Samstag, 25. November 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-11-25

Heute ist bei unseren Tieren "Red Nose Day"!

Meine Freundin hat heute ihren Garten gesäubert, die letzte Ernte eingebracht und ich bekam die Reste für die Viecher: Kohlrabiblätter, Karottengrün, Paprikapflanzen usw.. Unter dem"usw" waren auch jede Menge kleiner Rote Beete Knollen und einen ganzen Sack voll Blätter. Ein Festschmaus für alle Tiere. - Nun haben alle rosarote Schnauzen. Weißer Hase mit Rosa Nase, Ziegen mit roten Schlappermäulern, Schafschnauzen rosa eingefärbt.- Bei den Hunden hätte die Futterergänzung beinahe den Tierarzt auf den Plan gerufen. Den Hunden koche ich immer die Schalen von Kartoffeln, Kohlblätter, Kartoffeln oder sonstige Gemüsereste, so eben auch die kleinen rote Beete Knollen und die Blätter. Diese Gemüsereste mische ich unter das Trockenfutter. Die Hunde lieben das. Wenn dann auch noch gekochte Hühnerköpfe, -Füße, -flüchtel dabei sind, sind die Futternäpfe ratzfatz leer. Nun wenn das Futter an der einen Stelle aufgenommen wird, kommt es an einer anderen Stelle wieder raus. Natürlicher Vorgang! Rote Beete im Futter und ich bekam einige Stunden später einen Schreck: "Hunde haben Blut im Stuhl!"  --- irgendwann nachdem sich der erste Schrecken gelegt hat, kam mir in den Sinn, was sie gefressen hatten --- - Irren ist menschlich! ;-)

... und hier noch ein paar Gartenimpressionen ...

Erdbeerblüte im November

Die letzten Rote Beete Rüben sowie der Wintersalat, gleichermassen der erste Kopfsalat im kommenden Jahr
Ein Farbtupfer im trüben Winterwetter



Copyright Julietta Günther

Freitag, 10. November 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-11-10

Die Vögel ziehen gen Süden!

Vor kurzen zogen riesige Schwärme Stare über uns hinweg, Schwärme, wie große schwarzeWolken, die in Wellen über den Himmel zogen und scheinbar ständig ihre Richtung änderten.

Nun krächzen Vogelformationen am Himmel, oft kilometerweit zu hören und manchmal nur als  winzige Punkte in weiter Ferne zu erkennen. Woher sie wohl kommen und wohin sie fliegen. Wildgänsen und Kraniche auf dem Weg in den Süden, fast möchte ich ihnen zurufen "Nimmt mich mit. Wartet auf mich und laßt mich auf Euren Flügeln mitfliegen." - In mir steigt Fernweh auf, Erinnerungen an meine Reisen auf den afrikanischen Kontinent kommen mir in den Sinn. - Ich stehe am Boden und mit wehem Herzen sehe ich ihnen nach bis sie in den Ferne verschwinden.

Fasziniert beobachte ich die Formationen. Die Vögel formierten sich wie eine Pfeilspitze. Ein Vogel flog an der Spitze, eine abgetrennte Gruppe bildete die Nachhut und interessanter Weise flogen in jedem Schwarm vier Tiere separat. Wer weiß, vielleicht sind sie die Flug-Kommandozentrale?

Als ich hier her kam, war ich anfangs etwas verwirrt: Vögel, die in Deutschland das ganze Jahr sind, überwintern hier.  Kürzlich kamen die Meisen. Nach all den Jahren, die ich hier lebe, sind inzwischen die kleinen Sänger für mich Boten aus der alten Heimat.

