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Montag, 2. Januar 2023

Wie zynisch ist das denn?

Eigentlich bin ich eher ein unpolitscher Mensch, aber das was seit Monaten das Geschehen in Europa bestimmt, geht auch an mir nicht spurlos vorbei. Im Gegenteil langsam kocht es in mir hoch.

Da steht ein offensichtlich an Geltungsbedürfnis nicht zu überbieten kleiner Präsident und verkündigt in seiner Neujahrsansprache 2022, sie würden "moralisch" und "historisch" auf der richtigen Seite stehen. 

Aha! Historisch, bedeutet Geschichte und somit für mich Vergangenheit. Entweder habe ich in der Schule nicht aufgepasst, oder da lebt jemand in der Vergangenheit. Dann auch noch verkünden, dass dies die neue Realität ist. Ich kenne das von meinem an Demenz erkranktem Vater. Der lebte in seiner Gedankenwelt in seiner Kindheit im Krieg in Berlin als die Russen kamen. 

Und "moralisch" - nochmals viele??? Moral wird als Regel- und Normenwerk einer Gesellschaft angesehen, dass als Verhaltensmassstab einer Gesellschaft steht... armes Russland, arme Russen. Mir war neu, dass es im 21.Jahrhundert noch Staaten gibt deren moralische gesellschaftliche Maßstäbe, Strukturen einem "historischen" Raubrittertum gleichen.

Wie heisst es ferner in der Neujahrsansprache dieses Präsidenten, der so realitätsfremd ist, dass mir oft nur noch ein Kopfschütteln möglich ist. Manchmal fragte ich mich aber auch, ob nicht irgendein ein Virus die heimgesucht hat und ob sie den Quatsch den sie loslassen auch wirklich glauben. Das wirklich Schlimme ist, dass viele Hunderttausende sich den Unsinn auch noch unreflektiert einverleiben und fleissig nachplappern. 

Hirn einschalten!

Selbst die vielen schlecht gemachten russischen Fotomontage fallen vielen nicht auf. Offensichtlich ist es in diesem grossen Land Normalität, dass ein Mensch innerhalb von nicht mal 2 Wochen gute 30 Kilo abnimmt und scheinbar alle paar Tage mit anderen Ohren und mit oder ohne Knubbel auf der Leinwand erscheint.

Der russische Präsident stellt sich in seiner Rede wie so oft als der Retter dar, doch offensichtlich ist, dass die er retten will, garnicht in seinem Sinne gerettet werden wollen. Besonders zynisch ist es, denen die man angeblich retten will, massenhaft Bomben  auf den Kopf wirft.

Wenn ich mir die gesamten Argumentationen und Rechtfertigungen anschaue, dann erscheint es mir wie Projektionen. Die Vorwürfe, die man anderen macht, haben im eigenen Haus ihren Ursprung... 

Wir leben im Zeitalter von Wahrheiten: 

Die Wahrheit des einen als Grund für Raubrittertum. 

Die Wahrheit des anderen als Ursache, nichts zu tun.

Dann gibt es noch die alternativen Wahrheiten.

... und es gibt die alternativen Fakten: da werden Menschen zu Tieren. Meucheln auf bestialische Weise andere Menschen... und jetzt aufgefasst: nun greifen die alternativen Fakten! Ein ermordeter Mensch hat das selber verursacht. Ach sooo! Der hat sich also selber die Hände gefesselt, damit sich dann einen Kopfschuss beigebracht, von den Toten auferstanden, um  anschliessend seinen Leichnam zu schänden. Filmreife Leistung!

Mir ist eines nicht klar. Sind es jetzt alternative Fakten oder alternative Wahrheiten, wenn Russland seine gefallenen Soldaten gleich vor Ort in mobilen Krematorien verbrennt? Es sind sicher alternative Fakten. Ein gefallener Soldat, der erst garnicht im Sarg zu seinen Angehörigen zurück kommt, ist einfach verschwunden. Der braucht in keiner Statistik mehr erscheinen! So schafft man alternative Wahrheiten! 

