Sonntag, 3. Dezember 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-12-03

Kleine Eindrücke von den Bewohnern unserer kleinen Farm





Little Sue

 












 
Bella auf der Katze oder Katze in Deckung ...

Copyright Julietta Günther

Freitag, 1. Dezember 2017

Eines Nachts

Ein wunderschöner sonniger Tag und eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier, herrliche Unterhaltung im Kreis von Freunden, Stunden voller Kurzweile, guter Gespräche und viel Lachen. - Gegen dreiundzwanzig Uhr machten mein Sohn und ich uns auf den Heimweh. Mit einem Lächeln im Gesicht fuhr ich durch die dunkle Nacht auf der fast leeren Autobahn und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Mein Sohn war auf dem Beifahrersitz eingeschlafen. Kurz bevor ich die vorletzte Ausfahrt passierte, bog ein Streifenwagen mit Blaulicht auf die Autobahn. Ich fuhr die autoleere Autobahn entlang, die Schilder zeigten bereits unsere Ausfahrt an als ich am Horizont Blinklichter in allen Farben sah: blaue, gelbe, weiße und rote. Mir schwante nichts Gutes und ich musste Recht behalten. Wissend um die nächste Ausfahrt, fuhr ich geradewegs auf die Sperrung der Autobahn zu, ohne eine Chance die Strasse verlassen zu können. Nun stand ich da und vor mir tat sich im Licht meiner Scheinwerfer eine gespenstische Szene auf: ein weißes Auto stand quer auf der Autobahn, überall waren Blinklichter und zwischendurch huschten dunkle Gestalten durch die Szenerie. Während ich versuchte herauszubekommen, was da vor mir geschah, rannte eine Gestalt auf unser Auto zu und - ich hörte Schüsse und sah Mündungsfeuer. Instinktiv verriegelte ich das Auto. Erst als ich sah, daß es ein Polizist war, entspannte ich mich ein wenig. Der Ordnungshüter rief mir zu "Bleiben sie im Auto! Und lassen Sie das Licht an!" - "Ob der wohl glaubte, daß ich mich in die Schußbahn werfen will?" schoss mir durch den Kopf und sagte ihm "aber sicher doch!" Durch das Gespräch war mein Sohn aufgewacht und verschlafen wollte er wissen, was los sei. ... Gute Frage!?! -

Wir duckten uns immer tiefer in die Autositze und ich lugte nur zur Vorsicht etwas über das Armaturenbrett. Um uns herum schossen mehrere Gestalten, die durch die Nacht rannten. Eine surrealle Szenerie. Mir schossen die schlimmsten Befürchtungen durch den Kopf und ich schickte Stoßgebete gen Himmel, daß wir dies heil überstehen. Irgendwann gesellte sich neben uns ein anderes Auto. Vermutlich war danach die Autobahn hinter uns gesperrt worden, denn es folgte kein weiteres Fahrzeug nach. Nachdem das zweite Auto ebenfalls die Fahrbahn vor uns beleuchtete, konnte ich etwas mehr erkennen: der weiße Wagen hatte einen eingedrückten Kotflügel und war vermutlich nicht mehr fahrbereit. Hinter und davor standen weitere Autos kreuz und quer, normale Personenwagen, Polizeiautos und Krankenwagen, sowie noch weitere für mich nicht klassifierbare Fahrzeuge mit den unterschiedlichsten Blicklichtern. Personen rannten über die Bahn und schossen scheinbar wahllos in die Nacht. Irgendwann sah ich, was der Grund dieses Spektakels war: ein Wildschweineber rannte zwischen den Autos umher. Polizisten versuchten mit ihren kleinen Pistolen das Tier zu erlegen, Der Eber war wohl schon mehrfach getroffen, in Panik drehte er sich um und machte nun seinerseits Jagd auf die Schützen. Nun rannten die Polizisten vor dem Tier her. Einem kam das Wildschwein bedenklich nahe, als dieser sich mit einem Sprung über die Motorhaube des weissen Autos erstmals ins Sicherheit brachte. Die Situation war so absurd, daß ich einfach lachen musste.

