Samstag, 5. August 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-08-04

Langsam träume ich schon vom Einkochen!

Vor Kurzem sah ich eine Sendung der Landfrauen. Dort alles super in Ordnung, das Haus astrein in Ordnung, die Frauen adrett und super gepflegt, alles hervorragend in Schuss und ich hier ... ?!? - angesichts dieser Bauersfrauen packt mich der Frust - insbesondere wenn ich um mich schaue.... :-(((

In der Küche stapeln sich die Einmachgläser gefüllt zum Abkühlen oder in Reihe zum Auswaschen. Eimer und Kisten voll Obst und Gemüse stehen in Reih und Glied und warten auf ihre Verarbeitung oder belagern den Kühlschrank. Längst schon beherrscht das Chaos den Haushalt. Fenster müssten geputzt werden, Wäsche gewaschen und gebügelt, Zäune repariert werden, Papierkram stapelt sich zu schiefen, absturzgefährdeten Türmen. Meine Nägel sind inzwischen fast alle abgebrochen und haben vom Fruchtsaft eine bräunlich gelbe Färbung angenommen. Auch sonst sehen sie aus als hätte ich damit Grabräuber gespielt. Mein Arbeitstag beginnt seit Wochen morgens zwischen fünf und sechs und endet meist nicht vor Mitternacht.. .... Also weitgefehlt von diesen hochglanz perfekten Bauersfrauen, die es mit links auch noch schaffen ein mehrgängiges Menü auf den Tisch zu zaubern.

Doch ich lass mich von meinem Frust nicht unterkriegen, dafür habe ich eh keine Zeit ...

(Das einzige was mich wirklich frustet, dass ich derzeit keine Zeit finde, die Bilder für die Blogbeiträge zu bearbeiten. Sie kommen noch, versprochen, doch wann ... das steht in den Sternen ... spätestens wenn die Erntesaison vorbei ist ...)

Die letzten Wochen brachten alle meine Planungen durcheinander. Ganz besonders schuld daran ist die Witterung. Seit Wochen haben wir eine Hitzewelle mit 35 und mehr Grad. Das ganze Jahr war zudem extrem trocken, sodass wir bereits im Februar unsere Zisterne füllen mussten und die letzten zwei Monate ist der Tankwagen des Wasserwerkes alle Nase lang bei uns im Einsatz. Die Bäume, ganz besonders Äpfel) haben aufgrund der Dürre das meiste Obst abgeworfen. Was der ausgebliebene Regen nicht geschafft hat haben dann drei Unwetter hintereinander vollbracht. Sie brachten Sturm und Starkregen, wenngleich diesen für nur wenige Minuten und viel zu wenig). Das erste Unwetter setzte meiner Freundin die Wohnung und bei uns das Schlafzimmer unter Wasser. Das zweite kam so plötzlich, daß ich kaum Zeit hatte unsere Tiere und Welpen in Sicherheit zu bringen. Erst kam ein heftiger Wind auf, der aus der trockene Erde in einen Sandsturm werden ließ, dann öffneten sich die Himmelsschleusen und ich war nach zehn Metern bereits bis auf die Haut durchnässt und in meinen Schuhen stand das Wasser. Ich habe schon viele Unwetter erlebt, aber so etwas kannte ich bislang nicht. Ich schaffte es samt Hund gerate noch auf die Terrasse als es rundherum zu knallen begann und mit einer enormen Wucht ging eine Wand von Pingpongball grossen UFO-förmige Hagelkörner hernieder. Der Spuk dauerte fast zwanzig Minuten und danach ... langen unter den Bäumen das Obst wie Teppiche: orange für Aprikosen, grün für Birnen und grün-rot für die Äpfel. ... dazwischen langen Schichten voll Hagelkörner - Es dauerte eine Weile bis ich mich gesammelt hatte und ich meinen ersten Rundgang für die Schadensbesichtigung nahm. Danach war ich fertig mit der Welt, trank einen Schnaps (eine Seltenheit bei mir) und beschloss die Tür zuzumachen und erst am Morgen mich an die Schadensbeseitigung zu machen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, daß ich damit eine Woche beschäftigt sein würde. - So schnell kann es in der Land- und Viehwirtschaft ergehen: eine Viertelstunde genügt und es kann einen Landwirt an den Rand seiner Existenz bringen. Wir sind zum Glück eher Hobbylandwirte, doch auch uns trifft der Schaden hart:

Vieles des Obstes ist nicht mehr zu retten und nicht einmal mehr zum Schnapsbrennen zu gebrauchen - alles eine matschige Pampe am Boden. Der Schaden, derbei den auf dem Baum verbliebenen Früchte ist immens. Teilweise hängen nur noch halbe unreife Birnen am Baum oder haben zwei bis drei Zentimeter große Löcher. Für den Verkauf nicht mehr geeignet. Dies bedeutet für mich, je mehr ich davon verarbeiten kann desto mehr kann ich den letztendlichen Schaden eingrenzen. Bei dem Gemüse sieht es nicht besser aus: Die Bohnen-, Tomaten- und Paprikapflanzen hat der Hagel platt gemacht. Bohnen konnte ich noch nachsähen und einige der Paprikapflanzen haben sich erholt, Tomaten sind hin. Ich hatte Kürbis, Gurken, Zucchini und Kürbis recht spät noch einmal nachgesät und kam dadurch glimpflich weg. Meine Freundin hat es dafür kalt erwischt - im wahrsten Sinne des Wortes. Was der Hagel nicht geschafft hatte, das gelangt den eiskalten Hagelkörnern. Ihr sind bei dreißig Grad unzählige Pflanzen erfroren. Richtig übel hat das Unwetter ihren Gurken und Melonen zugesetzt. Durch den Hagelschlag begannen die Früchte von innen zu verrotten. Vor zwei Wochen mussten sie zwei Schubkarren unreife Honigmelonen abnehmen, teilweise konnten sie eingekocht werden, aber viele landeten in den Mägen unserer Schweine oder unsere Hunde stürzten sich auf die noch unreifen Melonen.

