Freitag, 15. September 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-09-15

Heute kam wieder einmal der Tankwagen des örtlichen Wasserwerkes. Wieder einmal zeigte der Waserstand in unserer Zisterne Ebbe an, wie schon viel zu oft in diesem trockenen Jahr, Eigentlich ist es eine Verschwendung, Trinkwasser in die Zisterne zu füllen. Das Wasser hat dann keine Trinkwasserqualität mehr, sondern mutiert zum Brauchwasser und dient primär der Wasserversorgung für die Tiere. Unser tägliches Trinkwasser hingegen müssen wir vom örtlichen Brunnen herauf holen. Doch ohne Regen und halbfertigen Brunnen bleibt uns nichts anderes übrig.
Wie auch immer ... Der Tankwagen kam - Wasser marsch! Nach rund einer Viertelstunde war die Zisterne um sieben Kubikmeter Wasser voller. Inzwischen bin ich geübt darin, das letzte Wasser noch auch dem Schlauch laufen zu lassen. Dann fuhr der Tankwagen wieder. Die Hunde hatte ich sicherheitshalber eingesperrt. Schließlich wollte ich keines der Hundekinder aus der Zisterne fischen. Doch zum Fischen kam ich dann doch noch...

Just als ich den Deckel der Zisterne schließen wollte, bemerkte ich, daß auf der Wasseroberfläche eine Kröte schwamm und vergeblich versuchte aus dem Wasser zu kommen. Sie war vermutlich durch das Überlaufrohr in die Zisterne geraten und hatte sich in den seichten Ecken des Zisternebodens aufgehalten. Doch nun gab es Hochwasser und sie musste permanent schwimmen, Da ich meinerseits nicht gewillt war eine ertrunkene Frosch im Wasser zu haben und mir obendrein das Tier Leid tat, blieb mir nichts anderes übrig, als Kröten fischen. ...

Das wiederum erwies sich entgegen meiner ersten Gedanken als garnicht so einfach...

Ich dachte mir: nimm einen Eimer, laß ihn hinunter. Dann sollte etwas Wasser hineinlaufen, damit der Eimer etwas ins Wasser versinkt. Schließlich sollte die Kröte hineinschwimmen und ich könnte sie herausziehen. - So war der Plan! - doch "meistens kommt es anders als man denkt! - So auch in diesem Falle.

Den Eimer herunterlassen, das klappte. Doch anstatt, dass er sich etwas mit Wasser füllte und ins Wasser absank, tanzte er auf der Wasseroberfläche. Zehn Minuten herumexterimentiert, währenddessen die Kröte noch immer ihre Runden drehte. Dann holte ich einen anderen Eimer. Das funktionierte schon ein wenig besser, denn immerhin lief etwas Wasser hinein. Aber nicht genug... Immer wenn die Kröte aufsteigen wollte, schwamm der Eimer weg oder drehte sich.

Ich zog den Eimer wieder hinauf und befestigte nun eine zweite Schnur. Mit beiden Schnüren versuchte ich den Eimer, gleich einer Marionette zu navigieren. Mir scheint, daß ich kein Talent zum Puppenspieler habe. ... Inzwischen war der Kröte eine gewisse Erschöpfung anzumerken und kaum war sie eine Weile nicht mehr in dem Blickbereich der Luke zu sehen, fürchtete ich schon das Schlimmste. Nun denn, so richtig erfolgversprechend war meine Eimer-Marionetten-Vorstellung nicht. Um näher an der Wasseroberfläche zu sein, legte ich mich auf den Boden und streckte meine Arme weit hinunter in die Zisterne. Dabei schoss mir der Gedanke durch den Kopf "was passiert, wenn ich nun das Übergewicht verliere und in die Zisterne plupse, dann findet mich wochenlang keiner" ... Supervorstellung, doch Motivation ist etwas anderes!