Wir saßen in den Auto, inzwischen standen wir bereits eineinhalb Stunden und beobachteten das spezielle Movie. Meine Blase drohte zu platzen und ich wusste schon garnicht mehr, wie ich es mir noch verkneifen sollte. Wieder kam ein Polizist auf unser Auto zu und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich meinte, im Prinzip schon, aber ich müsste dringend für "kleine Königstiger" - Der Polizist sah sich suchend um, meinte "kommen Sie" und geleitete mich mit der Pistole schussbereit im Anschlag zum Straßengraben. Ich erleichterte meine Blase, währenddessen keine zwei Meter der Schütze angestrengt über die Felder in die schwarze Nacht sah. Noch mit offener, halb heruntergelassener Hose hechtet ich wieder ins Auto. Männer haben es da doch einfacher, denn selbst im Auto war es garnicht so einfach sich wieder komplett anzuziehen.

Das Licht meines altersschwachen B-Kadett durfte ich jetzt ausschalten. Doch nun standen wir in völliger Dunkelheit und langsam stieg die Müdigkeit in mir auf. Mein Sohn war inzwischen wieder eingeschlafen, unbeeindruckt dessen, dass noch immer Schüsse durch die dunkle Nacht hallten. Es war halb zwei in der Nacht als der Spuk ein Ende fand und die Polizei die Fahrt wieder frei gab.

Der Wagen neben mir setzte sich in Bewegung und - mein Auto gab keinen Ton mehr von sich! Na Klasse, die Batterie war leer! -  Der nächste Polizist, der nun ans Auto kam, war nicht mehr so freundlich, sondern schnauzte mich an, warum ich denn nicht losfuhr, Als ich ihm sagte, dass meine Batterie schlapp gemacht hat und ich ihn um Starthilfe bat, bekam ich als Antwort, dass ich auf den Abschleppwagen warten musste. Sie schoben mein Auto an den Straßenrand. Da kam erst Recht Freude bei mir auf: Hundemüde und als alleinerziehende Mutter nicht gerate mit voller Geldbörse gesegnet, harrte ich auf die Dinge, die da kommen würde, während in mir die Gehirnwindungen ratterten und rechneten.

Eine gefühlte Ewigkeit später kam der Abschlepper. Der weiße Wagen wurde die Rampe hochgezogen und ich wurde hinten angehängt. Wir fuhren an dem Ort des Geschehens vorbei. Am Fahrbahnrand sah ich die tote Rotte liegen: vier ausgewachsene Wildschweine und fünf Ferkel. Sinnigerweise fuhr der Abschleppwagen in entgegengesetzter Richtung zu meiner Fahrtrichtung. Irgendwann sprang mein Wagen an, ich wurde abgehängt. Nach einem kleinen Ovolus konnte ich meine Heimfahrt fortsetzen. Morgens um halbvier kamen wir hundemüde (zummindestens ich) zu Hause an.


Copyright Julietta Günther


"Unsere kleine Farm" - 2017-12-31

Silvester! Wir wollten zum dörflichen Ball gehen - doch manchmal kommt es anders als geplant ... mich hat ein Magen-Darm-Infekt außer Gefecht gesetzt und bereits um 17.30 Uhr kippte ich ins Bett. Mein Männe hingegen, dem sonst am Tag des Jahreswechsels meistens bis spätestens um 22 Uhr die Lichter ausgingen und er das Neue Jahr schnarchend begann - er blieb dieses Jahr munter. Verkehrte Welt ...

Pünktlich kurz bevor das Feuerwerk begann wurde ich wach. Gerade noch rechtzeitig, um Neujahrswünsche bei einem Schlückchen Sekt auszutauschen. (Mein Magen rebellierte noch immer und im Darm grummelte es). Dann hieß es auch schon "Ab zu den Hunden" und Feuerwerk anschauen.

Buddy (Schäfer-Mix) und Jojo (Foxi) haben panische Angst vor der Knallerei. Sie müssen beruhigt werden, damit sie nicht total ausflippen, Schnappatmung bekommen oder hysterisch an der Leine zerren. Ohne angebunden zu sein, wären sie auf nimmer Wiedersehen auf und davon. Hingegen reagieren Balou und Zimba total verstört. Die Beiden hatten miterlebt, wie Jäger ihre Mutter und Geschwister erschossen haben. Sie kläffen zwar, aber verfallen in eine Art Erstarrungszustand. Die anderen Hunde reagieren mehr oder minder nur mit Gebell, es sei denn es geht in unmittelbarer Nähe eine Rakete hoch. Dann flippen auch sie und sind kaum zu bändigen.