" oh, mein Papa ist in eine andere Dimension gebeamt worden! Jetzt ist einfach weg.".

Der Volksmund würde vermutlich sage, da wird einem die Hucke voll gelogen.

Kaum zu überbieten ist der perverse Zynismus in Bezug auf Getreidelieferungen. Lagerhäuser werden bombardiert,  Getreideschiffen die Zufahrt verwehrt. Erst werden tonnenweise, mutwillig Getreide zerstört, dann stellt sich der Zerstörer als Retter der Menschheit dar und will mit gestohlenen Getreide in kostenlose Lieferungen punkten. Pervers!

Irgendwie fällt es mir schwer, diesen verqueren, verknoteten Gedankenwindungen eine Logik abzugewinnen. 

Meinen Kindern habe ich versucht beizubringen, dass wenn man Mist gebaut hat, auch genug Rückgrat haben muss, dazu zu stehen. Bei diesen Lektionen in der Kindererziehung müssen einige Russen der Führungselite geschwänzt haben. Egal was passiert, in Russland sind immer die anderen Schuld.

Gedanken sind frei, jedenfalls noch...

Copyright Julietta Günther  

...

Copright Julietta Günther 






Montag, 19. Dezember 2022

Früher war es besser?

Vielleicht liegt es am Alter, dass ich immer öfter in den Tenor "früher war es besser" falle.

Gerade heute wieder. Bei uns gibt es erst seit wenigen Jahren, deutsche Lebkuchen, Stollen, Dominosteine etc. Wobei es hier die Pfeffernüsse und Schokoladenlebkuchen ganzjährig im Laden verkauft werden. Wenn man im Ausland lebt, dann überfallen einen immer wieder Mal Gelüste nach heimatlichen Geschmacksrichtungen. So packte es mich als ich die Weihnachtsbackwaren sah. Für sündhaft teures Geld kaufte ich einen Weihnachtsstollen mit Marzipan made in Germany.

Ja früher ... da schmeckte ein Christstollen noch, der Teig war nicht klietschig und bei der Marzipanfüllung war es gut, dass es auf der Packung stand.  Ob ich den ganz esse, wage ich zu bezweifeln.

Ja früher...

Da schmeckte eine Schokolade noch nach Kakao und nicht nach Zucker und sonstiges. Und übel wurde mir nur wenn ich zu viel davon gefuttert hatte und nicht nach den ersten Bissen 

Da war ein Käse noch ein Käse, der auf der Pizza oder Spaghetti herrlich Fäden zog.

Da war Milch kein gefärbtes Wasser, sondern es setzte sich die Sahne ab. Es gab tellerweise Dickmilch mit Zucker. Wir konnten es kaum erwarten, bis die Milch dickte. ... jetzt habe ich wieder das Glück, dass ich echte Milch vom Hersteller bekomme. Mein Konsum an Milch, Joghurt, Dickmilch, Quark ist sprunghaft angestiegen.

Da schmeckte eine Tomate noch nach Tomate, Gurke nach Gurke und Paprika nach Paprika.

Früher waren ganz selbstverständlich vegane und vegetarische Gerichte auf der Speisekarte, aber echt vegetarisch oder vegan und keine auf Fleisch getrimmte Ersatzprodukte mit jeder Menge Zusatzstoffe. Sorry, in meinen Augen sind vegane Schnitzel pervers. Dann esse ich lieber Ratatouille mit Reis, Kartoffelpuffer oder Gemüseeintopf. Echt vegetarisch oder vegan! Und ich stopfe nicht jede Menge Chemie in mich hinein.

Als Kinder bekamen wir Tee, echten Saft, Milch, Obst und Gemüse. Heute gib es eine farbige Flüssigkeit, bei der das einzige natürliche Wasser und Zucker sind. Obstsalat ist für viele Kinder ein Fremdwort. 