Der Tankwagen war bereits eine Stunde vorher abgefahren. Ich hatte alle möglichen und unmöglichen Verrenkungen probiert. Verschiedene Techniken versucht. Schließlich gelang es mir eine völlig entkräftete dicke fette Kröte mit dem Eimer aus der Zisterne zu fischen und sie ins Gras rutschen zu lassen. ... Da blieb sie bewegungslos sitzen und ich glaubte schon, saß sie nun doch noch das Zeitliche gesegnet hätte. Ich gab ihr einen Schubs. Langsam, fast wie in Zeitlupe, begann sie sich zu bewegen und schlich vondannen.

Und mein Resümee? ... Ich sah aus wie ein Erdschwein. Meine frischgewaschene Jeans hatte Wasser-, Gras- und Schlammflecken. In meinen Haaren hin Gras und Moos von der Zisternenwand. Ein paar Fingernägel waren abgebrochen und mein Gesicht zierte Schlammspritzer.

Für heute hatte ich meine "Gute Tat" abgearbeitet!

Copyright Julietta Günther



Donnerstag, 14. September 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-09-10

Das Leben kann so verdammt ungerecht sein!

Vor ein paar Tagen war Luna noch stolze Hundemama, die wie ein Augapfel auf ihr kleines Hundebaby aufpasste und nun ? ...

Die letzten drei Tage hat sich Luna immer öfters von ihrer Kleinen entfernt und sie, für mich völlig unverständlich, alleine gelassen. Erst dachte ich, dass das zu ihrer Hundeschule gehörte, doch dann begann Luna sich auch immer mehr von der Gruppe zu entfernen und sich irgendwo zu verkriechen und ... sie fiel immer mehr in sich zusammen. Wir wussten nicht was mit ihr los ist, der Arzt konnte ihr nicht helfen. Hilflos musste ich mit anschauen, dass sie immer schwächer wurde und sich nur erhob, wenn ihre Kleine in Bedrängnis war. Dann kam der Zeitpunkt, wo sie sich immer mehr versteckte. Das Hundebaby suchte nach ihrer Mama und als sie sie fand, liess Luna sie gewähren, dass sie sich an sie kuschelte. Dabei sah sie ihr Baby an und dann mich. Was ich dann sah, erschütterte mich zutiefst. Luna hatte Tränen in den Augen und mit tränenden Augen betrachtete sie ihren heissgeliebten Nachwuchs. Ich hatte einen Kloss im Hals und auch ich konnte meine Tränen nicht zurück halten. Luna stand wackelig auf und verschwand. Mir war klar, dass sie nun auf dem Weg ins Regenbogenland war. Kurze Zeit später sah ich nach ihr und Luna hatte ihren letzten Atemzug getan. Und Gomboc, wie ich ihr kleines kugeliges Fellbündel getauft hatte, lag an der Stelle, an der ihre Mama zuletzt lag. Sie kehrte später auch immer wieder dahin zurück.

Luna


Luna bekam einen Platz unter dem Haselnussbaum, den sie in den letzten Tagen ihres so kurzen Leben wegen der reifen Haselnüsse so oft besucht hat.

Und Gomboc? ... Das Schicksal wird entscheiden, ob Luna in ihr weiterleben darf oder ob sie ihrer Mutter folgt. Doch es war herzzerreissend als sie am Abend jaulend nach ihrer Mutter suchte. Obwohl - ich hatte das Gefühl, dass sie eher Hunger hatte und wusste, dass ihrer Mama sie verlassen hatte. Kaum einen Monat alt und nun Waise. Die Nuckelflasceh nimmt sie nicht an, aber immerhin hatte sie in den letzten Tagen begonnen, ihr Mäulchen in den Fressnapf zu stecken. Falls ihre Sehnsucht nach ihrer Mama zu gross wird, dann habe ich noch die weiche Decke, auf der ihre Mutter die letzten Tage lag. Der vertraute Duft und die Kleine kuschelt sich in die Decke und schläft. Falls das alles nicht hilft, dann darf sie in meinem Arm schlafen. Wie bei einem Menschenkind braucht auch ein Hundebaby Körperkontakt. Alles was wir Menschen ihr nicht beibringen können, das wird sie von den Rudelmitgliedern lernen.

Dem kleinen quietschfidelen Hundekind wünsche ich ein langes glückliches Hundeleben.