Die letzten Jahren habe ich Silvester oder bei sonstigen Feuerwerken bei dem Rudel verbracht. Mit Autogenen Training habe ich mich selber entspannt und dies versucht auf die Hunde zu übertragen. Ich hatte letztes Jahr schon Erfolge damit erzielt und konnte die Hunde damit beruhigen.

Dieses Jahr habe ich das noch etwas ausgeweitet. Meine Hunde bekamen Futter satt, bis der Ranzen spannte. Ich dachte mir, daß wenn sie vollgefuttert sind, sie keine große Lust mehr haben, aus ihrem warmen Schlafplatz zu kommen. Es hat ganz gut funktioniert, denn die Stunden vor dem Feuerwerk ließen sie sich kaum davon beeindrucken.

Mitternacht und die ersten Raketen stiegen gen Himmel, ich stand auf der Terrasse und schaute mir das Feuerwerk an. Dieses Jahr war es ein beeindruckendes Spektakel. Die Luft war klar und die Weitsicht phänomenal. Auf die Weise konnte ich mit meinem 180° Rundblick mehr als hundert Ortschaften mit ihren Feuerwerken beobachten. Der Wind stand gut und der Geräuschpegel war erstaunlich gering. Die Hunde standen um mich herum. Sobald ich bemerkte, daß einer auf die Böller reagierte, warf ich ein paar Taps zwischen sie. Sofort ließen sie sich ablenken, machten sich ans Schnüffeln und Fressen. Irgendwann lagen sie entspannt da und das Feuerwerk war ihnen Schurz ...

Ein recht entspannter Beginn des Neues Jahres!

Copyright Julietta Günther

Samstag, 25. November 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-11-25

Heute ist bei unseren Tieren "Red Nose Day"!

Meine Freundin hat heute ihren Garten gesäubert, die letzte Ernte eingebracht und ich bekam die Reste für die Viecher: Kohlrabiblätter, Karottengrün, Paprikapflanzen usw.. Unter dem"usw" waren auch jede Menge kleiner Rote Beete Knollen und einen ganzen Sack voll Blätter. Ein Festschmaus für alle Tiere. - Nun haben alle rosarote Schnauzen. Weißer Hase mit Rosa Nase, Ziegen mit roten Schlappermäulern, Schafschnauzen rosa eingefärbt.- Bei den Hunden hätte die Futterergänzung beinahe den Tierarzt auf den Plan gerufen. Den Hunden koche ich immer die Schalen von Kartoffeln, Kohlblätter, Kartoffeln oder sonstige Gemüsereste, so eben auch die kleinen rote Beete Knollen und die Blätter. Diese Gemüsereste mische ich unter das Trockenfutter. Die Hunde lieben das. Wenn dann auch noch gekochte Hühnerköpfe, -Füße, -flüchtel dabei sind, sind die Futternäpfe ratzfatz leer. Nun wenn das Futter an der einen Stelle aufgenommen wird, kommt es an einer anderen Stelle wieder raus. Natürlicher Vorgang! Rote Beete im Futter und ich bekam einige Stunden später einen Schreck: "Hunde haben Blut im Stuhl!"  --- irgendwann nachdem sich der erste Schrecken gelegt hat, kam mir in den Sinn, was sie gefressen hatten --- - Irren ist menschlich! ;-)

... und hier noch ein paar Gartenimpressionen ...

Erdbeerblüte im November

Die letzten Rote Beete Rüben sowie der Wintersalat, gleichermassen der erste Kopfsalat im kommenden Jahr
Ein Farbtupfer im trüben Winterwetter



Copyright Julietta Günther

Freitag, 10. November 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-11-10

Die Vögel ziehen gen Süden!

Vor kurzen zogen riesige Schwärme Stare über uns hinweg, Schwärme, wie große schwarzeWolken, die in Wellen über den Himmel zogen und scheinbar ständig ihre Richtung änderten.

