Lasst Euch entführen, in die Welt meiner Fantasie mit zauberhafte Tier- und Kindergeschichten, Erzählungen aus dem Alltag - mal amüsant, mal nachdenklich, auch mal kritisch. Taucht ein, in die bunte Welt meiner Bilder und Kollagen. - Ein Schmunzeln, ein Lachen oder auch strahlende Kinderaugen, wenn ihr ihnen etwas aus meinem Blog vorlest, das wünsche ich Euch. Aus gegebenen Anlass mache ich darauf aufmerksam, auch die Bilder dem Urheberrecht. Für mobilphone bitte auf web-version umstellen
Freitag, 3. März 2023
Ein Schaf, ein Jäger und eine Anektode reicher
Eines hatten wir nicht bedacht:
für unsere Hunde waren das Eindringlinge. Fremde, die in ihrem Revier nichts zu suchen hatten.
Nichts ahnend ließ Männe morgens die Hunde raus.
(Na ja! Ahnung hatten wir damals wirklich nicht viel oder besser gesagt, wir waren reiflich naiv an das Thema Schaf herangegangen)
Buddy lief in den Garten, verrichtete sein Geschäft bis ... na bis er die Schafe erblickte. Da gab es für ihn kein Halten mehr. Rufe unsererseits wurden ignoriert. Buddy raste auf die vier Schafe zu. Männe dem Hund hinterher. Es herrschte reichlich Tumult, was mich auf den Plan rief. Drei Schafe sprangen über den Zaun. Der Hund wurde von dem Hindernis abrupt gebremst, was mir Gelegenheit gab, den Hund anzuleinen und von den Schafen wegzuführen.
Ein Schaf war zurück in den Stall getrabt. Doch die anderen waren auf der anderen Seite des Zaunes, außerhalb des Grundstückes. Da Schafe von Natur aus Fluchttiere sind, gestaltete sich das Zurücktreiben nicht so einfach. Eines rannte freiwillig zurück ins Gehege. Ein anderes Tier rannte in den Wald und blieb für immer verschwunden. Vermutlich lief es irgendwann einmal einem überraschtem Jäger vor die Flinte. Und das vierte Tier ? Das wurde nahezu zu einer never ending story!
Wir hatten circa fünfhundert Meter entfernt einen Nachbarn, der auch Schafe hatte. Seine Tiere waren auf einem Grundstück, das an drei Seiten eingezäunt war und auf einer Seite von Dickicht und Wald begrenzt war. Seine Tiere blieben den ganzen Tag draußen, teilweise auch außerhalb Sichtweite des Eigentümers.
Unser Schaf war wie Doktor Kimbel auf der Flucht. Wir suchten es, doch fanden es nicht. Im Dorf hatten wir die Nachricht verbreitet, daß bei uns zwei Schafe abgängig seien und wir um Nachricht bäten, falls jemand die Tiere sähe. Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Nach gut einer Woche bekamen wir die Meldung, daß bei unserem Nachbars ein fremdes Tier aufgetaucht war und seine Herde anführte. Wir sollten doch mal schauen, ob das unseres sei.
Wir hin und der Nachbar berichtete uns, daß er sich seit ein paar Tagen wundere, daß seine Herde begonnen hatte, zu wandern. Noch verblüffter war er, als er feststellen musste, daß seine Herde von einem ihm unbekannten Schaf angeführt wurde. - Unser Schaf hat sich eine Herde gekapert!
Wir wollte unser Schaf zurück und so mussten wir es wieder einfangen. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn kaum kam man dem Schaf näher als zwanzig Meter - schwupps - Hufe in Bewegung gesetzt und wir sahen von dem Schaf samt Herde nur noch eine Staubwolke.
Tagelang versuchten wir es, auf die unterschiedlichste Weise. Nichts führte zum Erfolg.
Dann bestellten wir ein Jäger, der es mit einem Betäubungsgewehr schiessen sollte. Doch - unser Schaf war kein blödes Schaf! Kaum kam der Jäger in Schussreichweite - Schaf war weg! Zwei Tage lang lag der Jäger vergeblich auf der Lauer. Kaum Gewehr angelegt - Schaf war weg!
Nun war guter Rat teuer. Der Nachbar wollte unser renitentes Schaf, das nur Unruhe in seine Herde brachte, nicht behalten und wir wollten es wieder haben. Was nun?!?
Wir grübelten und grübelten. Dann kamen wir auf die Idee, die Schafe in eine Art Gatter zu treiben. Doch das gab es bei dem Nachbarn nicht. Per Schubkarre fuhren wir zwei Rollen Zaunmaterial hin und zogen bei ihm provisorisch ein Gehege. Die Schafe wurden hineingetrieben. Die ganze Herde stand drin, nur unser Schaf blieb draußen ... Verflixte Sch.. noch einmal! Neuer Versuch! Gleiches Spiel! Dann kam der Hafer als Lockmittel dran. ALLE Schafe rein ins Gatter. Super! Doch zu früh gefreut! Als die Männer das Schaf fassen wollten, sprang es über den Zaun. An dem Tag lief nun garnichts mehr.
Nächster Tag, neuer Versuch. Ich blieb zu Hause. Nach drei Stunden hörte ich von Weiten ein Tumult. Ich ging auf die Terrasse und hörte: "Komm, Du blödes Vieh!" - "Lauf endlich weiter!" - "Nein, nicht dorthin" - "Komm endlich"- "Pass auf, es reißt sich los!" usw.
Alleine die Konversation brachte mich zum Lachen.
Dann sah ich die Gruppe: fünf gestandene Mannsbilder mit hochroten Kopf und dazwischen ein ziemlich widerborstiges Schaf. Zwei der Männer waren vermutlich beim Einfangen im Mist gelandet. Einer zog das Schaf, das sich wild gebährte und in alle Richtungen zog, in die es nicht sollte. Zwei schoben das Tier und fielen immer mal wieder der Länge nach hin. Die anderen beiden prusteten und krümmten sich vor Lachen.
Irgendwann hatten sie es geschafft, das Tier ins Gehege zu bringen. Kaum von der Leine, lief das Schaf seelenruhig in seinen Stall, fast als wollte es sagen "Ätsch, Euch habe ich es aber gezeigt!"
Die Männer erzählten, daß sie das Tier x-mal in das Notgehege treiben mussten. Immer wieder ist es ausgebüchst: mal über den Zaun. Einmal hat es einen der Männer am Eingang umgerissen und ist davon getrabt. Ein anderes Mal ist es glatt über das Hausdach abgehauen. - Immerhin irgendwann hat es geklappt. - Danach lebte das Tier einige Jahre bei uns und es blieb der einzige Ausflug.
Copyright Julietta Günther
Samstag, 19. November 2022
Murphys Gesetz
Manchmal frage ich mich, ob ich besonders prädestiniert bin, dass bei mir Murphys Gesetz in geballter Form auftritt. Wenn schon Chaosprogramm, dann nicht einfach, nein - es folgt eines nach dem anderen.
