angegriffen hat. Was er aber nicht wusste, weil er bislang noch kein solches Ungeheuer gesehen hatte. Es war ein LKW. Mikesch würde auf seiner Reise noch viele sehen und auch andere Ungeheuer, wie eine blecherne Schlange auf Schienen, ein weisses tutendes Ungeheuer auf dem Wasser. Irgendwann lernte Mikesch, dass es sich dabei um Fortbewegungsgeräte handelt, die die Menschen benutzen. Doch Mikesch lernte auch, dass man sich vor diesen Ungeheuern in Acht nehmen musste, sie griffen einen zwar nicht an, doch ein unvorsichtiger Kater konnte schnell unter ihre Räder kommen.

Nachdem Mikesch sich von seinem Schreck erholt hatte, machte er sich wieder auf den Weg. Er war inzwischen im Ort angekommen. Dort waren jede Menge Menschen und noch mehr seltsame Gefährte. Manche hatten zwei Räder, manche drei, andere wiederum vier. Am seltsamsten kam ihn allerdings ein kleineres Fahrzeug vor, das von einem Menschen geschoben wurde und in denen ein kleines Wesen schrie. Langsam bekam er Hunger. Auf dem Bauernhof kannte er sich aus und wusste, wo es etwas zu essen gab. Doch hier kannte er sich nicht aus und stand er etwas unschlüssig herum. Mit einemmal bemerkte er, dass ihn eine kleines süsses Kätzenmädchen anschaute. Er sah sie auch eine Weile an und sie sprach in an ...

- Fortsetzung folgt -

Copyright Juliette Guenther

Sonntag, 20. November 2022

3 - Mikesch - der kleine Kater Naseweiss - Teil 3

... Auf dem Bauernhof, auf dem Mikesch lebte, gab es auch ein paar Kühe. Diese wurde morgens und abends gemolken. Mikesch liebte frische Milch. Wenn Melkzeit war, fanden sich alle Katzen in dem Stall ein. Sie wussten, dass sie dann ein Schälchen Milch bekamen. Einmal dauerte es Mikesch zu lange bis sie ihre Milchration bekamen und er beschloss, sich selbst zu bedienen. So sprang er auf den Rand der grossen Kanne und versuchte an die Milch zu kommen. Aber die war tief in der Kanne. Mikesch klempte sich mit seinen Hinterpfoten an den Rand und balancierte abwärts. Gerade als er den ersten Schluck nehmen konnte, rutschte er ab und fiel in die Kanne in die Milch. Aus der Kanne kam er nicht mehr alleine heraus. Er maunzte herzzerreissend. Irgendwann wurde Frauchen auf ihn aufmerksam und fischte ihn aus der Milch. Da stand Mikesch nun klitschenass und sah aus wie ein begossener Pudel, oder besser noch Kater. Frauchen war sehr ärgerlich, weil sie ihre Milch nun nicht mehr verwenden konnte und verbannte ihn und alle anderen Katzen für immer aus dem Stall. Oh weh! Was musste sich Mikesch nun von seinen Eltern und seinen Geschwistern anhören! Das war schlimmer als jede Strafe und noch schlimmer war, dass sie nun bis ganz zum Schluss auf ihr Schälchen Milch warten mussten.

Manchmal konnte er unbemerkt ins Haus von Herrchen und Frauchen schlüpfen. Mikesch liebte es, vor dem warmen Ofen zu sitzen. Im Haus gab es auch super Spielplätze. Mikesch tobte gerne mit seinen Geschwistern über die Polstersessel, balancierte auf der Sofalehne, hangelte sich die Gardinen hoch, doch spätestens wenn er meinte, in der Küche in die Tőpfe schauen zu müssen, war der Spass vorbei. Dann fing Frauchen sie ein und komplimentierte sie nach draussen.

Nach und nach wurde aus dem kleinen Katerchen Mikesch ein stattlicher Kater Mikesch. Eines Tages beschloss er, auf Wanderschaft zu gehen. Kater Mikesch war inzwischen erwachsen geworden, aber dafür um so neugieriger. Er wollte die Welt ausserhalb des Bauernhof kennenlernen. Er verabschiedete sich von seinen Eltern und seinen Geschwistern und schlug den Weg Richtung Dorf ein ...

.... Fortsetzung folgt ...

Copyright Julietta Guenther

Samstag, 19. November 2022

"Sind so kleine Hände" (Bettina Wegner)

Die Adventszeit und Weihnachten stehen vor der Tür, Frieden auf Erden... 

... und ich denke an die Kinder in der Ukraine... mit Tränen in meinen Augen und schreiender Seele...


"Sind so kleine Seelen 

Offen und ganz frei

Darf man niemals quälen

Geh'n kaputt dabei"

( Zitat aus "Kleine Hände" von Bettina Wegner)


Die Kinder u.a. in der Ukraine leben im Krieg in Angst, erleben Grausames, werden gequält, verlieren vielleicht ihre Liebsten. Sie erleben Kälte, Hunger, sind auf der Flucht oder werden in unbekannte Welten verschleppt.

Wenn ich könnte, würde ich Russland permanent mit Antikriegslieder beschallen, Bettina Wegners "Kleine Hände" dem Verantwortlichen ins Ohr pflanzen, die nicht einmal vor ihren eigenen Kindern Halt machen. 

Eine traumatisierte Gesellschaft mit Kindern, die nicht mehr Kind sein dürfen. 

Ich habe erlebt, wie tiefe Wunden in die Seelen eingebrannt werden, die so etwas erleben mussten. Mein Vater wuchs während des Krieges in Berlin auf, meine Mutter im späterem Ostdeutschland. Der Krieg war sowohl bei meinen Eltern als auch Grosseltern ein Tabuthema.

Nur einmal erwähnte meine Mutter, dass sie als "die Russen kamen" aus dem Schulfenster kletterten und über die Felder wegliefen. Sie konnte nie die Schule beenden. Erst nach ihrem Tod erzählte mein Vater, dass ihr das Weglaufen nicht immer glückte und sie als junges Mädchen, eigentlich noch ein Kind, vergewaltigt wurde und sie miterleben musste, wie ihrer Mutter und Grossmutter gleiches widerfuhr. Ihr Leben lang war für sie Sex nur Pflichtprogramm.

Bei meinem Vater waren Gefühle sein Leben lang eher unter Verschluss. Nur einmal, nach seinem Schlaganfall mit Mitte siebzig, kam hervor wie er als Kind das Trauma Krieg erlitten hat. Er sah im Fernsehen ein Bericht, wo u.a. von Russland die Rede war. Mit einem Mal rief er mich total panisch und aufgelöst. Er sprang aus dem Stuhl auf, packte mich so fest, dass ich noch tagelang einen Bluterguss hatten. Fast hysterisch zerrte er mich hinter sich her und rief voller Panik "schnell, die Russen kommen, wir müssen uns verstecken" ich hatte meine liebe Not ihn davon abzuhalten, sich unter dem Bett verstecken zu wollen und noch länger bis ich ihn beruhigen konnte. Er zitterte am ganzen Körper. Rund siebzig Jahre später!

Kein Kind soll so etwas jemals erleben müssen. Kinderaugen müssen strahlend vor dem Weihnachtsbaum stehen, kichern, lachen, Fahrrad fahren, Kind sein dürfen ...

" Sind so kleine Seelen"

Sollten ihr ganzes Leben noch vor sich haben!


Copyright Julietta Günther