Früher, ja da war es besser. Zumindest was die Qualität unserer Lebensmittel anbelangt. Es gab weniger Lebensmittelallergiker. Bei mir reicht es schon, wenn ich ein Blick auf die Inhaltsstoffe werfe und das Produkt wandert zurück ins Regal. 


Copyright Julietta  Günther 





Freitag, 25. November 2022

Rückbesinnung und neue Wertigkeiten

Vermutlich geht es mir so wie vielen, die das Weltgeschehen um sich herum betrachten. Ich bin wütend, traurig, aber vorallem sehr nachdenklich.
Meine Sicht auf die Ereignisse, ist nicht allgemein gültig, sondern bezieht sich auf meinen Erlebnishorizont in der Welt und dem Land, in dem ich lebe. Hier ist das Leben weniger geprägt von Panikmache, Existenzängsten und Schwarzseherrei wie ich es in Deutschland erlebte. Die Menschen sind hier prakmatischer, nehmen Situationen eher als Fakt an und versuchen das Beste daraus zumachen. Menschen  die ohne Wasser oder Strom leben, sind hier keine Seltenheit.
 
Wir haben seit über einem Preisdeckel auf Sprit,  Energie und diverse Lebensmittel, auch Begrenzung auf Abgabemengen. Wir leben damit. Verstärkt tauchen Fahrräder im Straßenbild auf. Sie wurden für mich das Symbol der neuen Zeiten. Mit ihnen kommt man ohne Sprit von A nach B, selbst um Licht zu produzieren lassen sie sich einsetzten. Die syrischem Flüchtlingen benutzten sie  um über die schwedische Grenze zu gelangen. Sie ermöglichten den russischen Soldaten die Flucht aus Cherson. Die Fahrräder zeigen  mir, dass in der Bevölkerung ein Umdenken in Gang gesetzt wurde. Man besinnt sich mehr auf die grundlegenden Dinge. Die Leute haben sich bereits durch Corona und Ausgangssperren darauf  eingestellt. Die immense Preissteigerungen werden damit kommentiert, dass man jetzt Vorsorge treffen muss,  weil man nicht weiß wie es im Januar aussieht.

Es wird gespart: Benzin, Gas, Brennholz usw. Vorräte werden verstärkt angelegt. Selbst in Deutschland wurde der Gemüsegarten wieder trendy und ist seinem verstaubtem fünfziger Jahre Schrebergarten Image entwachsen. 

Die Konsumgesellschaft wurde aus ihrer Komfortzone geschubst und siehe da, sie wird kreativ. Der Ruf nach Vater Staat, der es richten muss  wird leiser, immer mehr Menschen begreifen, dass man selber aktiv werden muss. 

Schon durch corona, Ausgangssperre und Co. setzte die Umbesinnung ein. Ein Wir-Gefühl begann zu wurzeln.
Hier wurden Mittagessen an die Schul- und Kindergärten, die Alte und Kranken ausgeliefert. Der Schulunterricht wurde in die Familien verlagert. So mussten sich gezwungenermaßen sich die Eltern damit auseinandersetzen und  sich mit ihren Kindern beschäftigen. In den Gemeinden gab es Notfallnummern.  Den Quarantäne Patienten wurden Lebensmittel und Medikamenten besorgt, ggf auch für gehacktes Brennholz gesorgt. Das Wir-Gefühl bekam ein neues Outfit.

Dann  begann Russland den Krieg gegen die Ukraine. Ukraine, ein Land, das wohl für die meisten Westeuropäer so fern war wie der Mond. Nun unterstützen Menschen die Ukrainer auch mit dem Risiko eigener Nachteile oder Einschränkungen in eigener Bequemlichkeit. 

