Montag, 30. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-30

Heute ist der Winterspuk vorbei. Es gab keinen Frost, der Schnee ist geschmolzen und über allem strahlt ein blauer Himmel bei angenehmen Themperaturen um die 10 Grad. Dafür war bei mir heute Murmeltiertag. Einer solcher Tage, an dem man viel vor hat, aber einfach nicht vorwärts kommt. Irgendwie hängt Pech an den Schuhen und man verharrt in einer Art Schockstarre. Irgendwann an einem solchen Tag stellt man fest, dass sich die Nacht zu senken beginnt und man fragt sich, wo der Tag hingekommen ist und was man eigentlich den ganzen Tag über gemacht hat. Es war ein  reichlich unproduktiver Tag, ein Murmeltiertag eben! Doch auch solche Tage muss es geben. Schliesslich kann man ja nicht immer wie ein Hamster im Rad in Daueraktion sein. Deshalb ... werde ich den Tag auch als Murmeltier ausklingen lassen. Jetzt noch Futter fassen, dann ab in den Bau und eine Runde schnarchen ;-).

Samstag, 28. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-28

Heute kam bei uns der Winter vorbeigeschneit! - Im wahrsten Sinne des Wortes: es hat geschneit. Als ich heute morgen noch etwas verschlafen aus dem Fenster sah, blickte ich in eine verschlafene, trübe Winterlandschaft mit heftigem Schneefall. Ohne unsere Tiere wäre ich vermutlich wieder ins warme Bett gekrochen, hätte mir die Decke über die Ohren gezogen und mich in den Winterschlaf begeben. Schöner Traum! Doch Shit happens!  - Es half Alles nichts, ich musste raus in die Winterlandschaft. Also aufgehaltert: ein Pulli, noch einen, dann einen Schal, meine Lappenmütze, ein Paar Handschuhe und zum Schluss fiel mir ein Poncho aus Lamawolle in die Finger, den mir vor einer halben Ewigkeit mein Vater aus Chile mitgebracht hatte. Der Poncho lag jahrzehntelang unbenutzt im Schrank. Wie so manches Kleidungsstück, das man zu schade findet um wegzuwerfen, aber für das man im Grunde keine Verwendung hat und doch viel zu viel Erinnerungswert. Auf jeden Fall ein "never-ending-story"-Kleidungsstück, dass immer wieder aus irgendwelcher Ecke auftaucht. - Nun denn, just heute morgen fiel mir das gute, gehütete Stück in Hände. Zusammen mit meiner Lappenmütze, die ich an einem eiskalten Tag an der chinesischen Mauer erstanden habe. Mit der Mütze sehe ich sowieso schon aus, als käme ich vom anderen Stern. Jetzt aber machte der Poncho mit den kleinen Lamas drauf das Out-Of-Universum-Outfit perfekt. Obenherum war ich nun mollig warm verpackt, doch schnell stellte ich fest, dass die wirkliche Schwachstelle die Schuhe waren. Schade, dass ich nicht noch irgendwo ein paar Moonboots in den Katakomben meines Schrankes versteckt habe. Die wären zwar optisch nicht passend, aber warm.

Also raus in den Schnee und heute in einer abnormen Geschwindigkeit die Viecher versorgt. Als ich fertig war, machte ich vorsorglich noch einen Check, ob ich nicht irgendwen vergessen habe. Eine der Hasenműtter musste umgesetzt werden, da sie angefangen hat, sich ihr Fell auszureissen und ein Nest zu bauen. Der Hasenvater wäre nur hinderlich, wenn Nachwuchs im Nest ist. Kaum hatte ich den Viechern den Rücken gekehrt, haben sie sich entschlossen, dem Winterwetter auszuweichen und sind wieder zurück in ihre Unterstände, nur den Gänsen und Enten war scheinbar das Wetter egal. Sie platschten durch den Matsch und Schnee.

Als ich wieder im Haus zurück war, stellte ich fest, dass der Poncho genial für so ein Wetter und Arbeit war. Er hat die Nässe komplett abgehalten, das Heu liess sich ganz einfach abschütteln und mir war mollig warm. Nur - liessen sich die Hunde nicht abschütteln. Ich muss wohl kräftig nach nassem Lama gerochen haben, denn die Hunde wichen mir nicht mehr von der Pelle und waren nur noch an mir am Schnüffeln. Drum merke, hast Du Lama-Poncho auf der Backe, hast Du auch Hunde an der Hacke. ;-))

Den Rest des Tages kann ich unter "lazy saturday afternoon" verbucht werden. Ist auch mal ganz schön.


copright Julietta Günther



Freitag, 27. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-27

Heute Nacht gab es den ersten Frost, der Schnee ist wieder weg und es ist ein trockener grauer Novembertag.

