Samstag, 21. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-21

Heute fühlte ich mich in Kinderzeiten zurück versetzt ;-) Ich habe das Laub zusammen geharkt. Wer kann sich nicht daran erinnern, wie wir als Kinder durch die Laubhaufen gestobt sind, uns hinein fallen liessen und uns gegenseitig mit mit dem Laub bewarfen. Was war das für ein herrlicher Spielplatz ! - Allerdings gab es auch manchmal Ärger mit den Erwachsenen, weil wir die mühsam zusammen geharkten Haufen in alle Winde verteilt haben und somit ihre Arbeit zunichte gemacht haben ;-)) -

Doch Spass gemacht hat es doch !!

Das Laub raschelte unter meinen Füssen und gerne hätte ich einen Spielpartner gehabt, wie in längst vergangenen Zeiten. So begnügte ich mich damit, das Laub durch die Luft zu kicken. Stattdessen habe ich die Hunde beobachtet, die auch ihren sichtlichen Spass am Laubtoben hatten.

Pedro Bandito

Hobby, Felix, Luna und Pedro Bandito

Hobby, Felix, Luna und Pedro Bandito



Hier machen sie gerade eine Pause, nachdem sie zuvor mit der Nase am Boden durch das Laub getobt sind.

Manchmal muss man einfach das Kind in sich heraus lassen und sich beispielsweise im Schatten der Dunkelheit an dem Schild "Nur für Kinder unter 8 Jahren" vorbei auf den Spielplatz schleichen und eine Runde schaukeln. Unlängst las ich, dass irgendwo ein Spielplatz für Erwachsene gebaut wurde. Warum eigentlich auch nicht ? ;-) Wer einmal zugesehen hat, wenn der Papa mit dem Sohne Autorennbahn spielt oder an der Anlantikküste die Erwachsenen beobachtet, die dort Drachen fliegen lassen. der merkt, wieviel Kind in einem selber steckt. In den Aktionen der Kindertage steckt so viel Unbeschwertheit und als Erwachsener fehlt einem manchmal diese Leichtigkeit des Augenblicks. Man muss es ja nicht mir gleich tun, als mein Sohnemann mit seinem Scateboard ankam und ich meinte, das ich das auch einmal probieren sollte. Es endete mit einer Bauchlandung, gleich einer Flunder auf dem Asphalt. Es muss übel ausgesehen haben, denn statt über mich zu lachen, kamen alle heran gelaufen. - Seitdem ist Scateboard für mich kein Thema mehr, stattdessen habe ich meine alten Rollerblades heraus gekramt und habe damit eine Runde gedreht. Dies hatte allerdings ungeahnte Folgen und endete in der Beschwerde einer anderen Mutter. Die Freunde meiner Söhne hatten mich beobachtet und zu Hause sich bei ihren Mütter  beschwert, weil sie nicht auch Rollerblades fahren. Upss! - So kann's passieren ;-)

copyright Julietta Günther

Freitag, 20. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-20

Eine leise Melancholie hat sich heute eingeschlichen .. die Äpfel, die bislang wie rote Kugeln die Bäume zierten, sind jetzt abgenommen und eingelagert. Die duftenden Quitten grösstenteils bereits in Körbe gelegt. Sie warten jetzt auf ihre Weiterverarbeitung, zu Gelee, Likör, Essig und Schaps. Ihr Duft erfüllt die ganze Küche und das Lager. Im Haus ein Hauch von Sommerlaune  -

 
draussen riecht es nach Herbst und nassen Laub, die Bäume verlieren ihre Blätter und manch einer zeigt bereits sein kahles Astgerippe.

Apfelbaum mit Äpfeln und Apfelblüten
Es ist eine Mischung von Apfelbaumblüten gepaart mit gelben, roten und braunen Blättern und noch saftigem Grün der Wiesen.

In der Luft hängt auch der honigsüsse Duft der Chrysanthemen.