Eines Tages wollte ich mir einen Tee machen. Während das Wasserkocher warm wurde, beschloss ich die trockene Wäsche von der Wäschespinne im Garten abzunehmen. Ich war keine fünf Minuten draussen. Gerade als ich wieder ins Haus wollte, hörte ich ein seltsames Geräusch aus dem Haus kommen. Bei mir kommt man von draussen direkt in die Küche. Als ich die Eingangstür öffnete, blieb ich wie angewurzelt stehen. Ich sah nichts mehr oder besser gesagt, ich stand vor einer rabenschwarzen Wand, die nicht einmal das Tageslicht vom gegenüber liegenden Fenster durchscheinen liess. Während ich noch versuchte zu begreifen, was ich sah, flackerten Flammen auf. Im Schein des Lichtes nahm ich wage die Umrisse des Wischeimers wahr, schnappe ihn und goss das Wischwasser in Richtung Flammen. Ich sah vor Schwärze buchstäblich die Hand vor Augen nicht. Dann tastete ich mich Richtung Fenster, riss alle auf. Auf allen vieren krabbelte ich in den ersten Stock, um da die Fenster zu öffnen und meine Hunde zu suchen. Auf der Treppe kamen mir meine beiden Hunde entgegen, die oben in ihrem Körbchen geschlafen hatten. Das heisst eigentlich merkte ich nur ihre feuchten Hundeschnauzen. Ich war ich heilfroh, dass ihnen nichts passiert war. Ich bugsierte sie nach draussen. Als die schwarze Wand sich verzogen hatte, kam langsam die Bescherung. Die noch qualmende Arbeitsplatte schnappte ich, warf sie über die Terasse in den Garten. Von den Wasserkocher war nichts mehr übrig. Na ja, nach Tee stand mir eh nicht mehr der Sinn, ein Schaps wäre eher angedacht gewesen. Resümee des Ganzen: Tee gab es keinen, für die Zukunft wurde auch kein Wasserkocher mehr angeschafft. Bei allen Kleingeräten wie Kaffeemaschine usw ziehe ich seitdem den Stecker. Meine Küchenschränke waren teilweise verbrannt, alles war kohlrabenschwarz. Der Qualm hatte sich bis in den ersten Stock verteilt und sich selbst in den Kleiderschränken breitgemacht. Mehrfach passierte es, dass ich irgendetwas anzog und feststellen musste, dass ich russgeschwärzt war. Einige Fliesen waren abgefallen, Steckdosen verschmort, das Wischwasser traf eine Steckdose, weshalb ich tagelang keinen Strom hatte. In den darauffolgenden Wochen bemerkte ich, dass auch meine Kochlöffel, einige Bretter und mein Toaster in Rauch aufgegangen waren. Stunden um Stunden musste ich Decken, Wände, Möbel abwaschen und streichen, sämtliche Wäsche von Hand waschen. Küche und Geräte neu einrichten bzw ersetzen. Besonders Klasse, wenn man eh nicht so viel Geld hat und es keine Versicherung gibt.
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| Das waren mal |
Noch immer bin ich nicht fertig.
Erst kürzlich dachte ich, dass ich ganz schön leichtsinnig war. Der Qualm war fast geruchlos, aber sicher nicht ungefährlich. Doch daran dachte ich in dem Moment nicht. Feuer löschen, Fenster öffnen und meine Tiere in Sicherheit bringen, das Programm spulte ich automatisch ab, alles andere war ausgeblendet.
Die Nachwirkung des Feuers noch nicht bewältigt, packte mich Murphy schon wieder.
Gemütlicher Samstagabend, schaute fern und muss dabei eingeschlafen sein. Waren vermutlich Nachrichten. Die schaffe ich nie bis zum Wetter. Ein Knall weckte mich. Als ich die Augen öffnete, sah ich geradewegs in die Flammen, die aus dem Fernseher loderten. Jetzt standen aber die Geranien auf der Fensterbank und das Fenster konnte ich nicht so schnell öffnen. Ich raste ins Schlafzimmer, riss die Balkontür auf, peste wieder ins Wohnzimmer schnappte mir den Fernseher, wieder zurück durchs Schlafzimmer, zwischendrin schmolz das Chassis vom Fernseher und hinterliess überall brennende Laachen. Raus in den Garten. Muss 'ne heisse Sendung gewesen sein! Blöderweise lag unter dem Fenster noch der tonnenschwere alte Fernseher, den ich wegen des Gewichts nur durchs Fenster aus dem Haus bekam. Den hatte ich am Tag zuvor rausgeworfen. Der brennende fiel auf den anderen und so brannten beide trotz Löschwasser noch eine gute Stunde. Die brennden Pfützen im Wohn- und Schlafzimmer konnte ich nur mit Mühe löschen. Zum Glück war ich schnell genug und meine Dachschräge unter der der Fernseher stand, war nicht in Brand geraten. Nun denn, jetzt hatten die bereits vom ersten Brand verrusten Wände, nochmals etwas schwarzes make up aufgelegt. Dafür aber lag dieses Mal ein beissender Geruch in der Luft. Kürzlich nahm ich ein Buch aus dem Regal. Verflixt nochmal! Ich dachte, ich hätte inzwischen alles abgewaschen.
Na ja, wer keine Arbeit hat, bekommt sie eines Tages dicke ... zumindest scheint dies mein Karma zu sein.
Aber es wäre zu schön um wahr zu sein, wäre das das letzte Chaosereignis in dieser Reihe gewesen. Ich freute mich schon auf Weihnachten und begann die Wohnung auf Weihnachten zu krempeln. Eines Nachmittags komme ich in den oberen Stock, ins Art Gästezimmer, bzw was es mal werden soll. Und was erwartet mich da? Nee, dies Mal kein Feuer, sondern ein anderes Element. Wasser! Indirekt. - Die komplette Deckenverkleidung war runter gekommen. Durch Pfusch am Bau war bei der Dachisolierung offensichtlich die falsche Folie verwendet worden. Gipskarton, Folie, Gipskarton als Sandwich. In der äusseren Platte liess sich die Feuchtigkeit von aussen nieder, die innere saugte sich mit dem Kondenswasser aus den Räumen voll. Irgendwann war sie so schwer, dass sich die Unterlattung ausbreitete, nach aussen bogt, die Schrauben die schwer gewordenen Platten nicht mehr halten konnten, sich von der darunterliegenden lösten und - klatsch kam mir die Decke entgegen. Das gleiche geschah kurz darauf im Schlafzimmer. Tja und gestern Abend folgte das Wohnzimmer und Treppenhaus. Wer denkt, damit war Ruhe, der irrt! An der Folie lief das Wasser herunter. Als die weg war, tropfte es wochenlang von der darunter liegenden Verkleidung. Insgesamt dauerte es gute drei Monate bis der Mist abgetrocknet war. Kam mir schon vor, wie in einer Tropfsteinhöhle. An Weihnachtsdeko und Gäste war nicht mehr zu denken.