Gomboc - das kleine Waisenkind


Copyright Julietta Günther

"Unsere kleine Farm" - 2017-08-28

Luna hat heute zum ersten Mal ihren Nachwuchs dem Rudel vorgestellt. Die Hundemama, die bis dato keinen mehr als fünf Meter an ihr einziges und erstes Hundebaby herangelassen hatte, lag entspannt in einiger Entfernung. Bislang hatte sie auf jede Kontaktaufnahme des Rudels mit einer Attacke reagiert. Nun beobachtete sie das Treiben und griff nur ein, wenn einer der Hunde zu rüde mit ihrem Mädchen umging. Es war spannend mit anzuschauen, wie die Annäherung erfolgte und wie die Kleine in der Gruppe aufgenommen wurde. Gleich hat sich unsere Csiszma, gleichermassen auch die Grosstante, zur Amme des kleinen Fellbündels erkoren. Es begeistert mich immer wieder, wenn ich miterleben kann, welche Aufgabenverteilung und welches Zusammenspiel in dem Rudel herrscht. Wieviel weiter sind da die Tiere gegenüber uns Menschen - vielleicht haben wir das auch nur im Laufe der Jahrzehnte verloren. In dem Rudel kümmern sich die Älteren um die Jungen, die Altersschwachen werden teilweise sogar von den anderen mit Futter versorgt und von ihnen beschützt. Die Tiergrossfamilien haben für mich eine besondere Faznination.





Copyright Julietta Günther

Sonntag, 20. August 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-08-20

Jippieh Jieppieh Jeeh! Es regnet!


Ein herrlicher verregneter Tag, an dem Schauer gehen und kommen. Nachdem es acht Monate kaum Niederschlag gab, die Bäume bereits angefangen hatten die Blätter abzuwerfen und die Tiere nur noch total schlapp herumhingen, regnet es endlich und die Natur atmet auf. Fast kann man das hören und sehen auf jeden Fall. Die Pflanzen und Baume heben ihre Blätter wieder. Blüten öffnen sich. Selbst die Erdbeeren beginnen wieder zu blühen - scheint eine zweite Ernte zu geben. Das Gras, das gestern noch verdorrt war, zeigt einen grünen Schimmer. Und die Tiere?

Die Hunde rannten wie befreit durch den Garten, ganz so als müßten sie die letzten Wochen nachholen. Sie tobten wie die Wilden umher und erst nach über einer Stunde legten sie sich erschöpft ins nasse Gras. Die Gänse schnattern und planschen in den Pfützen, die sich gebildet hatten. Selbst das Gekrähe der Hühner ist wieder zu hören, das in den letzten Wochen fast verstummt war. Die Schafe und die Ziegen rennen umher und manchen die wildesten Bocksprünge. Die Herde ist kaum im Zaum zu halten.

Selbst ich empfand den Regen wie einen Befreiungsschlag. Die Gehirnwindungen arbeiten wieder und fast ist mir, als wäre mein Blick klarer. Der Regen brachte mir neuen Elan. Selbst die Muskelkrämpfe, die mich und nicht nur mich, die letzten Wochen geplagt hatten ließen nach. Ich weiß garnicht, wie oft ich die letzten Wochen wegen Wadenkrämpfe nachts wach wurde, auch nicht, wieviel Magnesium ich zu mir genommen habe und wieviele Liter Mineralwässer. Eines aber weiss ich sicher, daß ich nicht weiß wie Menschen in der Wüste leben können, in denen jahrelang kein Tropfen Regen fällt. Nach den letzten Monaten ist dies eine Horrorvorstellung für mich!

Wenn der Regen ausbleibt, dann wird die Welt so still!


Copyright Julietta Günther

"Unsere kleine Farm" - 2017-08-16

Kennt ihr "Kornelkirsche" oder "Mehlbeere"?