Nur wenige Tage später ging erneut ein fünfminütiger Starkregen nieder.

Inzwischen hängt das Folien-Dach unseres Schafstalles in Fetzen. das neue Winterheu ist nun endgültig nicht mehr zu retten, einige Ziegel sind zerdeppert und ich suche händeringend nach Einmachgläsern und Platz wo ich das Einmachgut danach lagern kann.


Bei mir hat sich inzwischen ein Erschöpfungszustand breitgemacht  und die derzeitige Hitzewelle mit Temperaturen um die vierzig Grad machen ihr Übriges. Die Tiere suchen nach kühlen Flecken und ich komme kaum nach die Tränken zu füllen. Die Hunde schlafen mittlerweile in der hintersten Ecke des Weinkellers. Die Schafe und Ziegen sind kaum aus dem Stall zu bekommen. Die Schweine haben sind einen Meter tief in den Boden eingegraben und von ihnen erkennt man oft nur noch die beiden Nasenlöcher. Sobald auch nur ein Tropfen Wasser auf den Boden tropft, erscheint eine Armada von Fliegen, die sich darum scharren. Leider sind sie so durstig, daß sie auch vor den Schweißtropfen nicht Halt machen und sind so zu einer Plage geworden. Der Schweiß läuft einem Achtern oder in die Augen und das geflügelte Wort von "noch nicht trocken hinter den Ohren" erlangt eine neue Dimension. Allerdings steht es bei mir eher in als hinter den Ohrwatscheln. Gestern musste ich eine unserer Katzen aus der Regentonne retten: sie hatte versucht an den tiefgelegenen Wasserspiegel zu gelangen und war in die Tonne geplumpst. Ich hatte ein paar Wäschestücke eingeweicht, doch irgendein Tier hat mir das komplette Waschwasser ausgesoffen - hätte eigentlich auch gleich meine Wäsche waschen können ... ;-) A propo saufen ... das Wasser, was ich die letzten Tage getrunken habe müsste ausreichen, um mich zu einem Dauergast am Pinkelbecken zu machen - doch weit gefehlt! - Einen besonderen Effekt hat das Wasser, das von innen nach außen drückt: die Haut ist glatt wie ein Babypopo und ich bekomme Komplimente wie gut erholt ich aussehe ?!? - Fragt sich bloß, wie ich mich bei all der Arbeit erholen hätte können. - Meine Freundin meinte unlängst lakonisch " Jetzt muss man das Obst und Gemüse verarbeiten, wenn es es gibt und wenn man im Winter sich daran laben will. - Für Erholung ist im Winter Zeit genug" - Wo sie Recht hat, hat sie Recht ... doch gegen ein kühles Bad in einem unserer vielen Thermalbädern hätte ich auch nichts dagegen. ... Aber man kann eben nicht Alles haben... Volle Vorratskammer oder nasse Bikinihose ... Uff - es warten die Birnen ...

Die Tiere sind hingegen in eine Art Wärme-Schock-Starre verfallen und wedeln höchstens einmal mit einem Ohr, wenn sie eine Fliege nervt.

Copyright Julietta Guenther

Sonntag, 2. Juli 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-07-02

Heute blicke ich auf zwei Chaos-Wochen zurück, die noch immer nach hallen und mir gewaltig in den Knochen stecken,

Mein Kirschen-Verarbeitungs-Programm hatte sich auf über 120 Kilo gesteigert und wäre noch weiter gestiegen, hätte mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Es stehen noch immer drei Schüsseln Sauerkirschen im Kühlschrank, die auf ihre Verarbeitung warten - doch ich fürchte, die müssen noch eine Weile warten und landen dann vermutlich in dem Fass für die Schnapsbrennerei.



Eigentlich begann die Chaotenzeit ganz harmlos. Unser Heu wurde geschnitten und ich habe bei der Gelegenheit gleich noch zweihundert Ballen eingekauft. Dieses Jahr wollte ich nicht das Gleiche erleben wie letztes Jahr, als der Regen das neu eingekaufte Heu bis zu einem Meter unter Wasser setzte. Ich bemerkte das erst als es im Stall ungewöhnlich warm war, fast wie in einer Sauna und das Heu aussah als hätte es darauf geschneit. Als ich es dann anfasste, stellte ich fest, dass es nicht nur nass war, sondern bereits eine Temperatur von rund sechzig Grad hatte. Es war Zufall und Glück, dass es sich nicht entzündet hatte. Dieses Jahr wollte ich das verhindern. Die Ballen wurden gesondert aufgestapelt, es kam eine Folie gegen den Regen drauf. Die Folie wurde verankert. Eigentlich sah alles super aus. Einige Tage später wurden die grossen Ballen reingeholt. Kaum waren diese drin, kam der langersehnte Regen und mit ihm ein heftiger Sturm. Dieser zerriss die Folie und die Ballen bekamen den Wolkenbruch ab. Nicht nur die! Auch ich war das erste Mal in diesen Tagen bis auf die Haut klatschnass. Am nächsten Tag habe ich alle Ballen vom Stapel genommen und in Reihen zum Trocken aufgereiht. Jetzt sah es hier aus wie in der Bretagne die Steinfelder - nur eben aus Heu. Ein paar Mal am Tag habe ich die Ballen gewendet, damit der Wind sie abtrocknet. Lange Rede kurzer Sinn: kaum waren sie trocken, kam der nächste Schwall und ich weiß schon garnicht mehr, wie oft ich am Ballenwenden war.