Immer mehr Meisen und Spatzen kommen an - doch längst sind es nicht mehr so viele wie vor ein paar Jahren. Traurig! Viele dieser kleinen Sänger sind von der Welt verschwunden, an manchen Tagen ist die Stille schmerzhaft spürbar und ich vermisse, das oft ohrenbetäubende Morgenkonzert von früher. Dieses Jahr tauchten seit Jahren wieder ein paar wenige Schwalben auf, doch auch diesen Sommer blieben die meisten Storchennester leer. Als ich Mitte der achtziger Jahren das erste Mal nach Ungarn kam, begeisterten mich die Dörfer in denen auf nahezu jeder Strassenlaterne ein bewohntes Storchennest war. Lange her, längst schon Geschichte und es wird vermutlich nie wieder so werden. Damals gab es auch noch Graureiher - ja damals ...

... und heute? Immer weniger Vögel und von den Bienen will ich lieber garnicht reden. Drei Jahre hintereinander blieben die meisten Blüten der Obstbäume unbefruchtet. Es fehlten die kleinen fleißigen Insekten.

Aber zurück zu den Wildgänsen und Kranichen. Ich las, daß die Vögel sich an der Sonne, den Sternen und dem Magnetfeld orientieren. Was ich aber am meisten erstaunt hat, daß sie meistens nachts fliegen. Eigentlich müssten die Tiere nach meinem Verständnis sich ständig verfliegen, bei so vielen Fremdlichtern der Städten und Autos. - Bei mir ist es gerade anders herum: ohne die Fremdlichter wäre ich nachts vermutlich gänzlich aufgeschmissen.

Manchmal frage ich mich sowieso, wer ist eigentlich der Schlauere? Die Tiere oder wir Menschen? Wenn ich meine Tierschar so anschaue, dann bin ich mir manchmal garnicht so sicher. Die Tiere wissen genau, was sie fressen können und was nicht. Wir Menschen haben da deutlich ein Defizit. Unsere "dummen" Hühner wissen ganz genau, daß in meiner Jackentasche eine Tüte mit Hundefutter steckt. Sobald ich nur die Hand hineinsteckte, steht Hahn und Huhn neben den Hütehunden und passen auf, daß sie etwas ergattern können.  Die "dumme" Gans kennt den Ausgang zur Außenweide und wartet darauf, daß ich einen Augenblick nicht auf sie achte und sie nach draußen entwischen kann. Das hat schon Methode! Witzig finde ich es,  wenn ich sie auf ihrem Weg ertappe. Dann nämlich macht sie einen auf harmlos und wechselt ganz unbeteiligt die Richtung - bis - ja bis ich ihr wieder den Rücken zudrehe ... Raffiniertes Vieh!

Die Schweine kletterten an der Stallwand wie auf einer Leiter empor, um dann über das Dach des Schweinestalls zu laufen und auf der anderen Seite außerhalb des Geheges wieder runterzuklettern, dann schwabbelten sie unter dem Aussenzaun durch, ab ins Maisfeld und ich bekam Ärger mit dem Nachbarn. Sämtliche Versuche sie davon abzuhalten scheiterten. Jede Möglichkeit, die wir ihnen nahmen, quittierten sie mit einer neuen Ausbruchsvariante. Nach ein paar dieser unerwünschten Ausflüge, hatte ich es spitzbekommen, daß die Tiere sich vor ihrem Ausflug "unterhielten" und ich konnte rechtzeitig eingreifen. Allerdings bei einem der letzten Sauausflüge, stand Sau auf dem Dach, während ich durch das ebensolche brach und auf dem Wildschweineber landete! Resultat: Einhundertdreißig Kilo Sau verschwand lockerflockig und recht elegant durch ein 30x30 Zentimeter großes Loch in den darunterliegenden Stall, während ich mir mehrere Rippen brach, eine Niere quetschte, die Schulter auskugelte und obendrein noch zappelnd auf dem Eber stehend versuchte mich wieder durch das Dach nach oben zu stemmen. Keine Frage, wer da die bessere Figur machte ...

Copyright Julietta Günther

Mittwoch, 1. November 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-11-01

Heute ist Allerheiligen.