Ich für meinen Teil kannte sie bislang nicht. Kornelkirsche ist hier unter den Namen "Som" bekannt. Sie sehen aus wie langgezogene Kirschen und haben einen Kern. Es gibt sie in unterschiedlichen Sorten, rote und gelbe Früchte, die einzeln oder in Gruppen am Strauch oder Baum hängen. Wenn sie noch nicht reif sind haben sie einen säuerlichen Geschmack und hinterlassen einen pelzigen Eindruck im Mund. Reif kann man sie durchaus roh essen, doch zu Marmelade verkocht sind sie super lecker. Sie sind eindeutig mein Favorit bei den Neuentdeckungen und im Herbst werde ich mit Sicherheit mir ein paar Pflanzen setzen. Die Marmelade ist hier richtig teuer. Ein Gurkenglas kosten umgerechnet rund sechzehn Euro. Stattlicher Preis.

Dann habe ich noch die Mehlbeere kennengelernt. Bei ihr hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Doch die Leute hier schwören darauf. Sie haben vollreif einen Geschmack der an Birnen erinnert, ist aber so pelzig im Abgang, dass mir glatt die Spucke wegblieb. Sie sehen aus wie Wildbirnen, die an einem Eschenbaum wachsen. Die Schlehen sind auch so stumpf und werden erst richtig lecker, wenn sie Frost bekamen. Daran habe ich mich erinnert und die Mehlbeeren kurzerhand in die Gefriere gepackt. Mal sehen, wie die Marmelade daraus wird. Ich werde berichten.

Langsam sind die Birnen abgeerntet und es hängen auch nicht mehr so viel Äpfel auf den Bäumen, Den Äpfeln hatten die Trockenheit so zugesetzt, dass die Bäume den reichlichen Fruchtansatz kurzerhand abgeworfen haben, Auch ok - ich habe sowieso noch einiges auf dem Einkochplan. Die kommenden Wochen werden es primär Tomaten sein, aber auch die Pfirsiche werden reif und ich liebe Plaumenmus. Dies ist also ein Muss! und ... und ...und. Wäre alles kein Problem, wenn ich genug Gläser hätte. Inzwischen habe ich schon im halben Ort die leeren Gurkengläser eingesammelt, in die tiefste Pince=Weinkeller bin ich  gestiegen und in die hinterste Ecke des Speichers gekrochen, um total verdreckte Einmachgläser aufzugabeln. Kreativ muss man sein und Organisations- oder Beschaffungskünstler. Letzteres habe ich hier gelernt. Ich glaube im Ort halten sie mich schon längst für durchgeknallt und meine Freundin meinte wir hätten die Einkochmania. - Was soll's!!! - Dafür haben wir auch im Winter Obst und Gemüse satt. Mittlerweile wird immer mehr getrocknet. Das spart einfach Platz und Gläser. Im Winter wird kein ernährungstechnischen Engpass geben, wenn wir wieder einmal ein paar Tage wegen Eisglätte nicht raus können oder gar eingeschneit sind. Draußen stürmt und schneit es und drinnen backt  der saftige Birnenkuchen, die selbstgemachte Rote Grütze steht im Kühlschrank, in der Hühnersuppe schwimmt das eigene Huhn im selbstgetrockeneten Suppengemüse und zum Abendessen kommt der eigene Schinken und Speck auf den Tisch .... wird Zeit, dass es Winter wird .... mir läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen ....

Da lohnt sich dann alle Mühe und Arbeit... und vorallem es ist keine Chemie dran oder drin, Wenn es Brombeeren sein sollen, sind es Brombeeren und nicht ein auf Brombeeren getrimmtes billiges Ersatzprodukt. Klar es ist nicht so komfortabel und wenn man Pech hat, dann muss man später einen Brombeerkern aus dem Zahnzwischenraum pulen - doch ehrlich gesagt ich pople lieber zwischen meinen Zähnen den Kern raus als ein getürktes Lebensmittel zu essen, das voller Chemie und anderen steckt. Wie sagt ein Sprichwort "Du bist was du isst." - Was bin ich nun??? -

Tja - das ist hier die Frage? ;-)


Copyright Julietta Guenther

Dienstag, 15. August 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-08-15

:-))

Langsam komme ich dahinter, daß selbst wenn man im Schlaraffenland lebt, man doch nicht alles Obst und Gemüse "retten" kann, was sonst rundherum ungenutzt verrotten würde ...