Und damit mir ja nicht langweilig wird ... gerade als die Wände so weit trocken waren, dass ich mit der Renovierung hätte weiter machen können ...
Ich kam mit dem Korb mit der Schmutzwäsche die Wendeltreppe runter. Normalerweise laufe ich aussen und nicht innen, wo manche Stufen nur drei Zentimeter breit sind. Irgendwie verhackte ich mit dem Wäschekorb in Höhe der Geschossdecke und lernte das fliegen. Kostenloser Flug aus dem ersten Stock. Am Ende der Treppe landete ich auf den Fliesen und letzten Stufen, Stufenkante knapp drei Zentimeter über dem Genick. Gebrochene Rippen, riesen Beule am Hinterkopf, Gehirnerschüttterung und einen gebrochenen Ellenbogen. Letzteren bemerkte ich zuerst garnicht. Erst Tage später als wir die rund sechzig Kilo schweren Oleanderkübel hievten, bemerkte ich, dass etwas nicht stimmt. Irgendwie hat der Arzt es auch nicht ernst genommen, verschrieb mir eine Creme. Tage später bin ich wieder hin, als es im Ellenbogen piekste und ich mich nicht darauf aufstützen konnte. Also wurde ich zum Röntgen geschickt. Der Arzt glaubte mir noch immer nicht, dass er gebrochen war. Seit dem Freiflug waren inzwischen gute zwei Wochen vergangen. Selbst der Röntgenarzt dachte vermutlich, ich simuliere. Als die Röntgenbilder kamen, schaute mich der Arzt, die Schwester und die Sprechstundenhilfe an, als käme ich von einem anderen Stern. Er meinte, er wäre gebrochen. Worauf ich antwortete "das sagte ich doch". Ob ich denn keine Schmerzen hätte? Nö, müsste ich denn? Auf jeden Fall könne er jetzt nichts mehr machen, der Unfall sei schon zu lange her. Wäre auch noch schöner, wenn ich jetzt ins Krankenhaus verfrachtet worden wäre. Darauf hatte ich nun überhaupt keinen Bock! Insgesamt brachte mir mein Flugversuch drei Monate Therapie ein. Erst Krankengymnastik, damit ich meinen Arm mehr wie zehn Zentimeter vom Körper abheben konnte. Dann wurden meine mittleren Finger taub, erst die eine Hand, dann die andere. Man hätte meinen können, bei mir wäre jeden Tag Polterabend. So hatte ich bald buchstäblich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Da ich die Finger nicht spürte, entglitt mir ständig Geschirr. Die Ärzte haben mich besser hinbekommen wie vorher, aber die Renovierung lag brach.
Jetzt reicht's!
Es war Halloween. Statt die Wintergeister zu vertreiben, habe ich daran gemacht, Murphys Gesetz zu brechen.
Copyright Julietta Günther
Mittwoch, 14. Februar 2018
Good Luck!
Stotternd suchte er nach Worten und nach einer Weile sagte er : "Upps!" ....
Der Grund?
Als er den Schornstein reinigte, stand ich in Nähe des Holzofens. Plötzlich hörte ich ein lautes Geräusch und im gleichen Moment kam eine schwarze Wolke aus dem Ofen. Mein Gesicht, meine Haare, meine Kleider, die nächsten Meter um den Ofen herum, alles war schwarz und die Luft war mit Russ gefüllt. Ich rannte aus dem Zimmer, der Schornsteinfeger hinterher. Er stotterte "Es tut mir so leid!" - "Es tut mir so leid!" - "Ich weiss gar nicht, wie das passieren konnte!" Ich begann zu lachen und lachte bis mir die Tränen kamen. Dann allerdings sah ich aus wie ein Clown! Die Lachtränen mischten sich mit dem Russ und als ich die Tränen wegwischte, machte ich das Bild komplett. Nun begann der Schornsteinfeger zu lachen, trotz all seiner Bemühung Fassung zu bewahren ...
Der Grund der schwarzen Wolke war, dass der Eigentümer des kleinen Hauses jahrelang den Schornstein nicht putzen ließ. Als der Schornsteinfeger begann ihn zu reinigen, lösten sich gute zwei Meter Schlacke. Diese fiel den Schornstein hinab und verursachte die Russwolke, die aus dem Ofen drang. Es brauchte Wochen, um den Russ aus allen Möbeln, Vorhängen und Teppichen zu bekommen.
Der Volksmund sagt, dass der Schornsteinfeger Glück bringt, doch dies war ein wenig zu viel😀
Copyright Julietta Günther
Sonntag, 11. Februar 2018
Ski heil!
- also Alles in Allem technisch desorientierte .Chaoten!
Es stand unsere Schullandheim-Fahrt an. Es ging nach St. Anton ins Arnthal. Das kannte ich recht gut, da ich dort schon einmal während meiner Realschulzeit war. Doch dieses Mal ging es ins Skischullandheim. Später habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, wie meine Eltern diese Schullandheimaufenthalte überhaupt haben finanzieren können, zumal ich noch einen Bruder hatte, der ebenfalls ins Schullandheim fuhr.
Ich konnte schon einigermaßen Skifahren. Für unsere beiden Spezialisten war es Neuland, das sie uns dann auch mehrfach bewiesen. Nie werde ich vergessen, daß einer einen quietschgelben Skianzug trug, während der andere in grasgrün daher kam. Nicht daß die Farben gerade modern waren, die Skianzüge waren vermutlich beim Skiverleih nicht ausgeliehen worden. Es erwies sich als Wink des Schicksal, daß beide in Leuchtfarben unterwegs waren.
Grasgrün war ein schmächtiger, knapp ein Meter sechzig großer junger Mann. Gelb gerade das Gegenteil. Er war von großgewachsener kräftiger, stämmiger Gestalt.
Wir gingen den ersten Tag auf die Piste und mitten unter uns zwei, die noch nie im Leben auf Skier standen, geschweige denn einen Skilift benutzt hatten. Und damit begann das Abenteuer für uns Alle!
Erstaunlicherweise kam Gelb recht gut mit dem Einstieg in den Anker-Schlepplift klar. Doch er war alleine, weil sein Nachbar den Anschluss verpasst hatte. Bei der ersten Steigung passierte es dann! Der Anker rutschte weg! Gelb schaffte es noch, ihn festzuhalten und so hing er am Anker - wie ein nasser Sack! Sein Allerwertester schliff dabei über dem Boden, während er in der Hocke sitzend den Anker krampfhaft festhielt. Wir anderen standen unten, ob der Komik dieser Situation und des Bildes, das er abgab, lachten wir Tränen. Gelb kam tatsächlich oben an - mit schneeweißem Hinterteil, was uns erst Recht in Gelächter ausbrechen ließ.