Der Mensch kümmert sich wieder um seine Mitmenschen, zeigt sich solidarisch mit Schwule, Lesben, Transgender, Andersartige. Holt die Menschen aus der Isolation in die Mitte der Gesellschaft.

Es ist eine Zeitenwende bei der Menschen mit einer Kraft an die Öffentlichkeit treten, denen kaum jemand etwas zutraute. Egal, wie man zu einzelnen Personen steht. Starke Persönlichkeiten haben die Bühne betreten. Es existiert ein Präsident Selenskyj, der es schafft trotz extremer Lage sein Volk Kraft und Mut zu geben, sowie andere Länder zu motivieren.

Starke Frauen, deren Stimme Gehör finden, betreten die Bühne. Für mich verdienen Frauen, die sich in einer männerdominierten Welt ein Gehör  verschaffen, meinen Respekt.
Politikerinnen  wie Annalena Baerbock, Ursula van der Leyen, Frauen Irans, u.v.m , geben Richtungen vor. Frauen die von Russland als  "aggressive westliche Frauen" bezeichnet werden. Dabei übersehen sie ihre Soldatinnmütter, die sich durch Lügen und Propaganda nicht mehr einschüchtern lassen, sondern laut werden und nachfragen. Journalistinnen,  die offen Protest üben. 

Da sind die Frauen, die gegen Kopftuchzwang und Unterdrückung auf die Straße gehen. 

Frauen, die ihr Recht auf ihren eigenen Körper einfordern und gegen Abtreibungsverbot protestieren. Kein Mann sagt ihnen im Gegenzug, wie sie in finanzieller Notlage in der Lage sein sollen, ein Kind grosszuziehen. Nachdem fast jede dritte Ehe geschieden wird, liegt der Pack alleine auf ihren Schultern.

Es waren die Trümmerfrauen, die mit blossen Händen die Städte wieder aufbauten. Soldatenwitwen, die ihre Kinder alleine groß zogen. In ihrem Händen lag der spätere Wohlstand. 

Seit Tagen spukt mir die Liedzeile "wozu sind Kriege da?" (Udo Lindenberg)
durch den Kopf.

Vielleicht sind sie genau dazu da, dass die Menschheit wieder geerdet wird, dass sie sich rückbesinnt auf das was wirklich wichtig ist:
Familie, Freunde, gleichwertige Menschen, ein Volk, Toleranz, Akzeptanz und ein friedliches Miteinander - nicht nur zu Weihnachten.

Copyright Julietta Günther 















Samstag, 19. November 2022

"Sind so kleine Hände" (Bettina Wegner)

Die Adventszeit und Weihnachten stehen vor der Tür, Frieden auf Erden... 

... und ich denke an die Kinder in der Ukraine... mit Tränen in meinen Augen und schreiender Seele...


"Sind so kleine Seelen 

Offen und ganz frei

Darf man niemals quälen

Geh'n kaputt dabei"

( Zitat aus "Kleine Hände" von Bettina Wegner)


Die Kinder u.a. in der Ukraine leben im Krieg in Angst, erleben Grausames, werden gequält, verlieren vielleicht ihre Liebsten. Sie erleben Kälte, Hunger, sind auf der Flucht oder werden in unbekannte Welten verschleppt.

Wenn ich könnte, würde ich Russland permanent mit Antikriegslieder beschallen, Bettina Wegners "Kleine Hände" dem Verantwortlichen ins Ohr pflanzen, die nicht einmal vor ihren eigenen Kindern Halt machen. 

Eine traumatisierte Gesellschaft mit Kindern, die nicht mehr Kind sein dürfen. 

Ich habe erlebt, wie tiefe Wunden in die Seelen eingebrannt werden, die so etwas erleben mussten. Mein Vater wuchs während des Krieges in Berlin auf, meine Mutter im späterem Ostdeutschland. Der Krieg war sowohl bei meinen Eltern als auch Grosseltern ein Tabuthema.