Gestern am späten Nachmittag hatte ich noch eine unerwartete, doch schweisstreibende Sonderaktion. Unsere sechs erwachsenen Schweine und zwei Ferkel sind gestern aus ihrem Einstand ausgebüchst. Unsere Schweine sind eine Mischung zwischen Wildschwein und Mangalicaschweine in reiner Freilandhaltung, sehr widerstandsfähig, aber nicht zu vergleichen mit trägen Hausschweinen in reiner Stallhaltung.
Sie haben einen halben Meter tief einen Tunnel gegraben, sind ausgebrochen und rannten flink zwischen den Schafen, Hühnern, Enten und Hunden hin und her. Die Hunde versuchten, die Schweine wieder zurück zu treiben. Doch alles machte einen eher unkoordinierten Eindruck mit dem Effekt, dass einige Schweine ihre Schnauze unter den Zaun steckten und diesen hochdrückten. Dann schwabbel-di-wabbel, drückten sie sich unten durch und damit war das Chaos vollens perfekt. Durch den Krach draussen wurde ich aufmerksam und mich traf schier der Schlag als ich die Rotte rumrennen sah. Ich schnell in die Klamotten gesprungen und rausgerannt. Auf den Weg dorthin noch schnell meinen Hütestock geschnappt. Dann in aller Eile das Geflügel in den Stall gejagt, denn es wäre nicht das erste Mal, dass die Schweine Lust auf Hühnchen haben. Währenddessen versuchten die Schweine, in den Hasenstall zu kommen. Also schnell dahin, die Schweine verscheucht und dann den Hasenstall verschlossen. Beim Schliessen festgestellt, dass sich dahin ein Hahn verirrt hatte. Der musste nun dort übernachten. Dann ging das Theater richtig los. Mühevoll und unter grosser Kraftanstrengung habe ich erst einmal versucht, den Tunnel wieder zu verschliessen. Währenddessen waren die Schweine dabei, den Schafunterstand umzugraben. Also schnell die Schweine raus und die Schafe in ihre Unterkunft getrieben. Insbesondere auch unter dem Hintergrund, dass eine der Sauen anfing, unser schwarzes Schaf zu zwicken. Dazu muss man wissen, dass Schweine und auch die Hühner zu den grossen Kannibalen unter den Haustieren gehören und nahezu alles fressen, was ihnen vor die Schnauze kommt.

Als nun, bis auf die Schweine, alle anderen Nutztiere in Sicherheit gebracht waren, ging es an die Schweinejagd. Wobei unsere Junghunde die Jagd falsch verstanden haben und ich aufpassen musste, dass sie die Schweine nicht bissen. Auf der anderen Seite war unser Hütehund, der Border Collie mit acht Schweinen schlichtweg überfordert.  Er versuchte, sie wieder zurückzutreiben. Doch da er keine Übung darin hatte, Schweine zusammenzutreiben und diese wiederum nicht verstanden, was der Hund von ihnen wollte, ging das gründlich schief. Alles rannte hin und her, ich fluchte und schimpfte wie ein Besenbinder ...  Nach geschlagenen zwei Stunden, einem an mehreren Stellen hochgedrückten Zaun, durchgepflügtem Misthaufen, umgegrabenen Obstbaumwiesen, einem halben Sack Mais und etlichen Kilo Äpfel, war die Gruppe bis auf ein Ferkel wieder eingesperrt.  Nach einer weiteren halben Stunde vergeblicher Versuche, das Ferkel zusammen mit Hilfe unseres Border Collies Hobby zu fangen, gab ich auf. Hobby und auch das Ferkel waren sichtlich erschőpft, ganz zu schweigen von mir ... Langsam wurde es dunkel ...

Also liess ich erst einmal davon ab und fütterte unsere Hunde, deren Magen schon auf Halbmast hing. Doch dann ging das Theater weiter. Da irgendwo in der Dunkelheit des Gartens ein Ferkel rumrannte, konnte ich die Hunde nicht rauslassen.  Insbesonders unserem Kaukasier drückte reichlich die Blase und er jaulte. Aber es half nichts, er musste warten, bis Männe heimkam, wir zu zweit das Ferkel zu fassen bekamen und zurück verfrachten konnten. Zum Glück war es eine klare Vollmondnacht und wir konnten das hellgraue Wollschwein gut erkennen.