Das nächste Unwetter brachte dann auch noch Hagel - groß wie eine zwei Euro Münze. Die Eiskörner waren flach und erinnerten in ihrer Form an ein Frisbee. Als es begann zu hageln sah ich, daß unsere Welpen sich im Regen zusammen gekauert hatten. Ich hingerannt, die Welpen geschnappt und in die Hundehütte in Sicherheit gebracht. - Wieder war ich klatschnass! - Doch damit nicht genug: als ich ins Haus kam, bemerkte ich einen Durchzug. Im oberen Stock sah ich dann die Bescherung! Der Sturm hatte die scheinbar nicht richtig verschlossene Terrassentür aufgedrückt. Der Starkregen kam ausnahmsweise von Westen und drückte direkt auf die Tür. Als Resultat stand das Schlafzimmer unter Wasser. Ein Teil hat der Teppich aufgesogen, doch das Wasser lief direkt in ein Zimmer, daß ich derzeit als Lagerraum nutze. Alle Kartons, eine große Matratze und aller anderer Krempel stand im Wasser. Da kam Freunde auf. Alles raus und zum Trocknen aufgehängt. Eine Heidenarbeit! - Nachdem meine Freundin zwei Tage zuvor von einer Schlamm- und Wasserwelle heimgesucht worden war, die ihre Küche in ein zwanzig Zentimeter tiefes, großes Plantschbecken verwandelte, rief ich sie sofort an. Doch dieses Mal war sie verschont geblieben. Ich hingegen fluchte und putzte. Ganz besonders, weil ein paar Tage zuvor ein abgerutschter Schlauch meiner Waschmaschine bereits die Küche und das Esszimmer geflutet hatte.

Als ob das Wasser nicht schon genug Chaos verursacht hatte!!! ... Als ich am nächsten Morgen raussah, traf mich schier der Schlag. Regional sah mein Grundstück aus, als wäre ein orangefarbener oder gelber Teppich unter die Bäume gelegt worden ... Der Sturm und der Hagel hatte mir einen grossen Schwung Birnen und Aprikosen vom Baum geholt. Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt das Obst aufzusammeln. Am Ende des Tages waren mehr als einhundertfünfzig Kilo in der Tonne gelandet. Sie werden jetzt vergoren und landen in der Schnapsbrennerei. Am Abend taten mir alle Gräten weh und ich fiel total gerädert ins Bett, allerdings nicht ohne vorher nicht vor dem Fernseher eingeschlafen zu sein.






Die nächste Hitzewelle kam und damit begann die Birnen- und Aprikosensaison. Wieder stand ich mehr auf der Leiter als auf dem Boden. Am Freitag flatterte dann eine Bestellung herein über zweihundert Kilo Aprikosen für Marmelade, also extra reif und weich. Meine Freundin half mir bei der Ernte, am Freitag endeten wir um 21.41 Uhr um dann am Samstag bereits um fünf wieder aus dem Bett zu klettern. bis Mittag hatten wir dann die Aprikosen in den Steigen, allerdings waren es zum Glück nur einhundertsechzig Kilo geworden, die marmeldenreif waren. Wir hatten über dreißig Grad als der Kunde sie mittags einlud und sie dann als Reklamation gegen 19 Uhr wieder retour brachte. Offensichtlich hatte es das empfindliche und überreife Obst sechs Stunden in der Wärme stehen lassen und als es verarbeitet werden sollte, war es überall vermackt. Ich kochte vor Wut!!!  Meine Freundin war Zeuge des Telefonates und bot wieder ihre Hilfe an. Es stellte sich heraus, dass der Schaden relativ gering war. Für zwei Steigen fand sich gleich ein anderer Abnehmer. Die anderen Seigen haben wir sortiert und die angemackten Früchte geputzt. Ein Grossteil der Aprikosen war ok und ich werde sie in den nächsten Tagen verarbeiten. Arbeit, die mir derzeit absolut nicht reinläuft, da ich eh schon bis über beide Ohren drin stecke, aber was soll's. Wer weiß wozu das gut war. Letztendlich kann ich mit Marmelade und Co mehr erzielen als mit den Früchten, deren Preis am Markt durch den Hagel eh in den Keller gesaust war. Auf jeden Fall träume ich langsam schon von Aprikosen und bin krampfhaft auf der Suche nach Einmachgläsern. Einhundertsechzig Kilo Obst plus Zucker ergeben nun einmal rund einhundertdreißig volle Gurkengläser. - Wo ich die hinverstauen soll, ist mir eh noch ein Rätsel. Meine Küche sieht sowieso schon aus, als wäre ein Tornado durchgefegt.

... muss weiter, es rufen die Apirkosen!


- copyright Julietta Günther -

"Unsere kleine Farm" - 2017-06-19

Hier hängt der Himmel voller - nein nicht Geigen - sondern Kirschen. Kirschen über Kirschen. süß und saftig. Die Bäume hängen satt voll und die Äste neigen sich zum Boden. Diese Jahr gibt es eine Kirschschwemme und ich komme garnicht mehr nach die süßen Früchte zu verarbeiten. Inzwischen werden vielerorts die Bäume schon garnicht mehr abgeerntet und die Markthändler dürfen am Marktende ihre vollen Steigen wieder einladen. Ich selber habe mittlerweile rund sechzig Kilo verarbeiten und mir blutet das Herz, wenn ich sehe dass die Kirschen in der Nachbarschaft hängen bleiben. Einige werden vermutlich noch zu Schnaps gebrannt, doch in meinen Gedanken hängen noch die Erinnerungen an die Zeit als meine Kinder klein waren. Kirschen galten als Luxus, doch meine Kinder liebten sie. Manches Jahr versuchte ich einige Kilo zu kaufen, eigentlich um sie einzumachen. Doch meistens kam es dazu erst garnicht, denn bis ich dazu kam, sie zu verarbeiten, hatten sie bereits einen solchen Schwund erlitten, daß sie das Verarbeiten nicht mehr lohnte. War aber auch egal, denn sie waren dort hingelangt, wo sie hingehörten: in rotverschmierte Kindermünder unter leuchtenden Kinderaugen. Es stimmt mich traurig, wenn ich sehe, wieviel Obst hier nicht abgenommen wird und andersorts wären Kinder selig darüber. In Deutschland hat es mich oft bestürzt, daß so manch ein Eigentümer nicht einmal erlaubt hat, das Fallobst aufzusammeln. Lieber verrottete es auf dem Boden.