Nun krächzen Vogelformationen am Himmel, oft kilometerweit zu hören und manchmal nur als  winzige Punkte in weiter Ferne zu erkennen. Woher sie wohl kommen und wohin sie fliegen. Wildgänsen und Kraniche auf dem Weg in den Süden, fast möchte ich ihnen zurufen "Nimmt mich mit. Wartet auf mich und laßt mich auf Euren Flügeln mitfliegen." - In mir steigt Fernweh auf, Erinnerungen an meine Reisen auf den afrikanischen Kontinent kommen mir in den Sinn. - Ich stehe am Boden und mit wehem Herzen sehe ich ihnen nach bis sie in den Ferne verschwinden.

Fasziniert beobachte ich die Formationen. Die Vögel formierten sich wie eine Pfeilspitze. Ein Vogel flog an der Spitze, eine abgetrennte Gruppe bildete die Nachhut und interessanter Weise flogen in jedem Schwarm vier Tiere separat. Wer weiß, vielleicht sind sie die Flug-Kommandozentrale?

Als ich hier her kam, war ich anfangs etwas verwirrt: Vögel, die in Deutschland das ganze Jahr sind, überwintern hier.  Kürzlich kamen die Meisen. Nach all den Jahren, die ich hier lebe, sind inzwischen die kleinen Sänger für mich Boten aus der alten Heimat.

Immer mehr Meisen und Spatzen kommen an - doch längst sind es nicht mehr so viele wie vor ein paar Jahren. Traurig! Viele dieser kleinen Sänger sind von der Welt verschwunden, an manchen Tagen ist die Stille schmerzhaft spürbar und ich vermisse, das oft ohrenbetäubende Morgenkonzert von früher. Dieses Jahr tauchten seit Jahren wieder ein paar wenige Schwalben auf, doch auch diesen Sommer blieben die meisten Storchennester leer. Als ich Mitte der achtziger Jahren das erste Mal nach Ungarn kam, begeisterten mich die Dörfer in denen auf nahezu jeder Strassenlaterne ein bewohntes Storchennest war. Lange her, längst schon Geschichte und es wird vermutlich nie wieder so werden. Damals gab es auch noch Graureiher - ja damals ...

... und heute? Immer weniger Vögel und von den Bienen will ich lieber garnicht reden. Drei Jahre hintereinander blieben die meisten Blüten der Obstbäume unbefruchtet. Es fehlten die kleinen fleißigen Insekten.

Aber zurück zu den Wildgänsen und Kranichen. Ich las, daß die Vögel sich an der Sonne, den Sternen und dem Magnetfeld orientieren. Was ich aber am meisten erstaunt hat, daß sie meistens nachts fliegen. Eigentlich müssten die Tiere nach meinem Verständnis sich ständig verfliegen, bei so vielen Fremdlichtern der Städten und Autos. - Bei mir ist es gerade anders herum: ohne die Fremdlichter wäre ich nachts vermutlich gänzlich aufgeschmissen.

Manchmal frage ich mich sowieso, wer ist eigentlich der Schlauere? Die Tiere oder wir Menschen? Wenn ich meine Tierschar so anschaue, dann bin ich mir manchmal garnicht so sicher. Die Tiere wissen genau, was sie fressen können und was nicht. Wir Menschen haben da deutlich ein Defizit. Unsere "dummen" Hühner wissen ganz genau, daß in meiner Jackentasche eine Tüte mit Hundefutter steckt. Sobald ich nur die Hand hineinsteckte, steht Hahn und Huhn neben den Hütehunden und passen auf, daß sie etwas ergattern können.  Die "dumme" Gans kennt den Ausgang zur Außenweide und wartet darauf, daß ich einen Augenblick nicht auf sie achte und sie nach draußen entwischen kann. Das hat schon Methode! Witzig finde ich es,  wenn ich sie auf ihrem Weg ertappe. Dann nämlich macht sie einen auf harmlos und wechselt ganz unbeteiligt die Richtung - bis - ja bis ich ihr wieder den Rücken zudrehe ... Raffiniertes Vieh!