Als ich vor vielen Jahren das erste Mal in dieser Zeit hier war und in der Dunkelheit durch die Dörfer fuhr, wunderte ich mich. Überall gab es Gebiete, die hellerleuchtet waren und noch in weiter Ferne zu sehen waren. Ich wusste in der Nacht nicht so richtig etwas damit anzufangen und schob es auf einen Halloween-Brauch. Doch am nächsten Tag bemerkte ich meinen Irrtum. Die hellerleuchteten Gebiete waren die Friedhöfe. Die Ahnenverehrung in dem Ausmaß wie hier war mir fremd. In der Zeit vor dem ersten November ziehen die Familienangehörigen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen und legen dort Blumen nieder. Die vielen Lebenslichter erhellen dann die Nacht. Es herrscht ein regelrechter Pilgerzug zu den Friedhöfen und nicht selten fahren die Menschen mehrere hundert Kilometer, um auf den Gräbern ihrer Ahnen Blumen niederzulegen, ein Lebenslicht anzuzünden und ihrer zu gedenken. Ich weiss nicht, ob es in Deutschland auch so stark ausgeprägt ist. Doch ich weiss, dass in meiner Familie keiner mit der gesamten Familie fünfhundert Kilometer weit fahren würde, um ein Grab zu besuchen. Ich habe dazu meine eigene Philosophie: lieber huldige ich jeden Tag meiner verstorbenen Lieben in meinen Gedanken und Tun, als an einer für mich doch anonymen Stelle Blumen nieder zu legen. Für mich etwas surreal. Aber der Tod hat sowieso etwas Surreales. Wie auch immer. Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden und jedem sei sein Glaube, der im Halt und Sicherheit gibt.

Doch so sehr die Ungarn ihren Ahnen huldigen, so pragmatisch sind sie auf der anderen Seite. Ehrlich gesagt, an diesen Pragmatismus musste ich mich hier erst gewöhnen ...

... denn Feiertag, heisst freier Tag ... doch anders als in Deutschland, wo an einem Feiertag teils gespenstische Ruhe sich über die Orte legt, herrscht hier lebhaftes Treiben: dort eine Motorsäge, hier das Geräusch einer Bohrmaschine, an einem anderen Ort ist man fleißig dabei ein Haus abzureißen. Als ich in den ersten Jahren mal sagte, dass ich mich darüber wundere, daß am Feiertag die Motorsense oder der Rasenmäher läuft, bekam ich eine erstaunte Antwort: "Wann soll ich denn das sonst machen, wenn nicht an meinem freien Tag". - Recht hatte er! Längst habe ich mich daran gewöhnt, daß am Sonntag und Feiertag von irgendwoher Motorgeräusche erklingen und die Menschen in ihren Gärten werkeln. Auch muss ich gestehen, daß ich dies reichlich entspannt finde und mich inzwischen darüber wundere, wieso in Deutschland die Menschen sich selber so viele eigene Grenzen auferlegen.


Copyright Julietta Günther

Montag, 30. Oktober 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-10-30


Herbstimpressionen








 


Pedro im Laubbett



 


Felix - eine unserer Hündinnen
Copyright Julietta Günther

Sonntag, 29. Oktober 2017

"Unsere kleine Farm" - 2017-10-28

Zu meinem Leidwesen geht  die Pilzsaison so langsam zu Ende!

Durch die Trockenheit in diesem Jahr fiel das Pilzwachstum sowieso recht mager aus, Steinpilze gab es leider garkeine - zumindest nicht in unserer Region. Nichtsdestotrotz ließ ich es mir nicht nehmen, nach den Pilzen zu suchen. Sobald es meine Zeit zuließ, stahl ich mir meistens vormittags eine Stunde und machte die Gegend rund ums Haus mit ihren Wiesen unsicher.