Nun kam Grasgrün an der Reihe. Dessen Nachbar schaffte es nicht nur Grasgrün auf den Anker zu setzen, sondern selber Platz zu nehmen. So fuhren die beiden los. Es ging einen steilen Hohlweg hinauf. Rechts ging es eine gute vier Meter tiefe Böschung in den Wald hinunter, links dafür drei Meter hinauf. Platz war nur für den Lift und seine zwei Skifahrer am Anker. Auf halber Höhe des Teilhanges geschah es: Grasgrün kam ins Rudern, schmiss dabei seinen Nachbarn aus dem Anker, der rechts den Abhang hinab rutschte und einige Meter tiefer im Wald im Tiefschnee fluchend zu stehen kam. Grasgrün hielt sich noch ein paar Meter, dann kam eine Bodenwelle und er ließ den Anker los. Was dann geschah war Slapstick reif: Er rutschte auf seinen Skier rückwärts die Liftspur hinunter, dabei räumte er die nachfolgenden Anker ab. Als der Liftführer reagierte und den Schlepplift anhielt, lagen mindestens zwanzig Skifahrer entweder rechter Hand unten im Wald oder klebten links an der Böschung. Nur wenigen war es gelungen, in der Liftspur zum Stehen zu kommen. Es dauerte fast zehn Minuten bis sich die Situation geklärt hatte, die Skifahrer die Liftspur abfuhren, ihre verlorenen Skier eingesammelt hatten, Grasgrün wieder zur Liftstation zurück gebracht wurde. Danach sah die Liftspur aus als wäre der Yeti mit seinen Füßen hinunter gestampft.
So nun neuer Versuch: Grasgrün an den Anker. Ihn nahm ein erfahrener Skifahrer unter die Fittiche und sie kamen oben ohne besondere Vorkommnisse an. Bei dem nächsten Versuch, den Grasgrün eigenständig vornahm, kam es zur nächsten kuriosen Aktion. Am Ende des Schleppliftes stand eine Rampe aus Holz, so eine Rampe wie sie heute Skateborder für ihre Kunststücke verwenden. Grasgrün liftete alleine, kam oben an und fuhr die Rampe hinauf - da blieb er stehen! Genau auf der Kante! Die Skienden hingen sowohl vorne als auch hinten in der Luft. Jetzt stand er da, kippelte hin und her. Wir hielten den Atem an und hofften, daß er nicht die vier Meter von der Rampehinunter fiel. Alle Skifahrer, die nach ihm aus dem Lift stiegen, versuchten sich schnell in Sicherheit zu bringen. Unten an der Rampe hatten sich bereits Trauben von Schaulustigen gebildet. Wie bringt man einen Skifahrer von der Rampe, der oben kantig balanciert?!? Die Rampe war so steil, daß wir nicht hinauf konnten, um ihn dort herunter zu holen.
Irgendwann schaffte er es bei seinem Balanceaktion die Hocke zu kommen. Wir hielten den Atem an. Er konnte sich festhalten und rutschte auf dem Bauch die Rampe hinunter.
Nun konnte es an die Abfahrt gehen. Wir hatten uns darauf geeinigt, daß wir in Gruppen bleiben, Gelb und Grasgrün unter unsere Fittiche nehmen, die besseren Skifahrer fuhren eine überschaubare Etappe und die anderen folgten. Nun erwies es sich als sehr hilfreif, daß Grasgrün und Gelb weithin zu sehen waren. Beide hatten unterschiedliche Fahrstile:
Gelb rutschte im Pflug langsam den Hang hinunter, doch er hatte den Dreh noch nicht raus, um richtig zu steuern oder zu halten. So rutschte er schon mal in eine Gruppe stehender Skifahrer und holte die von den Skiern. Glücklicher Weise nahm es ihm niemand übel und nach seiner zweiten Abfahrt, gingen ihm alle aus dem Weg.
Grasgrün hingegen hatte einen Kamikaze-Stil. Er fuhr nahezu Schluss den Berg hinab, dabei fuhr er mal auf den rechten, mal auf dem linken und hin und wieder auf beiden Skiern. Dabei wedelte er mit den Skistöcken wie ein Kolibri mit den Flügeln. Es machte ergo Sinn, ihm möglichst aus dem Weg zu gehen. Wenn er in die Nähe unserer Gruppe kam, musste jemand ihn auffangen, sonst wäre er glatt weiter gefahren. Ein Wunder, daß er sich dabei nicht die Ohren gebrochen hat. Nach seiner zweiten Abfahrt, hörte man, sobald er in Sichtweite kam "Vorsicht er kommt!"
Bei einer weiteren Abfahrt, standen wir am Pistenrand. Gelb war bereits angekommen, wir warteten noch auf Grasgrün. Als auch er zu unserer Gruppe aufgeschlossen hatten, wollten wir weiter fahren. Dann bemerkten wir, daß Gelb nicht mehr bei unserer Gruppe stand. Wir rätselten, ob er bereits abgefahren sei, doch keiner hätte es bemerkt. Nur per Zufall drehte sich einer um und erblickte Gelb. Dieser lag einige Meter tiefer auf dem Rücken liegend im Tiefschnee. Seine Skier steckten rechts und links im Schnee und wie eine Schildkröte auf dem Panzer liegend, versuchte er sich aus der misslichen Lage zu befreien. Was aber alleine schier unmöglich war. Wir also alle unsere Ski ab geschnallt, den Hang runter gerutscht und ihn mit vereinten Kräften aus dem Schnee gezogen. Wir waren ganz schön durchgeschwitzt bis wir ihn wieder oben auf der Piste hatten.
Die kommenden Tage gewannen die Beiden mehr Übung, es klappte immer besser. Allerdings hatte Gelb am vierten Tag bereits das zweite Paar Leihski zu Kleinholz verarbeitet.
Am fünften Tag fuhren die beiden einen Holzweg hinunter, Grasgrün voran und Gelb hinterher. Grasgrün stürzte und saß am Boden als Gelb nicht mehr bremsen konnte und in ihn hinein fuhr. Auch er stürzte, dabei rutschte er mit seiner rechten Pobacke über die Skikanten ... Resultat:einen zehn Zentimeter langer, tiefer Schnitt, der im Krankenhaus genäht werden musste - und das dritte Paar Leihski im Eimer. Gelb konnte daraufhin nur auf dem Bauch schlafen, im Stehen sein Essen einnehmen und musste sich unsere Frotzeleien anhören.
An dem Abend gingen einige von unseren Klassenkameraden ins Dorf. Offensichtlich hatten sie einen Einkehrschwung in die Dorfkneipe gemacht. Als sie zur Sperrstunde noch nicht wieder zurück waren, machten sich ein paar Lehrer auf die Suche nach ihnen. Die Lehrer kamen mit einer angetrunkenen Gruppe grölender Schüler im Schlepp zurück, Man waren die sauer!