Doch überallem liegt der Wechsel der Jahreszeit wie ein Omen.  In wenigen Tagen wird wohl der erste Schnee das Land bedecken und die Welt um mich herum in eine Stille tauchen. Nach dem regen Treiben der letzten Monate ist die Zeit der Besinnung auch eine Zeit der Erholung, dem Tanken neuer Kräfte - doch wie auch immer in jedem Jahr, müsste so vieles noch gemacht werden vor dem heran nahenden Winter, gleich wissend, dass die Zeit nicht ausreichen wird. So beschränkt man sich auf das Wichitgste: Vergangenes Wochenende konnte das Dach des Schafsunterstandes repariert werden, das der letzte Sturm zerfezt hatte. Der neue Schweinestall steht noch an. Die Schweine haben solch eine Party gefeiert, dass ihr jetziger Holzverschlag in reichlicher Schieflage geraten ist. Spätestens bis Mitte Januar, wenn die ersten Ferkel der neuen Saison geboren werden, muss dafür eine Lösung her, in der Hoffnung, dass der jetzige dem ersten Schnee stand hält. Zeit ist knapp und seitdem Männe auch noch fast jedes Wochenende arbeiten muss, ist sie noch knapper. Ungarisch gedacht: es wird schon irgendwie ...

Rückwirkend betrachtet war es heuer ein relativ gutes Jahr. Die Bäume waren voll, wenngleich die Trockenheit des Frühjahres/Sommers und und die Hitze des Sommers etlichen Ausfall ergaben und viele Früchte zu klein blieben oder aber bereits am Baum zu Mus verkochten. Der Mais stand gut mit durchschnittlich 4 Kolben an jeder Pflanze. Die Trockenheit hatte erstaunlicher Weise hier nur wenig Auswirkungen, doch das lag vermutlich an der Lage des Feldes in Waldnähe. Dies wiederum war jedoch ein Fressen für die Wildschweine und Rehe und so hatten wir auch dort einigen Ausfall. Dem Gemüsegarten hingegen konnten wir durch die Dürre als Totalausfall verbuchen. Da wir nur an Ziternenwasser mit Regenwasser hängen und somit in den trockenen Monaten Wasser sparen mussten, blieb das Giessen weitestgehend aus. Doch das hatte auch einen Vorteil: ich musste mich nicht mit Hacken und Co beschäftigen. Der Boden war über viele Monate sowieso viel zu hart dafür. Selbst ein halbstündliches Giessen hätte da keine Abhilfe geschaffen, da das Wasser kaum mehr als 2 cm in den Boden drang.  Alles in Allem können wir nicht klagen. Klar, besser sein könnte es immer - aber wie sagt der Volksmund so treffend " besser ein Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach" -

Einfach nur zufrieden sein, mit dem was man hat, anstatt sich über das was man nicht hat, zu beklagen.

So ein Wechsel der Jahreszeiten verführt auch, über den Lauf der Zeit nach zu denken. So auch über das eigene Alter. Vor Kurzem stellte ich fest, dass mein Spiegelbild nicht mit mehr meinem Inneren übereinstimmt. Wenn ich mich so sehe, wie ich mich innerlich fühle, dann komme ich mir vor wie dreissig oder vierzig, wenn ich aber in den Spiegel schaue, dann kommt es mir vor, als würde mir eine alte Frau, ein Fremde entgegen blicken. So ähnlich wie sich kürzlich ein Mann im Fernsehen bei einem Interview anlässlich seines 60-ten Geburtstages geäussert hat. Er meinte, er sei wohl der älteste Teenager. Ich machte mir darüber Gedanken und kam zu dem Schluss, dass es für mich zwei Lösungsmöglichkeiten gibt: 1. ich passe mein Äusseres meinem inneren Empfinden an. Doch mangels Mangels in der Kasse, scheidet das aus und obendrein würde mir dann vermutlich eine jugendliche Fremde aus dem Spiegel entgegen blicken oder jemand der natürlichen Schönheit so entfremdet ist, wie Gloldie Hawn. Oder 2. : ich lasse den Blick in den Spiegel. Das allerdings kann den Nachteil haben, dass man sich zum Gespött der Leute macht, wie mir unlängst passiert. Ich grub im Garten als mir einfiel, dass ich noch schnell im Laden etwas einkaufen gehen muss. Also losgespurtet - ohne vorherigen Kontrollblick in den Spiegel - mich freuten die freundlichen, lachenden Gesichter im Laden. - Erst abends als mein Männe heim kam, wurde mir klar, was zu dieser heiteren Stimmung geführt hatte. Beim Graben im Garten mus ich mir mit der erdigen Hand durchs Gesicht gefahren sein und habe mir dabei einen schwarzen Bart ins Anlitz geschmiert. Mein Männe lachte jedenfalls Tränen als er mich sah ... und ich musste lachen, als er mir gestand, dass auch er längst den Blick in den Spiegel meidet.