Für mich ist diese Zeit eine Art Meditation. Mit den Augen scanne ich den Boden ab, während ich im Inneren meinen Gedanken freien Lauf lasse. Gedanken kommen und gehen, Ideen formen sich und es kehrt eine wohltuende Ruhe ein. Danach bin ich wieder geerdet, meine Akkus sind neu aufgeladen und so manch eine Problemlösung entsprang meinen Gehirnwindungen. Es ist eine sehr wertvolle und äußerst erfolgreiche Zeit, die ich nicht missen möchte. Zeitfenster von besonderer Qualität: die Tasse Frühstückskaffee mit dem Blick ins die Ferne, das Sammeln von Pilzen, das Glas Wein auf der Terrasse mit fernen Lichterketten. Selbst das Fensterputzen und das Bügeln sind Minuten mit Tiefgang, eine Entschleunigung der Zeit und Tiefenentspannung pur.

Wenn ich beim Pilzesammeln über die Wiesen und Felder gehe, gleitet mein Blick über die Gräser und Pflanzen. Ich freue mich an der unsagbaren Blüten- und Pflanzenvielfalt. Fasziniert beobachtete  was dort alles wuselt und fliegt. Manchmal entdecke ich einen neuen Schatz für meinen Wildpflanzengarten, in dem sich bereits eine ganze Menge wunderschöner "Unkräuter" versammelt haben.

Ich stamme offensichtlich von der Spezies des Sammlers ab! Selbst beim Pilzesammeln ... unlängst fragte mich eine Frau aus dem Dorf, ob es sein könnte, daß wir uns vor einigen Jahren im Wald begegnet seien. Sie und ihr Mann hätten sich darüber gewundert, daß ich alle möglichen Pilze eingesammelt hätte. Da musste ich breit schmunzeln ... damals kannte ich die hier wachsenden Pilze nicht. In Deutschland werden hauptsächlich andere gesammelt, auch solche, die hier keiner einsacken würde. Ich war also in Wald und Flur unterwegs und sammelte alles ein, was mir als interessanter Pilz erschien. Dann setzte ich mich mit meinen Fundstücken an der Computer und durchstöberte meine beliebteste Pilzsuchseite. Anschließend machte ich mich auf den Weg ins Dorf und kontaktierte die passionierten Pilzsammler. Nach und nach lernte ich so einige der hiesigen Pilze kennen und bestimmen. Auch heute habe ich oft ein oder zwei mir unbekannte Pilze im Korb, die ich zu Hause versuche zu bestimmen.

Das diesjährige Sammelergebnis bestand primär aus Parasolpilzen, Wiesenchampignons, Anischampignons, Riesenchampignons, Riesenboviste und meinen Lieblingspilzen, einem kleinen sehr würzigen Wiesenpilz. Leider kenne ich den deutschen Namen nicht. Inzwischen liegen viele Tüten Pilze in der Gefriere und mehr als zehn Gläser getrocknete Pilze stehen im Regal.

Heute hat es geregnet und es ist noch einigermaßen mild, d.h. vielleicht habe ich morgen und übermorgen Glück und es gibt wieder einige der kleinen Wiesenpilze, mit denen sich superleckere Pilzsuppe oder Pilzgulasch machen läßt. Die getrockneten Pilzchen hüte ich den Winter über wie ein Schatz und verwende sie sehr sorgsam. Dieses Jahr habe ich circa zwanzig Kilo davon eingesammelt und ich kann sie großzügiger in den Speisen einsetzten. Darauf freue ich mich jetzt schon...

Manchmal sind es die kleinen Freuden, die das Leben so reich werden lassen.