Nur einmal erwähnte meine Mutter, dass sie als "die Russen kamen" aus dem Schulfenster kletterten und über die Felder wegliefen. Sie konnte nie die Schule beenden. Erst nach ihrem Tod erzählte mein Vater, dass ihr das Weglaufen nicht immer glückte und sie als junges Mädchen, eigentlich noch ein Kind, vergewaltigt wurde und sie miterleben musste, wie ihrer Mutter und Grossmutter gleiches widerfuhr. Ihr Leben lang war für sie Sex nur Pflichtprogramm.

Bei meinem Vater waren Gefühle sein Leben lang eher unter Verschluss. Nur einmal, nach seinem Schlaganfall mit Mitte siebzig, kam hervor wie er als Kind das Trauma Krieg erlitten hat. Er sah im Fernsehen ein Bericht, wo u.a. von Russland die Rede war. Mit einem Mal rief er mich total panisch und aufgelöst. Er sprang aus dem Stuhl auf, packte mich so fest, dass ich noch tagelang einen Bluterguss hatten. Fast hysterisch zerrte er mich hinter sich her und rief voller Panik "schnell, die Russen kommen, wir müssen uns verstecken" ich hatte meine liebe Not ihn davon abzuhalten, sich unter dem Bett verstecken zu wollen und noch länger bis ich ihn beruhigen konnte. Er zitterte am ganzen Körper. Rund siebzig Jahre später!

Kein Kind soll so etwas jemals erleben müssen. Kinderaugen müssen strahlend vor dem Weihnachtsbaum stehen, kichern, lachen, Fahrrad fahren, Kind sein dürfen ...

" Sind so kleine Seelen"

Sollten ihr ganzes Leben noch vor sich haben!


Copyright Julietta Günther


  





Dienstag, 8. November 2022

Empathie - oder was macht einen Menschen aus?

Krieg in Europa, in der Ukraine, Russland der Aggressor - kaum 500 km entfernt. Da wird sich einfach selbstverständlich über die Souveranität eines Staates hinweggesetzt und den Menschen in der Ukraine und den eigenen Landleuten das Recht auf Leben abersprochen. 

Das macht mich nachdenklich und mir stellt sich die Frage "

wann ist ein  Mensch ein Mensch?" ... und wann hat er jegliche Empathie verloren?

Ich sah ein Film, in dem Gaffer die Rettungskräfte behindern. Ja Himmel nochmal "seid ihr noch ganz dicht?"🤔

Vielleicht bin ich inzwischen old fashion. Aber ich finde es pervers, wenn ein Vater stolz darüber ist, seine minderjährigen Söhne an die Front und in den sicheren Tod schickt. Er dann auch noch für sein Tun Anerkennung erhält, entbehrt es mir jedes Verständnis. Wenn mein Mann so etwas tun würde, Gnade ihm Gott. Sein Leben lang hätte er keine Ruhe vor mir!  Oder ein kirchlicher Priester Müttern den Rat gib, mehr Kinder in die Welt  zusetzen, damit einem der Verlust eines Kindes nicht so schmerzt.  Das muss schon echt kranken Hirnen entsprungen sein. 

Da fällt mir meine Hündin ein. Eines Tages brachte sie mir ihren vier Wochen alten Welpen. Sie wachte wie ein Augapfel über die Kleine. Luna legte mir ihr Hundchen vor die Füsse, schaute es lange an, dann wandte sie den Blick zu mir, mit Tränen in den Augen. Es schien mir als wolle sie sagen, pass auf meine Kleine auf! Dann drehte sie sich um und ging weg, obwohl sie niemals ihren Welpen nur eine Sekunde alleine liess. Als ich sie kurz darauf suchte, fand ich sie tod. 

Mensch und Tier unterscheiden sich offensichtlich.

Da werden Menschen in Zivilkleider gesteckt, gleich eines Köders in der Falle, nur damit man behaupten kann, der Feind habe Zivilisten erschossen. Wie perfide ist das und was für hirnlose Zombies müssen das sein, die das mit sich machen lassen ??