So lassen wir es dabei "Man ist so jung, wie man sich fühlt" - früher konnte ich mit diesem Ausspruch nicht besonders viel anfangen, mittlerweile habe ich ihn wirklich verstanden. ;-)

copyright Julietta Günther

Donnerstag, 19. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-19

Irgendwie laufe ich heute neben der Spur oder bin besser gesagt, etwas verwirrt. Bei meiner Fahrt in die Stadt, freute ich mich über die Herbstsonne bei immerhin rund 20 Grad und als ich zurück kam, musste ich feststellen, dass die Gemeinde begonnen hat, die Schneefangzäune aufzustellen. - Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus ... ich mag garnicht daran denken ! - Schnee wäre ja nicht das Schlimmste, aber die damit verbundene Kälte - die mag ich einfach nicht ! Ich liebe Wärme ! Wie auch unsere Katzen, die vor ca. 2 Wochen damit begonnen haben, abends ins Haus zu kommen und sich am Besten noch vor den Ofen setzen. Dabei waren die Nächte bislang sehr mild und nur einmal war ein leichter Nachtfrost, nicht einmal Rauhreif gab es bisher.
 
von rechts nach links: Fekete, Kis Fekete, Szürke und Cillu
Witzig war es auch, als unser Buddy (aus "Buddy on Tour" ) noch klein war. Der Hund hat sich immer mit den Katzen den Platz hinter und  neben dem Ofen streitig gemacht - frei nach dem Motto, wer zuerst kommt, der bekommt 'nen warmen Pelz. Aber auch unser Jojo, der Foxi legt sich immer so nah vor den Ofen, dass er eigentlich schon schmoren müsste. - Hot Dog ! -

Vermutlich liegt das an seinen Kindheitserlebnissen. Jojo war als Welpe bei einem unserer Nachbar an der Kette, seine Hundehütte stand so, dass der Eingang zur Wetterseite zeigte und dort aller Regen und Schnee hinein kam. Sein Herrchen kam manchmal tagelang nicht. Oft jaulte der kleine Kerl jämmerlich und unsere Hunde mit ihm. Der Kleine hat es geschafft, sich mehrfach von der Kette loszureissen und wir bekamen das erst garnicht mit: er hatte sich beim Buddy in der Hundehütte verkrochen. Buddy unser "Babysitter vom Dienst"  hatte sich seiner angenommen. Mehrfach brachten wir den Foxi wieder zu seinem Besitzer zurück und - immer wieder kam er retour. Als der kleine Kerl eines Dezembermorgens zitternd und total durchgefroren vor unserer Haustür auf der Matte lag und schlief, entschlossen wir ihn nicht zurück zu bringen.

Das war ein Wagniss, denn er ist nun einmal ein Foxterrier - ein Jagdhund, der nun einmal allem hinterher jagt, was sich bewegt und ein Wildschwein zur Strecke bringen kann. Wir hingegen haben jede Menge Katzen, Hühner etc und hörten jede Menge Unkenrufe. Selbst mein Männe beruhigte sich erst, als er zum ersten Mal sah, wie Jojo den Katzen die Ohren putzte und neben ihnen schlief. Nur einmal gab es einen Zwischenfall, als der Wauzi unser Schafherde vertrieb und mein Männe die Schafe aus dem Nachbarort zurück holen musste. Dabei war ein Tier so erschőpft, dass er es tragen musste ... Das war ein Sporttraining der besonderen Art  ;-)) - danach fiel mein Männe in die Koje, ward stundenlang nicht mehr gesehen und schnarchte vor sich hin ;-) ...

Jojo hat uns sozusagen adoptiert und sein Herrchen tauchte erst über ein halbes Jahr später bei uns auf. Nicht etwa, weil er den Hund zurück haben wollte, das war erst nach über einem Jahr der Fall, sondern weil er seiner Enkelin zeigen wollte, wo der Kleine jetzt wohnt ... - no comment !... Jojo hat seinen Namen nicht von ungefähr, dieser Duracell Hund, der ohne Unterbrechung eine Stunde lang durch den Garten rasen oder auf der Terasse hin und her fegen kann, schafft es auch ohne Pause wie ein Jojo auf und ab zu hüpfen. Dieser Hund ist ein Energiebündel, das an manchen Tagen fast nicht auszuhalten ist. Wir haben schon gesagt, dass der solange rennt, bis er einen Herzkaspar bekommt. Erst nachdem er den ganzen Tag, wie ein Bekloppter herum gerannt ist, wird er müde. Es ist mir ein Rätsel, wieso sich gerade Rentner einen Foxi zu legen, vermutlich wegen der Grösse, doch mit einem normalen Rentnerpensum, ist dieser Rasse sicher nicht gerecht zu werden.