Vor einigen Jahren blutete mir so das Herz als ich sah, daß vielerorts das Obst keine Verwendung fand und ich begann die Eigentümer zu fragen was sie damit machen und ob sie es verkaufen würden. Die meisten waren froh, daß jemanden für das Obst eine Verwendung hatten und gaben es kostenlos ab. Am Ende der Saison hatte ich sage und schreibe anderthalb Tonnen Obst eingesammelt. In meinem Hof und Küche sah es damals aus wie bei einer Obstannahmestelle. Damals kam ich auch auf die Idee Apfelwein und Wein zu machen - bei dem Apfelwein zeigte mir mein Männe einen Vogel - aber es wurde der Renner im Ort. Wenn ich daran zurück denke, wie wir unseren ersten Wein machten, muss ich schmunzeln. Wir hatten keinerlei Ausstattung, geschweige denn Fässer und wir bekamen sie aus dem Ort geliehen. Den Wein ließen wir in einer Badewanne gären, um ihn dann mit einem simplen Haushaltssieb und einem Messbecher abzusieben. Das Ganze stand in der Garage und nach Feierabend im Funzellicht einer antriebsschwachen Taschenlampe produzierten wir unseren ersten Wein. Es war wohl das Glück des Unwissenden, doch es wurde der beste Wein, den wir je gemacht hatten. Allerdings einen Haken hatte das Ganze: Männe hatte die Trauben mit den Händen in die geliehende Presse geschaufelt, rote Trauben wohl gemerkt. Als Resultat lief er über eine Wochen mit schwarzen Händen herum, da kann ich derzeit mir meinen kirschgefärbten Fingern nicht mithalten. Jedes Mal, wenn Männe seine Hände hob oder ich seine Handflächen sah, begann ich schallend zu lachen. Die Farbe hatte sich tief in die Haut gesetzt, Damals wusste ich noch nicht, was ich vor einigen Tagen im Internet las: rote Trauben werden bei Naturfärbungen für Wolle verwendet.


Copyright Julietta Günther -

Dienstag, 6. Juni 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-06-06

Wasser marsch!!!

Heute kam der Tankwagen des hiesigen Wasserwerkes und hat meiner Zisterne mit einigen Kubikmeter Wasser neues Leben eingehaucht. Jippieh jippieh Jeeh! - Wasser schleppen ist eindeutig nicht mein Ding. Gestern habe ich auch noch rund siebzig Liter in Kanistern mit der Schubkarre den Berg hochgeschoben. Dazu muss ich aber anmerken, dass ich auf dem Weg eine gute Bekannte traf und sie bestand darauf, mir zu helfen und so schoben wir abwechselnd immer einige Meter. Frauenpower und ungarische Hilfsbereitschaft - letzteres suchte ich gestern bei den Herren der Schöpfung vergeblich. Da kamen nur blöde Kommentare!

Auf jeden Fall habe ich heute Vormittag erst einmal alle Tiere mit reichlich Trinkwasser versorgt. Der gestrige Tag hatte es in sich und gestern Abend soffen die Vierbeiner schon wie die Löcher. Allein Caesar, unser Kaukasier, trank drei Liter. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich mich heute nicht mit den üblichen Trinknäpfen begnügt und gleich große Eimer hingestellt. Und die waren ratz fatz leer. Als ich mit meiner Tränkaktion fertig war, fehlten in der Zisterne rund dreihundert Liter. Dann allerdings ging mir ein Kronleuchter der eigenen Dummheit auf! - Ich hatte so an die Tiere gedacht, dass ich mich vergessen hatte. - Anstatt für den Haushalt Trinkwasser abzufüllen, hatte ich das komplette Wasser in die Zisterne laufen lassen. Genial daneben! - Denn was musste ich nun tun? - Genau! - Wieder Wasser schleppen! Also wieder in den Ort getigert, dieses Mal fluchte ich innerlich - ein Gutes hatte die Aktion aber dann doch noch: ein Einkehrschwung bei meiner Freundin bescherte mir ein Stück frischgebackenen Kirschkuchen, eine Tasse Kaffee, ein Plausch und eine willkommene, viel zu seltene Auszeit. - Der Kuchen war lecker, das Gespräch interessant informativ und das Ganze: "aber bitte mit Sahne!" ;-)
So wurde mir unerwartet meine Gedankenlosigkeit versüßt.

Kleine Anmerkung am Rande: heute morgen rief die Abdeckerei an und fragte nach dem toten abzuholenden Schwein ... ich konnte dazu nur sagen, ich habe mich anders beholfen, da ich den Kadaver nicht zwei Tage in der Bruthitze verwesen lassen wollte. - einzige Reaktion war: "aha" - Kaum zu glauben! Jetzt ist mir auch klar geworden, warum hier immer wieder tote Tiere in der Gegend entsorgt werden. ... aber nicht nur tote, immer mal wieder tauchen freigelassene Hunde auf oder uns wirft wieder einmal jemanden einen Wurf Kätzchen in den Garten. (Ich will mich jetzt nicht wieder über die vielen Tierschutzorganisationen auslassen, die erst dann aktiv werden, wenn die Tiere in den Heimen landen oder gequält wurden. Für mich beginnt Tierschutz bei der Prävention, z.Bsp. Hilfe bei Kastration und Sterilisation - doch das führt jetzt zu weit).

Wie schon erwähnt liefen die Tiere die letzten Tage etwas neben der Spur. In den Nacht hatte ich noch ein Erlebnis der besondere Art. Ich schlummerte tief und träumte gerade von einer Schafherde als mir einer unserer Kater in vollem Schwung auf die Brust sprang. Bis ich mich von meinem Schreck erholt und endgültig wach geworden war, hatte sich der Kater bereit wie ein Schal unter mein Kinn gelegt und schnurrte. Ich hatte meine liebe Not, ihn von den mir unliebsamen Platz zu vertreiben. Offensichtlich gefiel ihm der Ort. Nach und nach begannen meine Gehirnwindungen wieder zu arbeiten und mir wurde bewusst, warum ich von Schafen geträumt hatte. Hobby, der Hüte- aber auch Haushund hatte sich heimlich an mein Fußende ins Bett geschlichen und ... stank wie eine ganze Schaf- und Ziegenherde! Vermutlich hatte er sich wieder in den Schafsküddeln gewälzt. Den Hund konnte ich aus dem Bett vertreiben, doch der Geruch nach Schaf hing noch eine geraume Zeit im Raum.