Wegen der Einfangaktion kam ich nicht zum Kochen und das warme Abendessen fiel aus. Gegen 21.30 Uhr fielen wir beide, erst einmal total KO, auf das Sofa. Ich hatte einen Marathonlauf hinter mit und mir taten alle Gräten weh.

Heute hingegen laufe ich jedesmal wenn die Hunde anschlagen ans Fenster, in der Bange, dass die Schweine wieder einen Tunnelausbruch gewagt haben.

Wer Viecher hat, der braucht kein Fitnessstudio ! ;-)

copright Julietta Günther


"Unsere kleine Farm" - 2015-11-26

Es gab heute Nacht den ersten Schnee. Seltsamerweise hatten wir bislang noch keinen Frost, dafür ist jetzt das Land weiss gepudert. Unsere Hunde lieben Schnee. Wenn er ein paar Zentimeter hoch liegt, dann sieht man die Rabauken mit der Nase im Schnee, gleich einem Schneepflug durch den Schnee sausen. Doch soviel liegt noch nicht, aber für ein kleines Päuschen reicht es allemal ;-)

Felix, während einer kleinen Rast im Schnee
Dieses Jahr gibt es viel Nüsse, Beeren, Eicheln und Kastanien. Der Volksmund sagt " ist ein Nussbaum früchteschwer, kommt ein harter Winter her " Auch in den Wetteregel kann man lesen, dass wenn es Mitte Oktober zu warm ist, dann folgt ein kalter Januar. Auch haben die Hunde und die Gänse bereits richtig dichtes Fell bzw. Federkleid aufgelegt. Am Besten gefällt mir da unsere schneeweisse Gans mit ihrem Rüschenkleid. Sie sieht aus als hätte sie ein Hochzeitskleid an. Im Sommer hat sie das nicht.


Und wenn man den 100-jährigen Kalender folgt und damit sich das Wetter von vor 7 Jahren anschaut, dann würde es demnach um Weihnachten herum viel Schnee geben: Denn damals konnte ich Weihnachten wegen  starker Schneefälle, fast einem halben Meter Schnee und nicht geräumter Strassen nicht nach Deutschland fahren und hätte beinahe meinen Flug nach China verpasst. ---- Nur mag ich gar nicht daran denken ! --- 

Selbst unsere Katzen frieren und machen es sich im Stall im Heu gemütlich. 
Katze oder Hase, das ist hier die Frage ;-) ...




copyright Julietta Günther

Mittwoch, 25. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-25

Unser Viecher versetzen mich immer wieder in Erstaunen und präsentieren mir ständig Überraschungen. Heute war ich beim Hasen füttern, als sich in einen unbeobachteten Augenblick unsere Hunde über die Hasentaps hergemacht haben. Die waren so richtig scharf auf dieses grüne Hasentrockenfutter und frassen es, als wären es die besten Leckerli. Erstaunlich ! Jetzt ist mir auch klar, wohin letztes Mal das Trockenfutter verschwunden ist. -

Die Hasen, speziell die Junghasen machen mir seit Kurzem Probleme. Wir haben ein paar junge Häschen verloren,weil sie aufgegast waren. Hasen haben einen sehr trägen Verdauungstrakt, einen sogenannten Stopfmagen. Dies bedeutet, dass sie ständig Fressen nachschieben müssen, damit es hinten wieder rauskommt. Trockenfutter verweilt kürzer im Darm als Nassfutter. Und wenn die Häschen das Fressen einstellen oder aber das Nassfutter zu lange im Magen verbleibt, dann fängt es an zu gären. Dies wiederum bringt so ein kleines Tier recht schnell in einen lebensbedrohlichen Zustand. Das Schlimme ist, dass wenn man es bemerkt, es meistens schon zu spät ist. Ich habe es mit anderem Futter versucht, auch indem ich das frische Grünfutter weggelassen habe, dann das Körnerfutter geändert habe - doch alles half nicht wirklich. Immer wieder, haben wir einen Verlust zu beklagen. Gerade heute wieder bange ich um ein Häschchen. Es könnte theoretisch auch ein Virus sein, aber das schliesse ich aus, da aus einem Wurf immer nur vereinzelt Tiere davon betroffen waren und nicht der gesamt Wurf. Richtig Mist ist das ! Die Tiere leiden und obendrein macht es den Zuchterfolg zunichte. Anfangs dachte ich, dass die Jungtiere zu früh von der Mutter weg genommen wurden, aber das kann nicht sein, da sie grundsätzlich erst dann von der Mutter getrennt werden, wenn das Muttertier sie nicht mehr stillt. Hoffentlich bekomme ich das Problem bald in den Griff.