Die Schweine kletterten an der Stallwand wie auf einer Leiter empor, um dann über das Dach des Schweinestalls zu laufen und auf der anderen Seite außerhalb des Geheges wieder runterzuklettern, dann schwabbelten sie unter dem Aussenzaun durch, ab ins Maisfeld und ich bekam Ärger mit dem Nachbarn. Sämtliche Versuche sie davon abzuhalten scheiterten. Jede Möglichkeit, die wir ihnen nahmen, quittierten sie mit einer neuen Ausbruchsvariante. Nach ein paar dieser unerwünschten Ausflüge, hatte ich es spitzbekommen, daß die Tiere sich vor ihrem Ausflug "unterhielten" und ich konnte rechtzeitig eingreifen. Allerdings bei einem der letzten Sauausflüge, stand Sau auf dem Dach, während ich durch das ebensolche brach und auf dem Wildschweineber landete! Resultat: Einhundertdreißig Kilo Sau verschwand lockerflockig und recht elegant durch ein 30x30 Zentimeter großes Loch in den darunterliegenden Stall, während ich mir mehrere Rippen brach, eine Niere quetschte, die Schulter auskugelte und obendrein noch zappelnd auf dem Eber stehend versuchte mich wieder durch das Dach nach oben zu stemmen. Keine Frage, wer da die bessere Figur machte ...

Copyright Julietta Günther

Mittwoch, 1. November 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-11-01

Heute ist Allerheiligen.

Als ich vor vielen Jahren das erste Mal in dieser Zeit hier war und in der Dunkelheit durch die Dörfer fuhr, wunderte ich mich. Überall gab es Gebiete, die hellerleuchtet waren und noch in weiter Ferne zu sehen waren. Ich wusste in der Nacht nicht so richtig etwas damit anzufangen und schob es auf einen Halloween-Brauch. Doch am nächsten Tag bemerkte ich meinen Irrtum. Die hellerleuchteten Gebiete waren die Friedhöfe. Die Ahnenverehrung in dem Ausmaß wie hier war mir fremd. In der Zeit vor dem ersten November ziehen die Familienangehörigen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen und legen dort Blumen nieder. Die vielen Lebenslichter erhellen dann die Nacht. Es herrscht ein regelrechter Pilgerzug zu den Friedhöfen und nicht selten fahren die Menschen mehrere hundert Kilometer, um auf den Gräbern ihrer Ahnen Blumen niederzulegen, ein Lebenslicht anzuzünden und ihrer zu gedenken. Ich weiss nicht, ob es in Deutschland auch so stark ausgeprägt ist. Doch ich weiss, dass in meiner Familie keiner mit der gesamten Familie fünfhundert Kilometer weit fahren würde, um ein Grab zu besuchen. Ich habe dazu meine eigene Philosophie: lieber huldige ich jeden Tag meiner verstorbenen Lieben in meinen Gedanken und Tun, als an einer für mich doch anonymen Stelle Blumen nieder zu legen. Für mich etwas surreal. Aber der Tod hat sowieso etwas Surreales. Wie auch immer. Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden und jedem sei sein Glaube, der im Halt und Sicherheit gibt.

Doch so sehr die Ungarn ihren Ahnen huldigen, so pragmatisch sind sie auf der anderen Seite. Ehrlich gesagt, an diesen Pragmatismus musste ich mich hier erst gewöhnen ...

... denn Feiertag, heisst freier Tag ... doch anders als in Deutschland, wo an einem Feiertag teils gespenstische Ruhe sich über die Orte legt, herrscht hier lebhaftes Treiben: dort eine Motorsäge, hier das Geräusch einer Bohrmaschine, an einem anderen Ort ist man fleißig dabei ein Haus abzureißen. Als ich in den ersten Jahren mal sagte, dass ich mich darüber wundere, daß am Feiertag die Motorsense oder der Rasenmäher läuft, bekam ich eine erstaunte Antwort: "Wann soll ich denn das sonst machen, wenn nicht an meinem freien Tag". - Recht hatte er! Längst habe ich mich daran gewöhnt, daß am Sonntag und Feiertag von irgendwoher Motorgeräusche erklingen und die Menschen in ihren Gärten werkeln. Auch muss ich gestehen, daß ich dies reichlich entspannt finde und mich inzwischen darüber wundere, wieso in Deutschland die Menschen sich selber so viele eigene Grenzen auferlegen.


Copyright Julietta Günther