Jojo ist ein lieber Kerl, aber verdammt anstrengend. Er hat dennoch bei uns sein neues Zuhause gefunden.

Jojo mit Minou
 .....

Ich jedenfalls bin eine bekennende Frostbeule ! Jetzt aber halte ich es erst einmal wie Vivian Leigh als Scarlett O'Hara in "Vom Winde Verweht" - "After all, tomorrow is another day"

Es reicht, wenn ich mich mit Kälte auseinander setze, wenn sie da ist. Jetzt geniesse ich erst einmal die warmen 20 Grad bei Sonnenschein und schnappe mir die Schaufel und grabe noch ein wenig weiter den Garten um ....


copyright Julietta Günther

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-18

Heute habe ich mich einer "muss-sein"-Arbeit gewidmet, nicht einer selbst ernannten Muss-Sein-Pflichten, wie zum Beispiel das Bügeln. Das kann man, muss man aber nicht wirklich. - Nein, heute stand eine notwendige Arbeit an, nämlich Stall Ausmisten. Das muss sein! Denn schliesslich sollen die Viecher nicht im eigenen Dreck stehen und dann will ich saubere Eier aus dem Stall holen. Letztendlich geht es auch um die Gesundheit unserer Tiere und auch um unsere. Ich habe mich mit Schubkarre, Mistgabel und Schaufel bewaffnet und machte mich an die Arbeit. Stallmisten ist zwar eine recht anstrengende und schweissstreibende Beschäftigung, aber es ist auch eine Tätigkeit, wie unter anderem auch Bügeln und Fensterputzen, die einen geistig nicht beansprucht. So sind das Zeiten, in denen ich meinen Gedanken laufen lassen kann. Während ich den Mist schaufelte, bemerkte ich den völligen Frieden um mich herum. Die unterschiedlichen Tiere grasen oder lagen nebeneinander in der Sonne und liessen sich Sonnenstrahlen auf den Pelz brennen: Hund lag neben Katze und Huhn lief unter den Schafen hindurch. Alles in totalen Frieden.

So flogen die Gedanken hin und her. Irgendwann landete ich bei der Frage, warum es unter den modernen Homo Sapiens Menschen gibt, die leiden wollen und Leid säen. Warum ist so manch ein heutiger Erdbürger im Gedankengut des Mittelalter stecken geblieben sind ? Inquisition und Glaubenskriege, statt ein friedliches Leben leben. Kürzlich habe ich mich mit Familiengeschichten und insbesondere mit Namensforschung befasst. Ein hoch interessantes Thema, das weit in die früheren Völkerwanderungen reicht. Es ist erstaunlich, wieviel vermeintlich deutsche Namen einen Jahrhunderte alten ausländischen  Ursprung haben.

Doch im Grunde will ich die friedvolle Stimmung der Welt auf unserer kleinen Farm nicht mit den negativen Gedanken vertreiben.

Vor ein paar Tagen haben wir junge Häschen bekommen. Das Erstaunliche bei diesem Wurf ist,  dass ein kohlrabenschwarzes Elternpaar, fünf kohlrabenschwarzer Häschen und zwei schneeweisse Albinohäschen bekommen hat. Da muss ja wohl eines der Elternpaare ein Albino als Grossvater gehabt haben. Wobei nach den Mendelschen Gesetzen der Vererbungslehre im Verhältnis 3:1 eigentlich 6 schwarze und 2 weisse hätten sein sollen. Da muss sich wohl die Häsin verzählt haben ... (Anmerkung: Mendelsche Gesetze nach Georg Mendel 1822-1884, die 1865 eröffentlicht wurde. Hier die Unabhängigkeitsregel).
Es ist schon ein "weites Feld" (Zitat nach Thomas Mann) diese Vererbungslehre, doch wenn man sich mit Tieren und Tierzucht beschäftigt, dann kommt man nicht darum herum. Manchmal überrascht einem dabei auch die Natur. Wie bei unseren Hunden: als bei unserem zweiten Schäferhund-Mischlings-Wurf mit schwarzen Eltern bei 4 Welpen 2 blond/sandfarbene- dabei waren, einen mit halblangen und der andere mit langem Fell. Die eine davon ist unsere Bella.