Es kehrte Ruhe ein. Wir Mädels hatten unser Zimmer im zweiten Stock, ganz hinten am Ende des Ganges. Morgens kam gegen sieben immer ein Lehrer zum Wecken, dabei stürmte er immer ohne Anzuklopfen ins Zimmer. Wir hatten es uns somit zur Gewohnheit gemacht, erst aufzustehen, wenn er wieder draußen war. Als am kommenden Morgen um halb neun noch immer niemand zum Wecken gekommen war, im ganzen Haus hingegen reges Treiben herrschte und ein ständiges Auf und Ab zu hören war, krochen wir aus unseren Betten. Eine Mitschülerin zog sich schnell etwas über und ging nach dem Rechten schauen. Als sie zurück kam, gluckste sie vor Lachen und erzählte uns, was es mit dem Radau auf sich hatte.
Als unserer Mitschüler im Stock unter uns aus dem Bett stiegen, standen sie zehn Zentimeter tief im Wasser. Diejenigen, die in der Etage darunter schliefen, tropfte das Wasser von der Decke ins Gesicht. Im Treppenhaus lief das Wasser wie Kaskaden die Stufen hinunter und hatte bereits den Keller überflutet. Wir Mädels wurden wieder zurück in unser Zimmer gescheucht, während unserer Mitschüler zum Wasser schleppen und Putzen heran gezogen wurden. Der Anfangsverdacht eines Rohrbruches klärte sich schnell auf. Ursache des Wassereinfalles? Das war so simpel, wie auch äußerst unglückliche Umstände.
Bei der Zechtour unserer Mitschüler muss einer wohl zu viel zu tief ins Glas geschaut haben. In der Nacht war er aufgestanden, hat gereihert, wollte mit seinem benebelten Kopf die bespuckte Toilette reinigen. Das verwendete WC-Papier steckte er in das Toilettenbecken. Doch die Spülung war hängengeblieben und es lief weiter Wasser nach ... und überschwemmte so zwei Stockwerke nebst Keller und sorgte für unerwartete Duschen von der Decke.
Die restlichen drei Tage des Skischulandheim-Aufenthaltes hatten wir Stubenarrest und Ausgangssperre. Vermutlich haben die Lehrer drei Kreuze gemacht, als wir zu Hause wieder aus dem Bus stiegen. Ich denke, diese Schullandheimfahrt wird ihnen ewig in Erinnerung geblieben sein.
Copyright Julietta Günther
Donnerstag, 1. Februar 2018
Jojo, unser Spezial-Hütehund
... ein Jack Russel Terrier - eine Hundrasse, die bei der Wildschweinjagd zur Hatz eingesetzt wird. (In wieweit ich das gut finde oder nicht, sei dahin gestellt...). Er lieb es wie ein Wilder im Garten zu rennen, d.h. eigentlich rennt er wie bekloppt mindestens eine halbe Stunde lag über Stock und Stein, während die anderen Hunde ihn reichlich verwirrt beobachten.
Zuerst erzähle ich Euch die Geschichte, wie Jojo zu uns kam: Jojo lebte bei einem unserer Nachbarn. Keine zwei Monate alt war er angekettet, während sein Besitzer nur alle paar Tage nach ihm sah. Die Hütte stand so, daß aller Regen, Wind und Schnee genau in seine Unterkunft blies. Seine Mutter war erschossen worden, offensichtlich taugte sie nicht mehr zur Jagd. Wir hörten oft wie er jaulte und unsere Hunde bellten empört. Wer glaubt, Hunde können das nicht, der irrt. Sie jedenfalls kläfften wie verrückt, sobald er nur anfing und wären am liebsten zu ihm gerannt. Er war eben ein Hundewelpe in Not.
Eines Tages war Ruhe und ich befürchtete schon, daß es um den kleinen Kerl geschehen sei. Doch irgendwann im Laufe des Tages bemerkte ich bei unserem Buddy eine Hundpfote, die da nicht hingehörte. Da lag der Foxi und schlief neben dem grossen Schwarzen. Ich brachte den Knirps schweren Herzens wieder zu seinem Besitzer. Es war nun einmal nicht unser Hund und Ärger mit der Nachbarschaft, wir waren gerade frisch hingezogen, wollten wir nicht riskieren. Manchmal muss man leider sich gegen Tierliebe für Menschenliebe entscheiden.
Das Spiel ging drei Mal, immer wieder zurück gebracht, kurz darauf war der Bumerang-Hund wieder da. Eines Morgens im Dezember kam ich raus, in der Nacht war es bitterkalt und hatte geschneit, da lag ein kleines zitterndes weiß-braunes Bündel auf unserer Fußmatte. Ich nahm den kleine kranken Hund ins Warme und wir beschlossen: nun bringen wir ihn nicht mehr zurück! Nach einem dreiviertel Jahr fragte tatsächlich der Besitzer bei uns nach, ob der Hund bei uns sei ... - no comment!
Jojo war also unser neuer Mitbewohner und nun zur eigentlichen Erzählung:
Wie ihr wisst, haben wir Schafe und Ziegen. Damals waren es nur Schafe.
Jojo als Hütehund!?!
Eines Tages war Männe mit der Herde Schafe auf der Aussenweide, da bückste unser Jojo aus. Ich konnte noch rufen "Vorsicht Jojo kommt!" doch es war bereits zu spät. Der Hund peeste zwischen die Herde, die fluchtartig das Weite suchte. Eine Hälfte in den Wald, die andere in die entgegengesetzte Richtung. Männe dem Hund in den Wald hinterher, ich die Beine unter die Arme genommen, den beiden nachgerannt. Rennt mal einer durchgegangenen Herde und einem wildgewordenen Jack Russel in Jagdlaune hinterher. Mit hochrotem Kopf bekam ich irgendwann den Hund zu fassen, der glücklicher Weise auf mein Kommando zu kommen reagierte. Ich den Hund wieder in Gewahrsam genommen und mich auf die Suche gemacht.
Von Weitem sah ich Männe mit einem Schaf auf den Schulter mir entgegen kommen, schon befürchtete ich, daß unser Jackie es erlegt hatte. Schließlich können die Jack Russel auch ein Wildschwein killen... Zum Glück war das Tier unverletzte, aber so erschöpft von der Hatz, daß es sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Ich übernahm das Schaf, brachte es in den Stall, währenddessen Männe sich aufmachte, nach der Herde zu suchen. Einige Tiere fand er im Wald und brachte sie zurück. Der andere Teil der Herde war verschwunden.
Männe machte sich auf die Suche nach den restlichen Schafen ...