Copyright Julietta Günther

"Unsere kleine Farm" - 2017-10-10

Nun ist aus den kleinen Fellbündel und Waisenkind ein sechs Wochen altes kleines Hundemädchen geworden. Reichlich selbstbewusst behauptet sie sich gegen ihre größeren Onkel, Tanten, Nichten und Neffen. Ein Kleiner Zwerg mit großer Klappe, die es sich nicht nehmen läßt, selbst unseren achtzig Kilo schweren "Hundebär" (Kaukasischer Owtscharka) anzubellen. Der Riese in Hundegestalt zieht dann seinen Schwanz ein, macht einen großen Satz über das Hundebaby und sieht zu, daß er schnell das Weite sucht. Das kleine quiekende und bellende Hundchen ist ihm absolut nicht geheuer.

Gestern machte ich mir so meine Gedanken über den Welpen und seine Erziehung. Nachdem ich notgedrungener Maßen zur Ersatzhundemutter wurde, hat die Kleine eine besondere Bindung zu mir. In der Nacht sucht sie noch immer meine Nähe und schläft dabei meistens an meiner Seite (ich hoffe nur, daß sich das bald legt, denn mit einen dreißig Kilo ausgewachsenen Hund will ich nun wirklich nicht das Bett teilen.),

Nun aber zur Erziehung: zwar habe ich Kinder großgezogen, doch von Kind zu Hund ist doch gewaltiger Unterschied. Erziehungstechnisch, kenne ich zwar die Menschenregeln, nicht aber die Hunderegeln nach denen sich deren soziale Leben gestaltet. Immerhin habe ich bereits gelernt, wie man knurrt, wenn Gomboc meine Grenzen übersteigt. Das funktioniert inzwischen recht gut. Ansonsten beobachte ich die Tiere im Rudel und wie sie dem Hundchen Grenzen aufteigen. Wie die Hunde untereinander agieren ist recht spannend. Sie haben ein klare Hierarchie, die ich auch bei der Fütterung beachten muß, wenn ich Stress in der Gruppe vermeiden will. Die Kleine ist sehr selbstbewusst und sehr eigenständig. Wenn sie etwas haben will, dann fordert sie es lautstark ein. Sobald ihr einer auf die Pfoten tritt, quiekt sie herzerreißend.  Eines hat sie jedoch noch nicht begriffen: daß Katze nicht Hund ist! Unsere Katze und Kater finden es absolut nicht toll, wenn sie nach Hundemanier unterworfen werden. Sie legen zwar erstaunliche Geduld an den Tag, doch irgendwann ist es auch ihnen zu bunt und quittieren die Hunderüpeleien mit einem Tatzenhieb.

Diese Handvoll Hund, die ich vor garnicht so langer Zeit unter meine Fittiche nahm, ist inzwischen gewaltig gewachsen und hat mittlerweile eine Größe eines Yorkshire Terriers. Immer noch ein Winzling, der Erstaunliches schafft. Sie kann seit zwei Tagen die Wendeltreppe hochsteigen. Da konnte unser Buddy nach einem dreiviertel Jahr noch nicht. Im Grunde wundere ich mich nicht wirklich darüber. Gomboc hat einen solchen Durchsetzungswillen, daß sie sich mit drei Wochen bereits von der Terrasse abgeseilt hat: Dazu drückte sie sich durch die Latten und hangelte sich an der Kletterrose hinunter. Nur einmal ging der Plan schief und sie landete in der Rose, dabei machte sie einen solchen Rabatz, daß alle Hunde im Rudel begannen zu kläffen und der Zirkus war noch fünfhundert Meter weit unten im Dorf zu hören. Na klar, wer landet schon gerne in Rosendornen. Doch weit gefehlt, diese stachlige Landung hielt Gomboc nicht davon ab, auch weiter diesen Weg von der Terrasse zu nehmen . solange ... solange sie klein genug war durch die Latten zu passen. Jetzt windet sie sich stattdessen unter dem Tor durch. - Kleiner Dickschädel, Nicht umsonst ist sie im Sternbild des Löwen geboren. Das paßt zu ihr!