Ich frage mich auch, welch verknoteter Gehirnwindungen entsprang es, dem Menschen im Tod die Würde zu nehmen und selbst vor dem toten Menschen keinerlei Achtung zu haben. Aber auch wir, die wir uns die Bilder ansehen, haben keinerlei Respekt. Dabei heisst es "die Würde des Menschen ist unantastbar.

Auf der anderen Seite tun mir die Russen fast schon leid. Es heisst immer, in St.Petersburg leben die meisten Milliadäre der Welt. Aber der Rest der Landes lebt scheinbar in bitteter Armut. So arm, dass sie von Hyieneartikeln über Waschmaschine, bis hin zu Mobilfunkmaste, alles klauen was nicht niet und nagelfest" wasserfest ist. Sie klauen sogar Kinder! Vielleicht sollte man eine Spendenaktion ins Leben rufen. VIAGRA für Russland - macht eure eigenen Kinder!

Doch genug von Russland!

Schauen wir uns doch mal um, wann wir in unserem eigenen Mikrokosmos die Souveranität des Nachbarn in Frage stellen und uns um Kaisers Bart streiten. Die Gerichte sind voll damit. Da wird um Äste gestritten, die über den Zaun hängen; weil die Kinder zu laut sind oder ein Ball beim Spielen beim Nachbarn landet. Krass ist auch, wenn auf dem Land über den morgentlich Hahnenschrei gestritten wird Dabei ginge es  so einfach. Der Nachbar akzeptiert, dass der Hahn in frühen Morgenstunden kräht. Natur eben! Dafür gibt es jeden Tag ein Frühstücksei. So einfach kann es sein. Würde Nerven und Blutdrucktabletten sparen und vielleicht nachbarschaftliche Freundschaften entstehen lassen.  

Geschockt hat mich auch ein Erlebnis in Spanien. Ein bekannter Obdachloser, den fast jeder im Ort kannte. Ein freundlicher, hilfsbereiter Mann aus Rumänien, den das Schicksal im Spanien stranden liess. Er sass immer am Eingang zum Supermarkt. Eines morgens fand man ihn - tod - erfroren bei knapp null Grad...

Den meisten von uns geht es gut und darüber vergessen wir viel zu oft, dass das Schicksal erbarmungslos zu schlagen kann. Und jeder von uns, jederzeit, an dem Supermarkteingang oder in Trümmern sitzen könnte.

Ich betreue einen guten Freund, ohne Familie, hochbetagt in den 80-igern, fast blind, lebt in einem Land dessen Sprache er nicht so gut beherrscht. Wieviel Einsamkeit, verlorener Lebensmut, Hilflosigkeit und Depression in einem Menschen steckt, kann man als Aussenstehender nur erahnen. Viele Leute schauen weg, kaum einer kommt mal auf die Idee zu fragen, ob man helfen könnte. Ich sehe mich hingegen mit übler Nachrede und wilden Gerüchten konfrontiert.

Anderer Fall: Ein Paar hatte einen grossen Freundeskreis, nahm aktiv am gesellschaftlichen Leben Teil, war geachtet und beliebt. Der Ehepartner stirbt. Der Witwer sitzt alleine in seinem einsam gewordenen Haus und ... bleibt alleine! Kaum einer der sogenannten Freunde lässt sich mehr blicken. Aus dem Verein wird er nach und nach gedrängt. Mit Tod und Leid will keiner etwas zu tun haben. Doch auch das gehört zum Leben.

Empathie, wer hat sie und wer nicht? Oder wann ist sie uns abhanden gekommen? 

Vielleicht sollten wir uns auch die Frage stellen, ob wir bereits so abgestumpft sind, dass uns garnicht mehr bewusst wird, wann wir die Grenzen überschreiten.



Copyright Julietta  Günther