Das Problem, dass die Tiere aufgasen, gibt es auch bei den Schafen, Ziegen, Pferden und Esel. Da sagt man Kolik. Das kann die unterscheidlichsten Ursachen haben, von zu eiweissreichem Futter bis dahin, dass die Tiere etwas gefressen haben, was für sie schädlich ist. Auf jeden Fall ist das immer ein ernst zunehmender und oft auch lebensbedrohlicher Zustand. Erst recht, wenn sie bereits festliegen. ----


Nachtrag: Das kleine Häschen hat sich gut erholt. Ich hatte ihm etwas Wasser mit Natron gegeben. Natron hilft auch mir immer, wenn mein Magen übersäuert ist. Aus der Chemie weiss ich, dass Säure durch Lauge neutralisiert werden kann.

copyright Julietta Günther

Dienstag, 24. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-24

Heute habe ich mir dieses Zitat zu Herzen genommen: " .... Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden". - Seit geraumer Zeit bitte ich meinen Männe, den heruntergedrückten Zaun zu reparieren, doch nachdem er fast ständig auf Arbeit ist, wird die Zaunsituation immer unzureichender. Verschärft wird die Situation, dass sich gerade in diesem Bereich seit ein paar Tage zwei unserer Rüden  rivalisiert gegenüber stehen. Bevor das eskaliert, musste etwas geschehen. Jetzt war ich aber die letzten Jahre in die typische Falle getappt, in die viele Frauen tappen, die in einer Beziehung leben. Immer mehr vergisst man seine eigenen Fähigkeiten und überlässt das Feld dem "starken Mann im Haus". Bei mir ist der "Mann im Haus" auch noch Handwerker, der sich auch traditionell in dieser Rolle sieht. So war es zum einem normal, dass er sich um alles Handwerkliche im und um's Haus kümmerte. Doch ehrlich gesagt, es war für mich auch ein bequemerer Weg, dass ich ihm da komplett das Feld überliesst und sparte mir damit einigen Stress. Auf der anderen Seite, führte es aber auch zu Frust. Denn wenn der "Mann im Haus" ständig auswärts am Arbeiten ist, dann ist nun einmal für Arbeit in und um's Haus keine Zeit und so bleibt zwangsweise Einiges liegen. Manchmal ist es notwendig, sich selber wieder zu erden und die eigene Position in einer Beziehung zu überprüfen. Auch eine Art Kopfkino. Wenn man selber sich in die Position hinein manővriert "Das kann ich nicht" - Was für ein Blödsinn !!! - Nachdem ich festgestellt habe, dass ich die letzten Monate eine passive Wartehaltung eingenommen hatte, die in mir noch obendrein einigen Frust hervorgerufen hatte, beschloss ich das zu ändern.

Die letzten Tage habe ich begonnen für Hobby, unseren Border Collie, der den ganzen Tag draussen bei den Schafen und den anderen Tieren verbringt, die längst fällige Hundehütte zu bauen. Sie ist zwar noch nicht ganz fertig und steht auch etwas windschief da, aber es ist eine Hundehütte, die dem Hund Schutz bietet und das ist mein Erfolgserlebnis. Schritt für Schritt werde ich wieder mutiger und erstaunlicher Weise, höre ich von meinem Männe bislang keinerlei Kommentar - bin mal gespannt, wann da die erste Reaktion kommt. Ich kenne ihn ja schon geraume Zeit und weiss, dass das meistens indirekt kommt, wenn er mit seinen Freunden zusammen ist. Männer eben!

Aus meiner Schulzeit, während ich das Glück hatte eine technische Grundausbildung geniessen zu können, habe ich gelernt, dass die Männer der Schőpfung auch oft zwei linke Hände haben und manch' einer eine absolute Niete in handwerklichen Dingen ist, doch im Gegensatz zur weiblichen Welt verkaufen sie sich besser. Auch während meines Berufslebens habe ich festgestellt, dass viele Männer Meister im Tarnen und Täuschen von Nichtwissen und Nichtkönnen sind, während die Frauen ihr Nichtwissen und Nichtkönnen auf dem Tablett serviert haben, selbst wenn sie sich dabei oft eher unterschätzen.