(Seit mein alter Computer den Geist aufgegeben hat, fehlt mir mein Fotobearbeitungsprogramm. Dies ist der Grund weshalb in meinen Beiträgen der letzten Monate die Fotos fehlen. Ich hoffe, dass ich diesen Misstand bald beheben kann.)

Copyright Julietta Günther

Sonntag, 8. Oktober 2017

Unerwartete Begegnungen

Vor einigen Jahren zogen wir in unser jetziges Domizil. Unglücklicherweise mussten wir in ein Haus einziehen, das sich noch im Rohzustand befand - sprich wir lebten wochenlang im Chaos, während wir rundherum noch am Renovieren waren. Manchmal kommt es eben anders als geplant!  

Unsere erste Aktion, an einem langem Pfingstwochenende, war den Garten erst einmal halbwegs begehbar zu machen. Es herrschte ein solch ein Dschungel aus meterhohem Gras, verwilderten Gebüsch und alle möglichen Stolperfallen, der es uns unmöglich machte überhaupt die Grundstücksgrenze zu erkennen, geschweige denn da hin zu gelangen. Mit drei Motersensen, zwei Motersägen und sechs Mann bzw. Frau ging es der Wildnis an den "Kragen". Nach drei Tagen zierten das Gelände sechs riesigen Heuhaufen. Wir konnten zum Zaun am Ende des Grundstückes, fanden Unmengen von Unrat und der Weg zum Plumpsklo im Garten war frei von Dornen - letzteres allerdings war mir ein Dorn im Auge! In Deutschland aufgewachsen konnte ich mich einfach nicht damit anfreunden, im Dunkel der Nacht auf das Sch...häuschen im Garten zu gehen. - Als ich das sah, wusste ich sofort, daß dies meine erste Renovierungsaktion werden würde.  Am Tag nach Pfingsten stand ich im Baumarkt und kaufte eine Toilettenschüssel. Glücklicherweise, war im Haus dafür bereits ein Anschluss vorgesehen. Wir hatten zwar keinen Wasseranschluß, dafür aber einen Abfluss, eine Sickergrube und eine Zisterne. Sinnigerweise war der Zugang zur Haustoilette nicht im Haus, sondern war nur über den Garten erreichbar. Den Sinn und Zweck erschloss sich mir nicht. Die darauffolgenden Tage wurde vom Haus ein Durchgang gebrochen, die Außentür zugemauert  und die maroden Fenster entfernt. Tagelang klafften dort Lücken. Die Toilette war jedoch einsatzbereit!

Einen Tag unserer Gartenaufräumaktion werde ich wohl nie vergessen! Es begann recht unspektakulär mit dem Zusammentragen und Sortieren des Unrates, der im Garten verteilt lag: alte Autoreifen, ein Autodach in einer anderen Ecke, alte Zementfliesen, Ziegel, Draht und sonstiges Metall usw.. Da stieß ich auf eine schwarze Folie, ein stattliches Stück von einigen Quadratmetern. Ich zog daran und hob sie an. Gleichdarauf stockte mir der Atem beim Anblick was ich sah und beim nächsten Atemzug, den ich zustande bekam, ließ ich einen gellenden Schrei los. Unter der Folie lagen fünf oder sechs ca. sechs Zentimeter dicke und gute zwei Meter lange, als auch mindestens dreißig einen halben Meter eineinhalb Zentimeter schlanke ... Schlangen. Ich stand wie erstarrt, aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie einige der Leute angerannt kamen. Doch die Schlangen waren vermutlich genauso erschrocken wie ich, denn kaum war die Folie gelüftet, verschwanden sie wie der Blitz in irgendwelchem Erdlöcher. Ich erntete von den hinzugeeilten Helfern nur verständnislose Blicke angesichts des blanken Bodens vor mir und einige Lacher. ... Den Bereich des Garten betreten ich heute noch immer mit Vorsicht und vorallem sehr geräuschvoll. ;-)