Nach guten drei Stunden kam er fluchend mit den Tieren zurück: die Haare standen ihm wild ab, total verdreckt, Kleidung zerrissen und schimpfend wie ein Brunnenputzer. Er gab ein unvorteilhaftes Bild von einem Mann ab und in mir stieg ein Lachreiz auf, den ich nur mit Mühe zurück halten konnte. Während ich glucksend mein Lachen versuchte zu unterdrücken, warf mit Männe einen bitterbösen Blick zu, was kontraproduktiv war Da war es dann völlig um meine Fassung geschehen und ich bekam einen unkontrollierbaren Lachkrampf. Während ich am Boden saß, mir liefen inzwischen die Lach-Tränen über die Wangen, verbrachte er die Tiere in ihre Unterkunft. ... Irgendwann hatte ich mich soweit beruhigt, daß ich mich daran machten konnte, meinen Männe seinerseits zu beruhigen. Zum Glück hatte ich den Jackie in Sicherheit gebracht. Männe war so in Rage 😡, wer weiß was er sonst gemacht hätte (Hund in Einzelhaft bei Wasser und Brot 😉 ... - keine Bange, dazu wäre es sicher nicht gekommen)
Wer jetzt immer noch der Meinung ist, daß dieser kleine quirrlige Jack Russel zum Hütehund taugt, der ist jetzt eines Besseren belehrt ..
Das Wichtigste jedoch ist, daß alle Tiere es heil überstanden haben, wir um eine Erfahrung reicher sind (wenn Schafe draußen, Jojo rein ins Haus!) und Männe hat sich bei einer Flasche Bier auch wieder beruhigt. - ... und wir haben eine Episode über die wir im Nachhinein herzhaft lachen.
Copyright Julietta Günther
Sonntag, 24. Dezember 2017
Wet Chrismas
Die ganze Woche hatten wir gearbeitet und so blieb mir leider nichts anderes übrig, als am Samstagmorgen noch schnell einkaufen zu gehen. Ich schnappte mir meine Jungs und stürzte mich ins Einkaufsgetümmel. Wer dachte, daß Heiligabend Morgen die Geschäfte leer sind, der täuscht sich ... Lange Schlangen bildeten sich an den Kassen und auf den Parkplätzen herrschte Gedränge. Total gestresst war ich froh als ich mich endlich auf den Heimweg machen konnte.
Zu Hause angekommen, verfrachtete ich meine Buben ins Kinderzimmer. Mein damaliger Ehemann war wie immer am Heiligabend abgängig. Was soviel bedeutete, daß er grundsätzlich am Heiligabend Morgen seine Weihnachtsgeschenke einkaufen ging. Wie er es allerdings immer schaffte, Stunden nach Geschäftsschluss und wenn bei mir die meistens Fest-Vorbereitungen abgeschlossen waren, nach Hause zu kommen, das war und blieb für mich ein Rätsel.
Ich begann meine Einkäufe auszuladen und als ich in die Küche kam, stand ich im Wasser! Ich befürchtete erst ein Rohrbruch oder ähnliches. Verfrachtete die Lebensmittel auf den Esstisch und begab mich auf Ursachenforschung. Dann traf mich fast der Schlag. Irgendwie hatten wir es geschafft, versehentlich die Gefrierschrank-Kombi auszuschalten und somit zum Abtauen anzuregen. Das Wasser stand nicht nur in der Gefriere und in der Küche, sondern auch in dem darunter befindlichen Kühlschrank. Die darin bereits vorrätigen Lebensmittel, standen ebenfalls im Wasser und die Packungen waren durchweicht. Jetzt hieß es erst einmal, Kühlschrank und Gefriere wieder trocken zu legen. Geschlagene zwei Stunden vergingen, bis ich das Chaos in den Griff bekam und meine Einkäufe endlich verräumen konnte.
Nun wurde der Zeitplan eng. Inzwischen war es bereits Mittag geworden. Sinniger Weise hatte ich an dem Tag auch noch die schwäbische Kehrwoche und musste das Treppenhaus putzen. Das durfte nur am Samstag sein. Ich schnell den Besen geschwungen, die Treppe gefegt (möglichst geräuschvoll, damit jeder im Haus mitbekam, daß ich wirklich der Kehrwochenpflicht nachkomme und ich mir keinen Beschwerdebrief der Verwaltung einhandelte). - Geschafft!
Ich zurück in die Wohnung, die Wohnungstür geschlossen und rückwärts in den vollen Wischeimer getreten, der daraufhin umkippte und das Wischwasser sich in den Flur ergoss. Dort lag ein verklebter Nadelfliesteppich. Unmengen von Handtücher geholt und versucht das Wasser aufzusaugen. Meine Kinder fanden das "Panschen im Flur" cool. - Ich weniger!
Um drei Uhr nachmittags, mein Ex war noch immer nicht aufgetaucht, war der Baum noch nicht geschmückt und die Gans nicht im Rohr. Letzteres erledigte sich auf überraschende Weise. Als ich irgendwann wieder in die Küche kam, wunderte ich mich, was unter der Eckbank in der Ecke lag: eine angefressene Gans! Nachbars kleine Miezekatze war durch die offene Terrassentür in die Wohnung geschlüpft und hatte sich an der Gans, die doppelt so groß wie sie selber war, gütlich getan. Das war's mit der Weihnachtsgans! Langsam war mit eh alles schnurz und es breitete sich eine Art Galgenhumor in mir aus.
Mit meinen Kindern machte ich mich ans Schmücken des Baumes. Ich fand das immer sehr schön und schmunzeln betrachtete ich, was die Kinder so alles an den Baum hangen: aus Tropfkratzern gebastelte Enten, Tannenzapfenwichteln, die Ostereier aus dem Kindergarten durften auch nicht fehlen, eine kleine Affenfigur und irgendwo baumelte zwischen den Weihnachtskugeln auch ein Matchbox Auto. Kindgerechter Weihnachtsbaum! Die Jungs fanden den stark. Insbesondere weil er damals das Lametta in ihrer Wahlfarbe trug: oben helllila, in der Mitte in mittellila und unten in dunkelviolett. Als mein Mann gegen achtzehn Uhr endlich auftauchte, war der Baum fertig und er verdrehte die Augen. Dann kam der Kommentar, den ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen werde: "Erst habe ich nur eine emanzipierte Frau, nun auch noch einen emanzipierten Weihnachtsbaum!" :-)
Es gab ein improvisierten Weihnachtsessen. Wir hatten gerade mit dem Essen begonnen, als mein Jüngster ein Glas um stieß. Alles schwamm! Bevor ans Weiteressen zu denken war, musste alles wieder trocken gelegt werden. Als wir fertig waren griff mein Ex über den Tisch und dabei stieß ein großes Saftglas um. Der Saft ergoss sich über den Tisch. Wieder mussten wir den Tisch zur Hälfte abräumen. In mir breitete sich stoische Ruhe aus, denn schlimmer konnte es wohl nicht mehr kommen! - Doch weit gefehlt! ...