Mein Farmleben bedeutet derzeit auch, daß ich bis über beide Ohren in Kirschen stecke. Erst habe ich die Ernte des einen Baumes verarbeitet. Das waren aber nicht so viel. Danach kamen die Erdbeeren, mit mittlerweile rund fünfundzwanzig Kilo. Jetzt werden die Kirschen der letzten beiden Bäume reif. Als die Bäume in der Blüte standen, hingen die Äste bereits am Boden und jetzt hängen sie knüppeldicke voll. Wenn ich daran denke, dann werde ich sie morgen fotografieren - und gleich meine Hände dazu. Inzwischen ist es wieder so weit, daß ich meine Nägel lackieren muss. Die Farbe der Kirschen hat sich so in die Nägel gesetzt, daß da keine Zitrone mehr hilft. Sie haben eine scheußliche braun-gräuliche Färbung angenommen - "the same procedure as last year" - Die Saison hat gerade erst begonnen und ein Gefrierschrank ist bereits voll, auch gehen mir langsam die Einweckgläser aus. Letztes Jahr hatte ich zweihundertachtzig gebrauchte Gläser zugekauft. Viel Arbeit und doch schon jetzt freue ich mich darauf, wenn ich im Winter mich an einem Glas eingemachter Kirschen laben kann. Wenn es keine Kirschen gäbe, dann würde ich sie vermutlich erfinden - ich liebe sie und kann nicht genug von ihnen bekommen. Das Schöne ist, daß ich sie nicht für teures Geld kaufen muss, sie wachsen einfach in meinem hauseigenen Schlaraffenland.




Frei nach Murphys Gesetz: Heute bekam ich meine Wasserlieferung und ... es kam der seit Wochen sehnsüchtig erwarteten Regen. Die Schafe und Ziegen waren darüber so erschrocken, daß sie schneller in ihren Stall rannten als ich schauen konnte. Die Hunde hingegen begannen zu jaulen. Mich hat der Regen auch völlig überrascht. Ich hatte den Wolken keine besondere Bedeutung beigemessen, auch nicht dem grollenden Donner. Davon gab es die letzten Wochen genug, doch das Wetter zog jedes Mal an uns vorbei. Heute aber hat er mich voll erwischt und ... ich wurde klatschnass.

- Copyright Julietta Günther - 


Montag, 5. Juni 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-06-05

Hitze - Hitze und noch einmal Hitze und das ganze Jahr kaum Niederschlag!

Ich frage mich die letzten Tage immer wieder, was Menschen veranlasst in der Wüste zu leben. Die letzten Tage wurde mein Wasser knapp und gestern Abend war die Zisterne endgültig leer und so hieß es Wasser schleppen. Mal huckepack und dann wieder mit der Schubkarre den Berg hinauf. Bei rund einhundert Tieren kommt einiges an Wasserbedarf zusammen. Ganz zu schweigen, daß eigentlich im Haus auch noch geputzt, gewaschen, abgewaschen, geduscht oder auch nur das stille Örtchen bedient werden müsste. Doch die Tiere und Menschen gehen vor und das bedeutet - wenn morgen der Tankwagen endlich kommt - klar Schiff machen ... und es ist zwangsweise einiges liegen geblieben. - Doch wie machen das die Menschen in der Wüste??? Zumal diese oftmals noch weiter zum Wasser gehen müssen als ich es mit meinen rund fünfhundert Meter.

Die Tiere macht die Hitze und die Trockenheit ganz kirre. Die Schafe und die Ziegen waren heute auf der Außenweide kaum im Zaum zu halten. Ein Tier war mir heute glatt abhanden gekommen. Ich hole seit einiger Zeit die Herde in der Mittagshitze zurück ins Gehege und in den Schatten. Als ich heute Abend noch einmal mit ihnen auf die Weide ging, stellte ich fest, dass ein Tier am Morgen draußen geblieben war. Da wurde mir auch klar, warum unser Hütehund aufmerksam den Zaun beobachtet hatte. Ansonsten war er in den letzten Tagen keine große Hilfe. Hobby war kaum zum Hüten, geschweige denn zum Hereintreiben zu animieren. Der blieb einfach im Schatten des Baumes liegen, tat so als sei er taub oder auf einem anderen Stern ... und ich musste laufen ...

Die Hitze und die Trockenheit macht nicht nur den Tieren, sondern auch den Pflanzen zu schaffen. Meine Erdbeeren haben Herbstlaub. Die Tomatenpflanzen sind nicht mehr zu retten. Doch erstaunlicher Weise wächst das Unkraut und irgendwelche Schnecken laben sich an den Tagetes und dem Kraut der Möhren. Diese Pflanzen werden normalerweise nicht angenagt. Es zeigt sich auch welche Kraft die Natur hat. So keimen trotz Wassernot manche Samen und das Unkraut braucht scheinbar kein Wasser :-(
Gibt es eigentlich schon genmanipulierte Unkräuter? - Damit kämen die Kleingärtnerkriege in eine neue Dimension ... bislang kenne ich nur Episoden wie: "Ich schmeiss Dir Brennnesselsamen in den Garten, weil Du Deine Schnecken in meinen Gemüsegarten umgeleitet hast" - doch genmanipuliertes Unkraut ... tja das eröffnet ungeahnte Dimensionen ... ;-) - Aber zum Glück sind mir solche Nachbarn fern. Obwohl wir auch schon mit einer Anzeige konfrontiert wurden, daß angeblich unsere Schweine Nachbars Gemüsegarten geplündert hätten. Zur Verteidigung der Nachbarin muss ich anführen, dass sie aus der Stadt kommt. Sonst hätte sie gewusst, daß Schweine ihr Gemüse sicher nicht fein säuberlich abgenommen, sondern auch noch gleich ihren kompletten Garten umgepflügt und entwurzelt hätten. - Es müssen wohl zweibeinige Schweine gewesen sein, die die Nachbarin um den Lohn ihrer Ernte gebracht hatten. Mir ist auch ein solcher Ernteverlust widerfahren. Ich wohnte damals in einem Haus, das an einem Hang gebaut worden war. Von der oben liegenden Strasse war der Garten nicht einsehbar und unterhalb standen Häuser, die mit Zäunen von meinem Garten abgetrennt waren. Auch von dort konnten eigentlich niemand in den Gemüsegarten sehen. Als ich abends heimkam, sah mein Garten wie frisch gemäht aus - auch mein Gemüsegarten! Nachdem ich schon ein paar Mal mit ungarischen Gärtnern konfrontiert worden war, die alles abmähten was grün und größer als zehn Zentimeter, auch Tomatenstauden und frischgepflanzte Rosenstöcke, die sie selber gepflanzt hatten ... schwante mir schon Schlimmes ... dann war ich dann doch baff erstaunt ... nicht der Gärtner hat gemäht, sondern irgendein Strolch hatte mir alle meine Karotten aus dem Boden geklaut. Obendrein hatte er meine Pflanzen in den großen Bottichen fein säuberlich ausgetopft, sie sorgsam auf die Erde gelegt und ist mit meinen Töpfen auf und davon. Ich hingegen hatte Mühe neue in dieser Größe zu bekommen. Solche gab es hier in Ungarn damals nicht. Meine Pflanzen fristeten wochenlang ein Dasein in den provisorischen Mülltüten-"Töpfen".