Für heute hatten ich mir ein "Chaos-Beseitigungprogramm" vorgenommen, doch meistens kommt es anders als geplant. Irgendwie war heute ein Tag an dem eine Menge Leute zum Schnacken aufgelegt waren. Waren super locker flockige und interessante Gespräche - doch sie brachten meiner
Behausung keinerlei Fortschritt. ... Stattdessen war wieder Tauschbörse!

Ihr ahnt es sicher! mmhhh....

Tausche Likör gegen einen Eimer Tomaten. Haste Zuchini, bekommste von mir Pfirsiche. Dazwischen einen Eimer voll rote Mirabellen - und meine Birnen warten noch auf dem Baum, stattdessen noch schnell die heruntergefallen Äpfel eingesammelt. Meine Küche sieht aus wie eine Annahmestelle für Obst und Gemüse, alles steht voller Obststeigen und Einkaufstaschen voll zusammen gesammelten Einmach-Gurkengläsern.

An sich macht es mir ja Spass, wenn da nicht noch zwischendrin die Tiere zu versorgen wären ... und die spinnen!!! Die Ziegen und Schafe sind heiss und so rennen die Böcke den läufigen Damen mit heraushängender Zunge hinterher. Spätestens nach fünf Minuten geht beiden, dem Bock und seiner Herzdame, die Luft aus. Immerhin haben wir noch immer pforztrockene 30 Grad im Schatten. So gestaltet sich das Füttern derzeit recht anstrengend. Immer muss ich auf der Hut sein, daß ich von dem liebestollen Gespann nicht umgerannt werde oder der Bock mich als Rivalen ansieht.

In dem Zusammenhang fällt mir noch eine lustige Geschichte ein: Meine Freundin hatte die Erlaubnis auf einer Weide Wildfrűchte zu pflücken. Der Besitzer hatte die Schafe, Ziegen und Rinder im Stall und so begann meine Freundin und ihre Helfer mit der Ernte. Sie hatten gerade die Früchte vom Baum geschüttelt und einer stand noch auf der Leiter als ein Ruf ertönte: "Vorsicht der Bock kommt!" - Der Eigentümer hatte die Tiere früher als geplant auf die Weide gelassen. Doch statt des Ziegenbockes ertönte ein dumpfes "Dong-Dong-Dong" und mit fliehende Flanken und hochgestelltem Nackenhaar rannte ein ausgewachsener Stier über die Weide. Rauf auf den Baum oder runter und die Beine in die Hände genommen, das war hier die Frage??? - Lieber in Windeseile herunter als womöglich den ganzen Tag auf dem Baum zu sitzen. Eine Sprung auf die andere Seite des Zaunes und erst einmal tief Luft geholt. Währenddessen jenseits der Absperrung der Stier und der inzwischen herangekommene Rest der Herde sich genüsslich an den am Boden liegenden Früchte labten. Und - was blieb meiner Freundin? Kaum ein Kilo Früchte für die sie morgens um 4.30 Uhr aufgestanden waren und ich lachte Tränen.


Copyright Julietta Günther







Samstag, 5. August 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-08-04

Langsam träume ich schon vom Einkochen!

Vor Kurzem sah ich eine Sendung der Landfrauen. Dort alles super in Ordnung, das Haus astrein in Ordnung, die Frauen adrett und super gepflegt, alles hervorragend in Schuss und ich hier ... ?!? - angesichts dieser Bauersfrauen packt mich der Frust - insbesondere wenn ich um mich schaue.... :-(((

In der Küche stapeln sich die Einmachgläser gefüllt zum Abkühlen oder in Reihe zum Auswaschen. Eimer und Kisten voll Obst und Gemüse stehen in Reih und Glied und warten auf ihre Verarbeitung oder belagern den Kühlschrank. Längst schon beherrscht das Chaos den Haushalt. Fenster müssten geputzt werden, Wäsche gewaschen und gebügelt, Zäune repariert werden, Papierkram stapelt sich zu schiefen, absturzgefährdeten Türmen. Meine Nägel sind inzwischen fast alle abgebrochen und haben vom Fruchtsaft eine bräunlich gelbe Färbung angenommen. Auch sonst sehen sie aus als hätte ich damit Grabräuber gespielt. Mein Arbeitstag beginnt seit Wochen morgens zwischen fünf und sechs und endet meist nicht vor Mitternacht.. .... Also weitgefehlt von diesen hochglanz perfekten Bauersfrauen, die es mit links auch noch schaffen ein mehrgängiges Menü auf den Tisch zu zaubern.