Gegen zwanzig Uhr konnten wir endlich mit der Bescherung beginnen. Die Kinder rissen ihre ersten Geschenke auf und ich hätte meinem Ex am liebsten sein Weihnachtsgeschenk an mich, über den Kopf gehauen: eine Pfanne - mit Deckel wohlgemerkt (was er stolz wie Harry anmerkte und mein innerliches Brodeln noch mehr verstärkte). Ich stand kurz vorm Ausbruch. Da drehte er sich um und mit seinem Allerwertesten kam er in den Baum. Dieser begann sich zu neigen und wie in Zeitlupe fiel er um. Ich hatte an dem Chaostag vergessen ihn anzubinden. Nach einer Schrecksekunde kam Hektik auf. Der deckengroße Weihnachtsbaum war in all seiner Pracht, mit Kugeln und Lametta auf die Kinder gefallen. Die langen nun darunter und begannen erschreckt zu weinen. Also wir schnell die Buben darunter hervorgezogen und in Sicherheit gebracht. Den Baum wieder aufgerichtet. Um uns herum herrschte ein wildes Chaos aus abgebrochene Zweigen, zerbrochene Kugeln, verstreutes Lametta, zerdrückte Kinderbasteleien und verstörte, weinenden Jungs. Aber nicht nur das! Der Baum stand in einem Baumständer der voll Wasser war und das breitete sich nun im Wohnzimmer und auf dem Teppich aus. Wieder war wischen angesagt, das Lametta und die Kugelreste klebten auf dem nassen Parkett, dazwischen schluchzten die Kinder und trauerten um ihren einst so schön geschmückten Baum. Irgendwann beruhigte sich die Situation. Mit Wischmob, Eimer und den letzten trockenen Handtüchern wurde trockengelegt. Während auf der anderen Seite, der Staubsauger die Kugelsplitter aus den Sofakissen und der Couch sog.
Endlich gegen zweiundzwanzig Uhr konnten wir mit der Bescherung weitermachen. Den Kinder fielen inzwischen schon langsam die Augen zu und sie konnten sich nicht mehr richtig an ihren Geschenken erfreuen. Gemäß "Vom Winde verweht": "Das verschieben wir auf morgen".
Als die Kinder im Bett lagen und bereits im Reich der Träume waren, sammelten wir die letzten Reste des Baumbruches zusammen, setzten uns mit einem Glas Wein auf die Couch und ließen es Revue passieren: Unser Wet Chrismas!
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Freitag, 1. Dezember 2017
Eines Nachts
Wir duckten uns immer tiefer in die Autositze und ich lugte nur zur Vorsicht etwas über das Armaturenbrett. Um uns herum schossen mehrere Gestalten, die durch die Nacht rannten. Eine surrealle Szenerie. Mir schossen die schlimmsten Befürchtungen durch den Kopf und ich schickte Stoßgebete gen Himmel, daß wir dies heil überstehen. Irgendwann gesellte sich neben uns ein anderes Auto. Vermutlich war danach die Autobahn hinter uns gesperrt worden, denn es folgte kein weiteres Fahrzeug nach. Nachdem das zweite Auto ebenfalls die Fahrbahn vor uns beleuchtete, konnte ich etwas mehr erkennen: der weiße Wagen hatte einen eingedrückten Kotflügel und war vermutlich nicht mehr fahrbereit. Hinter und davor standen weitere Autos kreuz und quer, normale Personenwagen, Polizeiautos und Krankenwagen, sowie noch weitere für mich nicht klassifierbare Fahrzeuge mit den unterschiedlichsten Blicklichtern. Personen rannten über die Bahn und schossen scheinbar wahllos in die Nacht. Irgendwann sah ich, was der Grund dieses Spektakels war: ein Wildschweineber rannte zwischen den Autos umher. Polizisten versuchten mit ihren kleinen Pistolen das Tier zu erlegen, Der Eber war wohl schon mehrfach getroffen, in Panik drehte er sich um und machte nun seinerseits Jagd auf die Schützen. Nun rannten die Polizisten vor dem Tier her. Einem kam das Wildschwein bedenklich nahe, als dieser sich mit einem Sprung über die Motorhaube des weissen Autos erstmals ins Sicherheit brachte. Die Situation war so absurd, daß ich einfach lachen musste.
Wir saßen in den Auto, inzwischen standen wir bereits eineinhalb Stunden und beobachteten das spezielle Movie. Meine Blase drohte zu platzen und ich wusste schon garnicht mehr, wie ich es mir noch verkneifen sollte. Wieder kam ein Polizist auf unser Auto zu und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich meinte, im Prinzip schon, aber ich müsste dringend für "kleine Königstiger" - Der Polizist sah sich suchend um, meinte "kommen Sie" und geleitete mich mit der Pistole schussbereit im Anschlag zum Straßengraben. Ich erleichterte meine Blase, währenddessen keine zwei Meter der Schütze angestrengt über die Felder in die schwarze Nacht sah. Noch mit offener, halb heruntergelassener Hose hechtet ich wieder ins Auto. Männer haben es da doch einfacher, denn selbst im Auto war es garnicht so einfach sich wieder komplett anzuziehen.
Das Licht meines altersschwachen B-Kadett durfte ich jetzt ausschalten. Doch nun standen wir in völliger Dunkelheit und langsam stieg die Müdigkeit in mir auf. Mein Sohn war inzwischen wieder eingeschlafen, unbeeindruckt dessen, dass noch immer Schüsse durch die dunkle Nacht hallten. Es war halb zwei in der Nacht als der Spuk ein Ende fand und die Polizei die Fahrt wieder frei gab.
Der Wagen neben mir setzte sich in Bewegung und - mein Auto gab keinen Ton mehr von sich! Na Klasse, die Batterie war leer! - Der nächste Polizist, der nun ans Auto kam, war nicht mehr so freundlich, sondern schnauzte mich an, warum ich denn nicht losfuhr, Als ich ihm sagte, dass meine Batterie schlapp gemacht hat und ich ihn um Starthilfe bat, bekam ich als Antwort, dass ich auf den Abschleppwagen warten musste. Sie schoben mein Auto an den Straßenrand. Da kam erst Recht Freude bei mir auf: Hundemüde und als alleinerziehende Mutter nicht gerate mit voller Geldbörse gesegnet, harrte ich auf die Dinge, die da kommen würde, während in mir die Gehirnwindungen ratterten und rechneten.
Eine gefühlte Ewigkeit später kam der Abschlepper. Der weiße Wagen wurde die Rampe hochgezogen und ich wurde hinten angehängt. Wir fuhren an dem Ort des Geschehens vorbei. Am Fahrbahnrand sah ich die tote Rotte liegen: vier ausgewachsene Wildschweine und fünf Ferkel. Sinnigerweise fuhr der Abschleppwagen in entgegengesetzter Richtung zu meiner Fahrtrichtung. Irgendwann sprang mein Wagen an, ich wurde abgehängt. Nach einem kleinen Ovolus konnte ich meine Heimfahrt fortsetzen. Morgens um halbvier kamen wir hundemüde (zummindestens ich) zu Hause an.