Nun aber zurück zur Hitze und ihre Auswirkungen. Vorgestern wurde ich von einem Krachen aufgeschreckt, konnte mir aber keinen Reim auf dieses ungewöhnliche Geräusch machen, auch konnte ich die Herkunft nicht ausmachen, Als ich später ins Gehege ging traute ich meinen Augen nicht, Schafe und Ziegen standen in einem engen Pulk zusammen und als ich näher kam, musste ich zwei Mal hinschauen und es dauerte eine Weile bis ich realisierte was ich sah: Ein großer Aprikosenbaum war in zwei Hälften zerborsten. Ein Teil stand noch und der andere Teil lag mit allen Blättern und rund fünfzig Kilo unreifen Aprikosen am Boden. Daran labten sich nun die Schafe und Ziegen. Da kam Freude auf! Bei den Tieren, aber nicht bei mir. In meinem Kopf ratterte nicht nur die Zahlen des Ernteausfalls, ich fragte mich auch wie das passieren konnte. Erst dachte ich daran, dass die Ziegen vielleicht die Äste herunter gezogen hatten. Doch bei näherer Betrachtung sah ich daß der Baum regelrecht gespalten wurde, wie nach einem Blitzeinschlag. Es war aber kein Gewitter. Offensichtlich hat die Hitze dem Baum derart zugesetzt, daß sich der Stamm wie ein Korkenzieher gedreht hat und der Stamm durch die Trockenheit regelrecht auseinander gerissen worden war.



 - Sachen gibt es, die glaubt man kaum! -

Gestern gab es die nächste hitzebedingte Hiobsbotschaft. Als ich mittags den Schweinen noch einmal Wasser nachfüllen wollte, lag Frieda unsere Ausbrechersau tot im Stall. Ich hatte eigentlich mit dem Wurf der Ferkel gerechnet und nicht damit, daß Frieda, gerade einmal zwei Jahre alt, sich ins Regenbogenland verabschiedet. Wieder ratterten die Gehirnwindungen: nun stand ich da, ich armer Tropf, am Pfingstsonntag mit einem totem rund einhundertfünfzig Kilo schweren Schwein in glühender Mittagshitze, ganz alleine, da Männe in weiter Ferne weilt ... als ich mich langsam aus meiner Erstarrung gelöst hatte, fiel ich erst einmal in ein "Sch... - warum muss gerade mir das passieren und dann auch noch an einem Feiertag"-Loch. Just da rief eine Freundin an, erdete mich wieder und half mir, dass bei mir mein Verstand wieder einsetzte. Sie suchte mir dann auch noch die Nummern der Abdeckerei heraus. Was nun folgte war ein "Buchbinder Wanninger Prinzip", das darin gipfelte, daß ich nicht nur einmal daran erinnert wurde, daß schließlich Feiertag sei, sondern brachte mir auch noch die Erkenntnis, daß ich mir die ganze Telefoniererei hätte sparen können. Einer meinte, daß sie das Tier am Freitag abgeholt hätten oder erst wieder nach Pfingsten am Dienstag! Da konnte ich es mir nicht verkneifen zu sagen, daß ich vergessen hätte, der Sau zu sagen, daß sie nur am Freitag bis vierzehn Uhr oder am Dienstag ab sieben Uhr das Zeitliche segnen darf :-( - Auf meine Frage, was ich nun bis zum Dienstag mit dem Schwein machen solle, kam erst einmal die Antwort, daß er das auch nicht wüsste und dann folgte der Vorschlag, ich sollte das Tier aus dem Stall ziehen und irgendwo abseits deponieren ... Ah ha! ... und das bei ca. fünfunddreißig Grad Hitze! ... als ich meinte, daß es dann anfänge zu stinken und ich es ja nicht einfach irgendwo begraben kann, bekam ich als Antwort, daß er mir da auch nicht weiterhelfen könne, es sei ja schließlich Feiertag und am Dienstag kőnnten sie es abholen ... - ... - ... soviel zum Thema Seuchenschutz! ... Ich bin der Meinung, daß es in diesem Fall einen Notdienst bedarf. Hier hat fast jeder Haushalt mindestens zwei, meistens große Hunde und oftmals auch Nutztiere. Kaum jemand wird über einen geeigneten Kühlraum verfügen. Jetzt stellt man sich mal vor, da verreckt so ein Rind von rund fünfhundert Kilo. Mit dem Verwesunggeruch kann man einen ganzen Ort tagelang betäuben! Zwei Tage in glühender Hitze, da läuft der Kadaver schon von ganz alleine. ... und im ungünstigsten Fall gelangt die Brühe noch in die nächsten Trinkwasserbrunnen. Igitt! - Doch wenn dann wirklich etwas passiert, dann darf man mit kräftigen Strafen rechnen. - Irgendwo liegt da die Kruks im System! - Ich hatte Glück im Unglück: Ein Metzger riet mir, das frisch am Hitzschlag verstorbene Schwein zu zerlegen und zu Hundefutter zu verarbeiten. So hatte wenigstens einige etwas davon. Doch mir blutete das Herz als ich das richtig gutgewachsene Fleisch sah und an den Schinken und Speck dachte, der daraus geworden wäre. Richtig traurig wurde ich, als ich bemerkte, daß sie neun Ferkel mit ins Regenbogenland genommen hatte. - Da zieht man ein Tier zwei Jahre lang auf und als sich langsam die Mühe in bare Münze bezahlt machen könnte, endet es in einem Fiasko und einem nicht unerheblichen finanziellen Verlust. Sch...! -