copright Julietta Günther

Mittwoch, 18. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-01

Heute ist Miracoli-Tag! - Wer ins Ausland abgewandert ist oder im Ausland arbeitet, kennt das. Irgendwann, nach geraumer Zeit, bekommt man Gelüste auf bekannte Geschmackserlebnisse aus der früheren Heimat. Bei mir ist es aus irgendeinem Grund Miracoli. Seltsamer Weise war ich früher nie so scharf darauf, dafür kann man mich heute damit hinter dem Ofen vorlocken - mein Männe hingegen hasst es. Als das letzte Mal Miracoli-Tag war, musste ich lachen: mein Männe kam nach Hause, sah in den Topf und schnaubte .... pfff ....- ihm war mehr als deutlich anzusehen, dass das heutige Abendessen absolut nicht nach seinem Gusto war :-) - aber er musste es auch nicht essen, denn seit ich weiss, dass er das absolut nicht mag und lieber hungrig bleibt, mache ich ihm stattdessen etwas nach seinem Geschmack. Während ich mich in Spaghetti mit Tomatensosse wälzte, bis mir der Ranzen spannte.

Als meine Eltern ins Ausland gingen, habe ich mich immer über ihre Wunschlisten amüsiert. Damals hiess es , könnt ihr uns nicht mit dem nächsten Paket, ich nannte sie Care-Pakete, folgendes mitschicken: Kaffee, Käse, Salami, Schokolade, Lebkuchen .... - Wobei die Care-Pakete-Wunschliste je nach Land eine andere Zusammenstellung hatten. Das obrige war das aus Mitte der 80-er und ging nach Thailand. Das spätere für Mittelamerika hiess dann: Edle Tropfen in Nuss, Sauerkraut, Backpuler .... Ein anderes beinhaltete hauptsächlich Backzutaten. Das wiederum kenne ich auch. Im Rahmen der Globalisierung gibt im Ausland sehr vieles in den bekannten Supermarktketten, doch manches auch nicht oder in einer andern Qualität. Ich kann mich noch gut erinnern, als hier der Lidl, hier Lidli genannt, aufgemacht hat. Jeder mit deutschen Wurzel musste dahin und als es dann dort auch noch Wienerle gab, begann ein regelrechter Run darauf und die waren immer schneller ausverkauft als in das Regal gepackt. Beim Einkauf mussten es dann auch gleich mehrere Päckchen sein, denn das erste überstand grundsätzlich die Fahrt nach Hause nicht. Ein richtiges Lauffeuer und eine Sammeleinkaufsaktionen gab es auch, als es hier das erste Schwarzbrot verkauft wurde. Gut erinnern kann ich mich auch meine Heisshungerattacke auf Lakritzschnecken. Ich hatte sie zum ersten Mal hier entdeckt, sie schmeckten zwar nicht so wie ich sie in Erinnerung hatte, aber ich gab keine Ruhe bis nicht die Tüte leer war. Mann war mir danach schlecht !!!

Es ist schon erstaunlich, wie man seine Wurzeln mit sich mit nimmt und welche Anstregungen man unternimmt, um beispielsweise in Spanien Matjes Heringe oder Sülze zu bekommen ;-)