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Sonntag, 8. Oktober 2017
Unerwartete Begegnungen
Unsere erste Aktion, an einem langem Pfingstwochenende, war den Garten erst einmal halbwegs begehbar zu machen. Es herrschte ein solch ein Dschungel aus meterhohem Gras, verwilderten Gebüsch und alle möglichen Stolperfallen, der es uns unmöglich machte überhaupt die Grundstücksgrenze zu erkennen, geschweige denn da hin zu gelangen. Mit drei Motersensen, zwei Motersägen und sechs Mann bzw. Frau ging es der Wildnis an den "Kragen". Nach drei Tagen zierten das Gelände sechs riesigen Heuhaufen. Wir konnten zum Zaun am Ende des Grundstückes, fanden Unmengen von Unrat und der Weg zum Plumpsklo im Garten war frei von Dornen - letzteres allerdings war mir ein Dorn im Auge! In Deutschland aufgewachsen konnte ich mich einfach nicht damit anfreunden, im Dunkel der Nacht auf das Sch...häuschen im Garten zu gehen. - Als ich das sah, wusste ich sofort, daß dies meine erste Renovierungsaktion werden würde. Am Tag nach Pfingsten stand ich im Baumarkt und kaufte eine Toilettenschüssel. Glücklicherweise, war im Haus dafür bereits ein Anschluss vorgesehen. Wir hatten zwar keinen Wasseranschluß, dafür aber einen Abfluss, eine Sickergrube und eine Zisterne. Sinnigerweise war der Zugang zur Haustoilette nicht im Haus, sondern war nur über den Garten erreichbar. Den Sinn und Zweck erschloss sich mir nicht. Die darauffolgenden Tage wurde vom Haus ein Durchgang gebrochen, die Außentür zugemauert und die maroden Fenster entfernt. Tagelang klafften dort Lücken. Die Toilette war jedoch einsatzbereit!
Einen Tag unserer Gartenaufräumaktion werde ich wohl nie vergessen! Es begann recht unspektakulär mit dem Zusammentragen und Sortieren des Unrates, der im Garten verteilt lag: alte Autoreifen, ein Autodach in einer anderen Ecke, alte Zementfliesen, Ziegel, Draht und sonstiges Metall usw.. Da stieß ich auf eine schwarze Folie, ein stattliches Stück von einigen Quadratmetern. Ich zog daran und hob sie an. Gleichdarauf stockte mir der Atem beim Anblick was ich sah und beim nächsten Atemzug, den ich zustande bekam, ließ ich einen gellenden Schrei los. Unter der Folie lagen fünf oder sechs ca. sechs Zentimeter dicke und gute zwei Meter lange, als auch mindestens dreißig einen halben Meter eineinhalb Zentimeter schlanke ... Schlangen. Ich stand wie erstarrt, aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie einige der Leute angerannt kamen. Doch die Schlangen waren vermutlich genauso erschrocken wie ich, denn kaum war die Folie gelüftet, verschwanden sie wie der Blitz in irgendwelchem Erdlöcher. Ich erntete von den hinzugeeilten Helfern nur verständnislose Blicke angesichts des blanken Bodens vor mir und einige Lacher. ... Den Bereich des Garten betreten ich heute noch immer mit Vorsicht und vorallem sehr geräuschvoll. ;-)
Kurze Zeit später kam der Tumult aus einem anderen Bereichs des Grundstückes. Erst ein Fluchen, dann sah man jemanden flitzen, der wie wild die Arme um sich schlug. Ein Freund von uns hatte sich daran gemacht, einen heruntergekommen Schuppen abzureißen. Dieser hatte offensichtlich auch als Wohnstätte gedient und war mit Bett, Schrank und diversen Kochgeschirr ausgestattet und verfügte über eine stattliche Sammlung von leeren Schnapsflaschen. Was wir aber nicht bemerkten war das Nest, ein recht großes dazu. Als unser Freund sich daran machte, die Bretter der Verschalung zu lösen, weckte er die schlafende Bestie und ein Schwarm Hornissen rüstete sich zur Attacke. Trotz Spurt trafen einige der Hornissen auf seinen Kopf und hinterließen dort schmerzhafte rote Beulen. Zum Glück reagierte unser Freund nicht allergisch auf die Hornissenbisse. Dafür stankt er später kräftig nach Zwiebeln, denn ich legte ihm rohe Zwiebeln auf die Bisse. Auch ich bekam später einige Hornissenbisse ab. Es dauerte fast vier Jahre bis die Hornissen sich andere Wohnorte als unser Haus und unseren Garten suchten.
Am Abend, es war inzwischen dunkel, die Helfer waren weg und bei uns kehrte Ruhe ein. Kurz bevor wir ins Bett gingen, wollte ich noch einmal auf die Toilette, die allerdings weder Strom noch Licht hatte. Im diffusen Licht, das durch die offene Küchentür drang, sah ich, daß irgendetwas im Wasser des Toilettenbecken schwamm. Ich vermutete, daß irgendwer sein großes Geschäft nicht hinuntergespült hatte. Zu der Zeit war die Toilettenspülung nur mittels eines Eimer Wasser möglich. Nun befand ich mich in der Zwickmühle, entweder schnell rausgehen und den Eimer mit Wasser füllen damit ich die Hinterlassenschaft hinterspülen kann oder aber meinen dringenden Bedürfnis erst nachzugehen. Ich entschloss mich für letzteres. Just als ich mich auf die Schüssel setzen wollte, begann die Hinterlassenschaft sich zu bewegen. Beim genaueres Hinsehen bemerkte ich, daß das nicht ein Sch...häufchen war, sondern ein Streifenhörnchen, das im Toilettenbecken gefangen war und im Wasser seine Runden schwamm. Nun war guter Rat teuer und angesichts meiner vollen Blase schnell von Nöten. Nachdem ich früher schon einmal schmerzhafte Erfahrungen mit einem solch possierlichen, jedoch sehr bissigen Tierchen gemacht hatte, war mir klar, daß ich es nicht einfach greifen konnte. Ich nahm einen Besenstiel und wollte das Tierchen durch die offenen Fensterluken geleiten. Doch ich hatte die Rechnung ohne das kleine Wesen in der Schüssel gemacht! Kaum hatte ich den Besenstiel in das Becken gehalten, da kletterte das Tier bereits flink den Stiel hinauf, an dessen anderem Ende ich mich befand. Ich schrie laut auf, ließ den Besen fallen, während das Hörnchen sich zwischen den im Raum gelagerten Zemetsäcken in Sicherheit brachte. Mein Schrei hatte meinen Männe auf den Plan gerufen. Der wiederum lachte Tränen, während er bei meiner Pinkelei Wache stehen musste. Die darauffolgenden Tage musste ich mir einiges an Hänselleien anhören. -
Und was aus dem Streifenhörchen geworden ist, wollte ihr wissen ...
Das hat irgendwann den Weg durch die offenen Fensterlücken gefunden und sich getrollt. Allerdings nicht ganz: denn es siedelte sich auf unseren Dachboden an und spukte von dort an immer mal wieder in unseren Träumen.
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