Doch ich lass mich von meinem Frust nicht unterkriegen, dafür habe ich eh keine Zeit ...

(Das einzige was mich wirklich frustet, dass ich derzeit keine Zeit finde, die Bilder für die Blogbeiträge zu bearbeiten. Sie kommen noch, versprochen, doch wann ... das steht in den Sternen ... spätestens wenn die Erntesaison vorbei ist ...)

Die letzten Wochen brachten alle meine Planungen durcheinander. Ganz besonders schuld daran ist die Witterung. Seit Wochen haben wir eine Hitzewelle mit 35 und mehr Grad. Das ganze Jahr war zudem extrem trocken, sodass wir bereits im Februar unsere Zisterne füllen mussten und die letzten zwei Monate ist der Tankwagen des Wasserwerkes alle Nase lang bei uns im Einsatz. Die Bäume, ganz besonders Äpfel) haben aufgrund der Dürre das meiste Obst abgeworfen. Was der ausgebliebene Regen nicht geschafft hat haben dann drei Unwetter hintereinander vollbracht. Sie brachten Sturm und Starkregen, wenngleich diesen für nur wenige Minuten und viel zu wenig). Das erste Unwetter setzte meiner Freundin die Wohnung und bei uns das Schlafzimmer unter Wasser. Das zweite kam so plötzlich, daß ich kaum Zeit hatte unsere Tiere und Welpen in Sicherheit zu bringen. Erst kam ein heftiger Wind auf, der aus der trockene Erde in einen Sandsturm werden ließ, dann öffneten sich die Himmelsschleusen und ich war nach zehn Metern bereits bis auf die Haut durchnässt und in meinen Schuhen stand das Wasser. Ich habe schon viele Unwetter erlebt, aber so etwas kannte ich bislang nicht. Ich schaffte es samt Hund gerate noch auf die Terrasse als es rundherum zu knallen begann und mit einer enormen Wucht ging eine Wand von Pingpongball grossen UFO-förmige Hagelkörner hernieder. Der Spuk dauerte fast zwanzig Minuten und danach ... langen unter den Bäumen das Obst wie Teppiche: orange für Aprikosen, grün für Birnen und grün-rot für die Äpfel. ... dazwischen langen Schichten voll Hagelkörner - Es dauerte eine Weile bis ich mich gesammelt hatte und ich meinen ersten Rundgang für die Schadensbesichtigung nahm. Danach war ich fertig mit der Welt, trank einen Schnaps (eine Seltenheit bei mir) und beschloss die Tür zuzumachen und erst am Morgen mich an die Schadensbeseitigung zu machen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, daß ich damit eine Woche beschäftigt sein würde. - So schnell kann es in der Land- und Viehwirtschaft ergehen: eine Viertelstunde genügt und es kann einen Landwirt an den Rand seiner Existenz bringen. Wir sind zum Glück eher Hobbylandwirte, doch auch uns trifft der Schaden hart:

Vieles des Obstes ist nicht mehr zu retten und nicht einmal mehr zum Schnapsbrennen zu gebrauchen - alles eine matschige Pampe am Boden. Der Schaden, derbei den auf dem Baum verbliebenen Früchte ist immens. Teilweise hängen nur noch halbe unreife Birnen am Baum oder haben zwei bis drei Zentimeter große Löcher. Für den Verkauf nicht mehr geeignet. Dies bedeutet für mich, je mehr ich davon verarbeiten kann desto mehr kann ich den letztendlichen Schaden eingrenzen. Bei dem Gemüse sieht es nicht besser aus: Die Bohnen-, Tomaten- und Paprikapflanzen hat der Hagel platt gemacht. Bohnen konnte ich noch nachsähen und einige der Paprikapflanzen haben sich erholt, Tomaten sind hin. Ich hatte Kürbis, Gurken, Zucchini und Kürbis recht spät noch einmal nachgesät und kam dadurch glimpflich weg. Meine Freundin hat es dafür kalt erwischt - im wahrsten Sinne des Wortes. Was der Hagel nicht geschafft hatte, das gelangt den eiskalten Hagelkörnern. Ihr sind bei dreißig Grad unzählige Pflanzen erfroren. Richtig übel hat das Unwetter ihren Gurken und Melonen zugesetzt. Durch den Hagelschlag begannen die Früchte von innen zu verrotten. Vor zwei Wochen mussten sie zwei Schubkarren unreife Honigmelonen abnehmen, teilweise konnten sie eingekocht werden, aber viele landeten in den Mägen unserer Schweine oder unsere Hunde stürzten sich auf die noch unreifen Melonen.

Nur wenige Tage später ging erneut ein fünfminütiger Starkregen nieder.

Inzwischen hängt das Folien-Dach unseres Schafstalles in Fetzen. das neue Winterheu ist nun endgültig nicht mehr zu retten, einige Ziegel sind zerdeppert und ich suche händeringend nach Einmachgläsern und Platz wo ich das Einmachgut danach lagern kann.


Bei mir hat sich inzwischen ein Erschöpfungszustand breitgemacht  und die derzeitige Hitzewelle mit Temperaturen um die vierzig Grad machen ihr Übriges. Die Tiere suchen nach kühlen Flecken und ich komme kaum nach die Tränken zu füllen. Die Hunde schlafen mittlerweile in der hintersten Ecke des Weinkellers. Die Schafe und Ziegen sind kaum aus dem Stall zu bekommen. Die Schweine haben sind einen Meter tief in den Boden eingegraben und von ihnen erkennt man oft nur noch die beiden Nasenlöcher. Sobald auch nur ein Tropfen Wasser auf den Boden tropft, erscheint eine Armada von Fliegen, die sich darum scharren. Leider sind sie so durstig, daß sie auch vor den Schweißtropfen nicht Halt machen und sind so zu einer Plage geworden. Der Schweiß läuft einem Achtern oder in die Augen und das geflügelte Wort von "noch nicht trocken hinter den Ohren" erlangt eine neue Dimension. Allerdings steht es bei mir eher in als hinter den Ohrwatscheln. Gestern musste ich eine unserer Katzen aus der Regentonne retten: sie hatte versucht an den tiefgelegenen Wasserspiegel zu gelangen und war in die Tonne geplumpst. Ich hatte ein paar Wäschestücke eingeweicht, doch irgendein Tier hat mir das komplette Waschwasser ausgesoffen - hätte eigentlich auch gleich meine Wäsche waschen können ... ;-) A propo saufen ... das Wasser, was ich die letzten Tage getrunken habe müsste ausreichen, um mich zu einem Dauergast am Pinkelbecken zu machen - doch weit gefehlt! - Einen besonderen Effekt hat das Wasser, das von innen nach außen drückt: die Haut ist glatt wie ein Babypopo und ich bekomme Komplimente wie gut erholt ich aussehe ?!? - Fragt sich bloß, wie ich mich bei all der Arbeit erholen hätte können. - Meine Freundin meinte unlängst lakonisch " Jetzt muss man das Obst und Gemüse verarbeiten, wenn es es gibt und wenn man im Winter sich daran laben will. - Für Erholung ist im Winter Zeit genug" - Wo sie Recht hat, hat sie Recht ... doch gegen ein kühles Bad in einem unserer vielen Thermalbädern hätte ich auch nichts dagegen. ... Aber man kann eben nicht Alles haben... Volle Vorratskammer oder nasse Bikinihose ... Uff - es warten die Birnen ...

Die Tiere sind hingegen in eine Art Wärme-Schock-Starre verfallen und wedeln höchstens einmal mit einem Ohr, wenn sie eine Fliege nervt.

Copyright Julietta Guenther