So ist jedes Mal, wenn wir aus Deutschland kommen, unser Auto voll mit deutschen Lebensmittel, die man hier nicht oder nur sehr selten oder wenn extrem teuer bekommt. So kam ich auch eines Tages am Jahresanfang zurück. Hier lag einen halben Meter Schnee, das Auto war voll mit Maultaschen, Buttermilch, Frankfurter, Vollkornbrot ... und Miracoli ;-)) etc.pp.. Ich wohnte damals in Hanglage, dessen Strasse nicht geräumt wurde. Jetzt konnte ich aber das Auto mit allem darin kaum unten in der Kälte stehen lassen. Ich also mit Karacho den Berg hoch. X-mal wieder rückwärts runter gerutscht, beinahe links die Böschung runter und auch mal rechts in Nachbars Hecke gelandet. ... Irgendwann hatte ich es zumindest so weit geschafft, dass bis hoch kam und in der Kurve, etwa 20 m vor dem Haus stecken blieb. Da in der Siedlung im Winter keine andere Menschenseele wohnte, haben meine Bemühungen die Polizei auf den Plan gerufen. Als ich das Auto ausräumte, kamen sie durch den Schnee den Berg hinauf gestapft. Ich erklärte die Lage und sie halfen mir mit dem Ausladen. Doch, gerade als einer von ihnen einen Karton mit Lebensmittel hoch nahm und Richtung Haus gehen wollte, just da, öffnete sich der Boden und alles darin fiel in den Schnee. Doch die Polizisten waren recht pfiffig: sie nahmen ihre beiden Schlagstöcke, stellten den Karton darauf, packten die Lebensmittel wieder in den Karton und brachte ihn zu zweit ins Haus. Da kann man wirklich sagen "Die Polizei Dein Freund und Helfer"  - Richtig nett war auch, dass sie mich in ihren Rundgang mit aufnahmen und immer Mal wieder bei mir anklopften und fragten, ob alles in Ordnung sei.

... Inzwischen gibt es allerdings auch Care-Pakete in die andere Richtung und zwar zu Familie und Freunden nach Deutschland und Spanien. Da heisst es dann: "Könntet ihr uns nicht bitte, Paprika, Paprikacreme, Kolbasz ... etc schicken." - Aber auch mein Männe hat eine besondere Vorliebe in Deutschland entdeckt. Jedes Mal wenn wir einkaufen gingen oder er einen Grund fand, dort hin zu müssen, manchten wir einen Abstecher zur Pommes Bude, die neben dem Supermarkt steht. Er konnte garnicht genug bekommen von Grillhähnchen, während ich mich an Bratwurst, Grillwurst und Curry Wurst labte...

... so und nun  -
widme ich mich meinem Miracoli bevor sie die Hunde auffressen, die lieben das nämlich auch ;-)

copyright Julietta Günther


"Unsere kleine Farm " - 2015-10-31

Weihnachten steht kurz bevor !!! - zumindest wollen uns das die Geschäfte weiss machen !!! - überall liegt schon Weihnachtsdeko in der Auslage, Lebkuchen und Co locken die Gaumen und überall klingen schon "Süsser die Glocken nie klingen" - dabei denkt unsereins eher noch an "Beach Boy - Beach Boy"  - Ist die Welt inzwischen so schnelllebig geworden oder hinke ich noch der Zeit hinterher ?  ... vermutlich von beidem etwas ;-) Jedenfalls habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt. Dabei hätte gerade ich die besten Voraussetzungen dafür. Viele Jahre arbeitete ich in einer Firma, die Saisonware produzierte und da war es üblich, dass wir Ostern an der Weinachtsware arbeiteten, die spätestens im Juni in den Versand kommen musste, damit sie rechtzeitig in der Weihnachtsvorzeit ihre Abnehmer fand. Doch bei einer Ausstellung kurz vor Ostern Weihnachtsbaum aufzustellen, war mir doch suspekt.. Für mich ist Weihnachten mit flackerndem Kamin, warmen Tee und Kerzenschein verbunden und eben nicht mit 30 Grad Sonnenschein und Beachparty verbunden. Lebe ja schliesslich nicht in Australien ! Auch findet nicht jedes Jahr der Fall der Mauer statt. Damals hatte ich wie immer die Süssigkeiten für die Bunten Teller zu Weihnachten, kurz vor dem Fest einkaufen wollen und hatte das Nachsehen: Im gesamten Umkreis gab es keinen einzigen Weihnachtsmann mehr zu kaufen, auch keine Lebkuchen oder Orangen. Damals hatte ganz Ostdeutschland Run darauf gemacht. In einem Spezialitätengeschäft fand ich dann noch zwei kleine, sündhaft teure Nikoläuse für meine Jungs. Seit der Zeit habe ich das früher eingekauft, doch in den letzten Jahren musste ich feststellen, dass bereits gute 2-3- Wochen vor dem Fest, die Ware bereits wieder aus den Geschäften geräumt wird. Verrückte Konsumwelt. Aber wenigstens ist das wieder etwas gemässigt worden. In den Jahren, in denen auch die Öffnung der Mauer fiel, kam eines Tages meine Freundin total aufgebracht an, es war Mitte August und 30 Grad heiss. Sie arbeitete damals als Verkäuferin bei einer Kaufhauskette, die inzwischen Pleite gemacht hat, und berichtete: "Stell Dir das mal vor, draussen knallt die Hochsommersonne und wir müssen Schokoladenweihnachtsmänner aufbauen und Weihnachtsmusik abspielen." !?!? - Hähhh?!?!? - man kann es auch übertreiben ... oder der Verkaufsleiter hat das letzte Weihnachten verpennt und musste nun die Lager räumen - kein Wunder, dass die Kaufhauskette Pleite ging ... bei so viel Verkauf am Kunden vorbei ...