Das bringt auch ein Landleben mit sich: irgendwann lernt man zu sagen:

 "Es ist halt so geschehen und ich kann nichts daran ändern"
und ich für meinen Teil habe gelernt, schneller mit der Vergangenheit abzuschließen und die Geschehnisse als Vergangenheit abzulegen, die sich nicht mehr ändern lassen. Mir ist dabei auch bewusst geworden, wieviel Altlasten ich mit mir herum geschleppt hatte.

Fiel Euch schon einmal auf, wieviele Menschen, Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit als Entschuldigung nehmen für ein Fehlverhalten oder nicht Handeln in der Gegenwart? Frei nach dem Motto "Er hatte eine schwere Kindheit, deshalb..." - "Sie hat in ihrer letzten Beziehung schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht, darum..."-

Ist es nicht vielmehr so, daß jeder in der Gegenwart jederzeit verantwortlich ist für seine Entscheidungen -
im Hier und Jetzt?

Ich habe seit früher Jugend ein Lebensmotto: "Egal wie ich mich irgendwann einmal entschieden habe, ungeachtet dessen, welche Konsequenzen meine Entscheidung hatte - positive wie auch negative - meine Entscheidung war richtig. Denn sie war richtig zu dem Zeitpunkt als ich sie traf ...


- Copyright Julietta Günther -

Sonntag, 28. Mai 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-05-28

Vor zwei Wochen hat die Zeit begonnen, die ich so liebe - Segen und Fluch zu gleich!

Es begann mit der Blüte der Akazienbäume, die Luft war schwer von ihrem honigsüßen Duft. Es folgten die Pfingstrosen und die Iris, wobei jede einzelne Sorte und Farbe ihr eigenes Aroma haben. Die braunen Iris duften sogar ein wenig nach Schokolade. Überhaupt hat mich das Irisfieber nun endgültig gepackt. Die Pflanzen begeistern mich seitdem ich in Spanien in einem Irisgarten war, doch ausgelöst durch eine Freundin hat bei  mir nun die Sammelleidenschaft eingesetzt. Einige Sorten und Farben sind bereits zusammen gekommen. Die Sammelwut hat mich auch bei meinem Wildpflanzengarten endgültig gepackt. Es ist faszinierend welche ein Wildpflanzenreichtum es hier gibt. Pflanzen, die in Deutschland längst ausgerottet wurden und die ein an Kindheit erinnern kann man hier noch finden. Doch auch andere Arten, die in noch nie sah. Ich zählte die Tage alleine sieben verschiedene Arten von Glockenblumen! Auch musste ich entdecken, dass es nicht nur eine Sorte Löwenzahn gibt, sondern mindestens zwei. Selbst beim Spitzwegerich gibt es nicht nur den breitblättrigen und den schmalblättrigen, sondern auch noch eine breite hochwachsende Pflanze. Ständig entdecke ich neue Sorten und das Schafehüten wird jedesmal zu einer Entdeckerreise. Auf jeden Fall bin ich seitdem nur noch mir Schaufelchen, Tütchen und Gummis beim Schafehüten. Die Gummis brauche ich für die Kräutersammlung für den Wintertee. Mit dem Schippchen rettete ich bereits einige Pflanzen vor dem Mähdrescher und sie zogen in meinen Wildpflanzengarten um.

Wieder zurück zu den Dufterlebnissen. Jetzt hat die Rosenblüte begonnen und auch der Holunder hat seine weißen Dolden geöffnet und nun beginnt der Fluch: es hat die Erntezeit begonnen. Rosenblüten liegen zum Trocknen, Holunderblüten werden zu Sirup und Holunderblütenpfannkuchen. Leider hat mein Trockenautomat seinen Geist aufgegeben und ich merke wie sehr mir dieses Gerät fehlt! Hier gibt es zwar einige im Handel, doch die Qualität läßt zu wünschen übrig. So muss ich nun mühsam entweder im Freien Trocknen oder im Backofen. Beides ist nicht gerade der Hit ...

Der "Fluch" geht noch weiter. Die Erntesaison hat auch den Gemüsegarten und die Obstbäume erfasst und meine Küche ähnelt inzwischen an ein Gläserlager. Einweckgläser über Einweggläser und es sammelt sich bereits einiges an Eingekochten an. Auch in der Gefriere tummelt sich schon Mangold, Majoran, Zitronenmelisse, Kirschen, Erdbeeren usw.

Warum ich diese Zeit so liebe?

Weil ich morgens mein Frühstück im Freien einnehmen kann! So auch vor ein paar Tagen: ich stand mindestens eine halbe Stunde auf der Leiter unter einer unserer Kirschbäume und stopfte mein Frühstück in Form von frischgepflückten Kirschen in den Mund. Irgendwann bemerkte ich, dass Felix eine unserer Hündinnen unter mir schlief, ungeachtet der Kirschkerne mit der ich sie dekorierte. Als ich genug Kirschen intus hatte ging es an die Erdbeeren. Dieses Jahr kann ich mich vor Erdbeeren nicht retten. An einer Pflanze hatte ich vor ein paar Tagen sage und schreibe achtundsiebzig (!) Früchte gezählt. Ich muss die Erdbeeren teilweise schon vor der endgültigen Reife abnehmen, da die Pflanze sie abwirft. Es fehlt seit Monaten der Regen und das macht sich bemerkbar, auch die Apfel-, Quitten- und Pflaumenbäume haben ihre Früchte abgeworfen - der Ertrag wird dieses Jahr wohl mau werden ...