Kurze Zeit später kam der Tumult aus einem anderen Bereichs des Grundstückes. Erst ein Fluchen, dann sah man jemanden flitzen, der wie wild die Arme um sich schlug. Ein Freund von uns hatte sich daran gemacht, einen heruntergekommen Schuppen abzureißen. Dieser hatte offensichtlich auch als Wohnstätte gedient und war mit Bett, Schrank und diversen Kochgeschirr ausgestattet und verfügte über eine stattliche Sammlung von leeren Schnapsflaschen. Was wir aber nicht bemerkten war das Nest, ein recht großes dazu. Als unser Freund sich daran machte, die Bretter der Verschalung zu lösen, weckte er die schlafende Bestie und ein Schwarm Hornissen rüstete sich zur Attacke. Trotz Spurt trafen einige der Hornissen auf seinen Kopf und hinterließen dort schmerzhafte rote Beulen. Zum Glück reagierte unser Freund nicht allergisch auf die Hornissenbisse. Dafür stankt er später kräftig nach Zwiebeln, denn ich legte ihm rohe Zwiebeln auf die Bisse. Auch ich bekam später einige Hornissenbisse ab. Es dauerte fast vier Jahre bis die Hornissen sich andere Wohnorte als unser Haus und unseren Garten suchten.

Am Abend, es war inzwischen dunkel, die Helfer waren weg und bei uns kehrte Ruhe ein. Kurz bevor wir ins Bett gingen, wollte ich noch einmal auf die Toilette, die allerdings weder Strom noch Licht hatte. Im diffusen Licht, das durch die offene Küchentür drang, sah ich, daß irgendetwas im Wasser des Toilettenbecken schwamm. Ich vermutete, daß irgendwer sein großes Geschäft nicht hinuntergespült hatte. Zu der Zeit war die Toilettenspülung nur mittels eines Eimer Wasser möglich. Nun befand ich mich in der Zwickmühle, entweder schnell rausgehen und den Eimer mit Wasser füllen damit ich die Hinterlassenschaft hinterspülen kann oder aber meinen dringenden Bedürfnis erst nachzugehen. Ich entschloss mich für letzteres. Just als ich mich auf die Schüssel setzen wollte, begann die Hinterlassenschaft sich zu bewegen. Beim genaueres Hinsehen bemerkte ich, daß das nicht ein Sch...häufchen war, sondern ein Streifenhörnchen, das im Toilettenbecken gefangen war und im Wasser seine Runden schwamm. Nun war guter Rat teuer und angesichts meiner vollen Blase schnell von Nöten. Nachdem ich früher schon einmal schmerzhafte Erfahrungen mit einem solch possierlichen, jedoch sehr bissigen Tierchen gemacht hatte, war mir klar, daß ich es nicht einfach greifen konnte. Ich nahm einen Besenstiel und wollte das Tierchen durch die offenen Fensterluken geleiten. Doch ich hatte die Rechnung ohne das kleine Wesen in der Schüssel gemacht! Kaum hatte ich den Besenstiel in das Becken gehalten, da kletterte das Tier bereits flink den Stiel hinauf, an dessen  anderem Ende ich mich befand. Ich schrie laut auf, ließ den Besen fallen, während das Hörnchen sich zwischen den im Raum gelagerten Zemetsäcken in Sicherheit brachte. Mein Schrei hatte meinen Männe auf den Plan gerufen. Der wiederum lachte Tränen, während er bei meiner Pinkelei Wache stehen musste. Die darauffolgenden Tage musste ich mir einiges an Hänselleien anhören. -

Und was aus dem Streifenhörchen geworden ist, wollte ihr wissen ...

Das hat irgendwann den Weg durch die offenen Fensterlücken gefunden und sich getrollt. Allerdings nicht ganz: denn es siedelte sich auf unseren Dachboden an und spukte von dort an immer mal wieder in unseren Träumen.


Copyright Julietta Günther