A propo Verkauf! Da können wir auch ein Lied von singen. Wir produzieren ausschliesslich Bio-Produkte, unser Tiere bekommen auch nur natürliches Futter und sind im Freilauf. Doch der hiesige Markt macht kaum Unterschiede zwischen biologischen und konventionellen Anbau. Wie sagen die Leute hier, "Es ist doch alles bio" - dieser Logik kann man sich nicht ganz entziehen, es kommt auf die Definition an. Bio oder nicht, es gibt kaum jemanden, der für biologisch angebautes Erzeugnisse mehr zahlen will. Zudem kommt noch, dass hier viele noch ihre Hausgärten haben und auch das ein oder andere Nutztier im Garten. Das Angebot an hochwertigen Fleisch, Obst und Gemüse ist demnach gross und so produzieren wir hauptsächlich für den eigenen Bedarf oder erzeugen ganz spezielle Produkte, wie beispielsweise meine Essigspezialitäten, Marmeladen, Sirup etc. - Der Vorteil ist, dass wir wissen, was wir essen und dass nichts hineingepanscht wurde, was meiner Meinung nicht in gesunde Ernährung gehört, wie Farbstoffe, Geschmacksstoffe etc. pp.

Eine Sache beschäftigt mich seit geraumer Zeit: wir hatten Beusch aus Deutschland. Während eines Tageausfluges waren sie in einem Restaurant essen und kamen abends zu uns. Aus ihrem Tagesmenue brachten sie ihr komplettes Fleisch mit, für die Hunde. Sie meinten, das Fleisch sei fest , hätte einen eigenartigen Geschmack und wäre vermutlich nicht mehr gut. Dass ein renommiertes Restaurant gleich bei mehreren Gerichten verdorbenes Fleisch serviert, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen und probierte es. Es war ein hervorragendes Filetfleisch, hatte Biss, aber war butterweich, doch es hatte einen Nachteil: es schmeckte nach Fleisch. - Ich weiss ja, dass wir in Deutschland immer enttäuscht sind, von der Geschmackslosigkeit des dortigen Fleisches, aber dass der Unterschied so gewaltig ist, gibt mir doch zu denken. .... Genau genommen geht uns das auch mit dem Gemüse so. Ich muss nach Deutschland immer Paprika, Gurken und Kartoffeln mitnehmen. Wenn ich aber hier gefüllte deutsche Kohlrouladen machen will, dann klappt das einfach nicht. Der Kohl ist hier viel milder und hat nicht den typischen Kohlgeruch. So habe ich mich auf die ungarische Variante der Kohlroulade umorientiert. Diese wird aus Sauerkraut gemacht und schmeckt eben anders. Ebenso wie auch die gefüllten Paprika, die hier super lecker sind , aber eher süss gegessen werden. ...

..... wie auch immer, ich jedenfalls werde mich noch des Herbstes freuen und frühestens in der Adventszeit an Weihnachten denken. Eine Besonderheit aber will ich noch berichten:  hier gibt es Lebkuchen und Printen das ganze Jahr. Als mein Männe einmal mitten im Sommer mit Busserli  ankam, das sind die mit Zuckerguss überzogenen Lebkuchen, fragte ich ihn, wo er dann das alte Zeug her hätte und stellte erstaunt fest, dass das neue Ware war. "Andere Länder, andere Sitten" - wobei genau genommen, haben wir in Deutschland die "alte Ware" gekauft - rein wenn ich mir den Produktionsprozess und die Lieferdauer betrachte.