Zurück zu den Erdbeeren: Einige Pflanzen sind kniehoch, das habe ich noch nie erlebt. Durch den kalten und trockenen Winter ist dieses Jahr die Vegetation eine komplett andere. Pflanzen kommen, die sich seit Jahren rar gemacht haben. So gab es beispielsweise mehr Tulpen und Narzissen als sonst. Auf der anderen Seite sind viele Rosenstöcke kaputt gegangen, auch so manch eine Frühlingsblume kam garnicht. Seit Wochen warten wir auch, dass sich bei unseren Bananenbäumen sich etwas tut. Doch hier im Ort kommt noch kein einziger - normalerweise sind die um diese Zeit bereits zwei Meter hoch.



Wunder der Natur oder dieses Jahr man wundert sich nur noch ...

A propo Wunder: einer unserer Welpen hat sich gestern auch gewundert! Er hatte Blähungen und war lautstark am Pupsen ;-). Bei jedem Pups wandete er sich blitzschnell um und suchte nach der Ursache des unerwarteten Geräusches. Der arme Kerl drehte sich eine geraume Zeit im Kreis und ich lachte Tränen ;-)

Es gibt noch ein anders Wunder. Unser anderer Welpenwurf! Vater ein schwarzer Süddeutscher, die Mutter ein Schäferhundmix (braun-schwarz) und die Welpen? vier schwarze, ein dunkelbrauner und zwei schneeweiße! Wirklich schneeweiß bis auf die kohlrabenschwarze Nase und die Knopfaugen?!?!? - Die Hündin ist mit hundert prozentiger Sicherheit nicht fremdgegangen und so grüßen die Mendelschen Gesetze. Sie müssen dieses Mal sehr weit zurück gegriffen haben. Der Großvater war auch ein Süddeutscher Schwarzer und die Mutter eine Sierra de Aires-Mix. Auf jeden Fall habe ich einen der weißen bereits Knut getauft, weil er mich an den kleinen Eisbär erinnert... Was mir jedoch ein Rätsel ist, irgendwie verschwanden über Nacht zwei schwarze und ein braunder Welpe. Gerade bei dieser besonders fürsorglichen Hündin ist mir das unverständlich.

Nun warten längst schonb Schaf, Ziege und Co, sowie Rosenblüten, Holunder, Kirschen, Erdbeeren und was sonst noch der Garten so hergibt - doch lieber würde ich es heute meiner Freundin gleich tun und ins Termalbad gehen zum Schwimmen, Faullenzen und Sonnenbaden.

Fluch und Segen zugleich: Volle Vorratsschränke kontra Freizeit und Relaxen :-(
- es geht eben nicht alles, aber den versuch gebe ich deswegen nicht auf ;-)

-copyright Julietta Günther





"Unsere kleine Farm" - 2017-05-13

Zur Zeit scheine ich offensichtlich zum Faultier mutiert zu sein, zumindest was die Schreiberei anbelangt ...

Es hat sich die letzten Wochen einiges getan auf unserer kleinen Farm: allerortens hat sich Nachwuchs eingestellt:  ein kleines schneeweisses Zicklein und zwei Lämmchen erblickten das Licht der Welt. Eines der Lämmchen musste ich mit der Flasche aufziehen, da die Mutter vermutlich wegen der Kälte keine Milch hatte. Leider haben wir auch drei Jungtiere verloren. Es war das erste Jahr, dass sich einige Muttertiere nicht richtig oder garnicht um ihren Nachwuchs kümmerten. Selbst unsere sonst so fürsorgliche Hündin Felix  hat ihren Wurf nach knapp drei Wochen nicht mehr gestillt und ihre Jungen quasi mir überlassen. Seitdem stolpere ich ständig über zwanzig kleine quirrlige Hundebeine, wovon immer mal wieder eines der Hundebabies jault, weil ich ihm Ausversehen auf die Pfötchen getreten bin. Alle Nase lang hängt mir ein kleines Fellbündel am Hosenbein oder ich ziehe eines am Schnürsenkel meiner Schuhe hinter mir her. Was ich die letze Zeit durch die Gegend gestolpert bin, geht auf keine Kuhhaut! Ich wusste garnicht, dass das Hundemuttersein so anstrengend sein kann ...

Wir haben mehr als fünfundzwanzig Häschen-Nachwuchs bekommen und zu der Schafherde haben einige schwarze zugekaufte Schafe gesellt. Die Anzahl der Schweine hat sich durch ihre Ferkel verdoppelt und so langsam wird es eng im Schweinestall.

Bei den Gänsen steht der Käfig mit den Küken aus dem Brutautomaten. Die ersten Tage liefen die Küken frei zwischen den Gänsen umher und die Gänse  bewachten sie wie ihre eigenen. Dies bedeutete auch, dass die Küken unter den Gänseflügeln schlafen konnten und Gans und Ganter sehr angriffslustig wurden, wenn man sich ihnen auch nur auf fünf Metern näherte, Nach ein paar Tagen wurden die Küken von mir wieder in den Käfig verfrachtet. Ein paar Mal musste ich in grösseren Aktionen die Küken wieder einfangen, von denen einige aus dem Stall geschlüpft waren und frei auf dem Grundstück herumliefen. Nachdem dann auch noch einige vor den Hundenasen umherrannten, was bei den Hunden den Jagdinstinkt aktivierte, war endgültig Schluss mit der Freiheit ... Küken in den Käfig, zumindest solange bis sie etwas grösser sind und mit den anderen in den Freilauf können,

Alles in Allem gibt es jede Menge zu tun








Copyright Julietta Günther