Könnt ihr Euch noch daran erinnern, als einer Firma ein Produktionsfehler passierte und als unterm Weihnachtsbaum die Kinder ihre Schokoweihnachtsmänner auspackten, Osterhasen zum Vorschein kamen? Die Hasen waren bestimmt im Winterschlaf und hatten sich in der Behausung geirrt ;-)

So, ich widme mich jetzt den Kürbissen und davon gibt es hier unzählige Sorten, nur leider nicht die riesen grossen, die ich aus Deutschland kenne. Eine Spezialität ist hier ein Kürbis, der aufgeschnitten und im Ofen gebacken wird bis das Fruchtfleisch ganz weich ist. Man kann dann  Zucker darüber streuen und das Fleisch auslöffeln. Kürbis findet in der ungarischen Küche vielerlei Verwendung und erst hier kam ich so richtig auf den Geschmack. Leider ist dieses Jahr unsere Kürbisernte auch der Trockenheit zum Opfer gefallen, ebenso wie die der Melonen. Das Gemüse braucht zum Wachsen viel Wasser.

Da fällt mir ein heute ist Halloween, auch so ein Brauch, den wir von den angloamerikanischen Ländern übernommern haben. Als ich ein Kind war, gab es das noch nicht ... Als ich hier herkam war noch etwas  Anderes neu oder besser gesagt für mich nicht so in diesem Mass bekannt : heute Nacht leuchten überall auf den Friedhöfen Kerzen und Lebenslichter, das gleicht einem Lichtermeer. Die Familien treffen zusammen, um gemeinsam ihren Verstorbenen zu gedenken und ihnen Blumen ans Grab zu bringen. Das Gedenken der Ahnen hat einen solch hohen Stellenwert, dass daraus ohne Weiteres aufgrund von Entfernungen auch eine Tagestour werden kann.

copright Julietta Günther

"Unsere kleine Farm" - 2015-10-29

Heute ist Marienkäfer Alarm !!! - Die warmen Tage haben uns wieder einmal eine Marienkäferinvasion beschert. Dies geschieht meistens im Mai oder wie jetzt im Oktober. Letztes Jahr sogar zwei Mal. Marienkäfer sind ja ganz schön, aber wenn sie zu Tausenden auftauchen, dann wird es lästig. Die komplette Aussenwand der Terrasse, die normalerweise weiss ist, wird dann schwarz. Ein Aufenthalt in diese Bereich ist dann nicht ratsam, denn die Tiere belagern einen sofort, krauchen einem in Ohr und Nase und wehe man reisst den Mund auf ... Bon appetit! .. Auch das Öffnen der Eingangstür heisst dann : Tür aufreissen, raus- oder reinstürmen, Tür schnell zu. .... Doch das hilft auch nur bedingt. In dem Bruchteil der Zeit, in dem die Tür offen steht, haben bereits Hunderte ins Haus gefunden und an der Wand und am Fenster neben dem Eingang findet ein grosses Krabbeln statt. Die chemische Keule auszupacken, nützt auch nicht. Bis das helfen würde, hätten wir uns vermutlich bereits selber vergiftet. Obendrein ginge das auch garnicht: zum einen wegen unserer Tiere und zum anderen ist das auch gleichermassen die Küche. Und da soll es nun beim besten Willen nicht heissen:

"Heute auf der Speisekarte - Spezialität des Hauses: 
paniertes Schnitzel mit besonderer Insektenvertilgungsmittel - Würze"
Aber der Volksmund sagt ja auch, Marienkäfer bringen Glück ... wir haben zwar davon noch nichts gemerkt, jedenalls nicht in diesem Ausmass ... aber, das eigentlich Glück dabei ist, dass die hübschen Käfer die Wärme und das Licht lieben. So bleiben sie dann auch in Fensternähe. Es dauert immer ein paar Tage, dann ist der Spuk vorbei. Doch dann heisst es Käferfegen und Gardinen abnehmen. Aberhunderte Marienkäferleichen liegen dann auf dem Fensterbrett und dem Eingangsbereich oder hängen in den Maschen der Gardinen. Letzteres ist richtig lästig, denn es ist eine Menge Arbeit, die da wieder rauszupulen. Wenn man vorher wüsste, dass einem diese Invasion bevor steht, würde ich die Gardinen vorher abnehmen.  Bei dem letzten Marienkäfertanz habe ich sage und schreibe einen halben Kindersandeimer toter Marienkäfer aufgekehrt.

copyright Julietta Günther