Ich jedenfalls habe mich wieder auf mich selbst besonnen und so ging es heute dem herunter gedrückten Zaun an den Kragen. Meine Kraft reichte zwar nicht ausreicht, um den Zaundraht wieder nach oben zu drücken und ihn in dieser Position zu fixieren. Auch machte es wenig Sinn, dieses demolierte Stück reparieren zu wollen. Für mich selbst überraschend kam ich auf eine andere Lösung. So schleppte ich die grossen Paletten heran, auf denen die Gipskartonplatten transportiert werden. Hochkant gestellt und mit dem alten Zaun verbunden und schon hatte ich einen neuen stabilen Zaun. War eigentlich ganz einfach, wenn auch körperlich für mich etwas anstregend, sodass ich morgen sicher Muskelkater haben werde. Jetzt frage ich mich allerdings, weshalb ich nicht schon früher meine Komfortzone verlassen habe, und statt einer Stunde Arbeit mit anschliessendem Erfolgserlebnis, monatelang über eine unerfreuliche Situation lamentiert habe ???
Was war das eine Energieverschwendung !!! Und was hätte ich mit der Energie alles anstellen können ???

Warum wir Frauen uns immer wieder in die Rolle eines hilfslosen, vom Männchen abhängigen Weibchens hineinmanövrieren, ist mir ein Rätsel. Dabei sind wir Frauen doch eigentlich schon von der Natur aus, zwar nicht unbedingt das körperlich stärkere, aber der belastbarer Part. Von Natur aus ist eine Frau ein Muttertier und was das bedeutet, dass sehe ich bei unserern Tieren. Wobei ich aber auch dazu anmerken will, dass die auch meisten Männchen sich ganz liebevoll und mit einer Eselsgeduld um ihren Nachwuchs kümmern.

copyright Juletta Günther

Montag, 23. November 2015

"Unsere kleine Farm" - 2015-11-23

Wieder beginnt ein Post mit einem leeren Blatt, auf dem sich nach und nach die Gedanken und Erlebnisse auf unserem kleinen Bauernhof zusammen fügen in eine Zeitaufnahme, einem grossen Ganzen und doch ein winzig kleiner Augenblick im Lauf der Geschichte.

Wenn ich über das Gelände gehe, die Tiere beobachte, den Wechsel der Jahreszeiten in jedem Blatt, das zu Boden fällt bemerke, dann - ja dann - merke ich, wieviel Kraft in der Natur steckt und werde ganz erfürchtig. Wir Menschen sind ein Teil der Natur, hoch entwickelt und gebildet, doch erstaunlicher Weise  sind wir so wenig mit der Natur verbunden, nutzen ihre Kräfte nur begrenzt. Die Tiere sind da anders, längst bevor wir es wissen, wissen sie um den herannahenden Sturm und das ohne Wetterbericht ;-) - Seit Tagen herrscht eine gewisse Unruhen bei den Tieren, die sich immer dann zeigt, wenn ein Wetterwechsel ansteht. Sie spüren Gefahren, in die wir blindlinks hineintappen.Ganz genau wissen sie auch, welches Kraut sie fressen müssen, wenn sie krank sind. Während wir hingegen ohne Doktor total hilflos sind und selbst der muss auf eine gewisse Allgemeingültigkeit zurück greifen. Frei nach dem Motto: ich habe eine Lösung, doch die passt nicht immer zum Problem" , manchmal verschärft sie es gerade zu. Das weiss ich nur zur gut aus der Zeit der häuslichen Pflege meines Vaters.

Wir nutzen unsere Sinne nur zum Teil, wobei sich das trainieren lässt. Vor vielen Jahren habe ich einmal gelesen, dass die Indianer sich lautlos im Wald bewegen können und schon lange, bevor sie einen Menschen oder ein Tier sehen können, es spüren können - es käme zu einer Kraftverschiebung. Das leuchtete mir ein, insbesondere wenn ich mir da in der Physik das Prinzip des Gleichgewichts der Kräfte ansehe. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht dem was mich neugierig macht, auch nachgehen würde. Na ja, ich bin kein Indianer, aber habe meine fünf Sinne noch beieinander, wenngleich, wer gewusst hätte, was ich in den nächsten Wochen trainiert habe, das sicher bezweifelt hätte. ;-) - Ich ging in den Wald und probierte, mich dort lautlos fortzubewegen. Nach unzähligen Versuchen und vielen knackenden Ästen klappte es tatsächlich. Zum ersten Mal wurde mir auch bewusst, dass ich mich im Wald und auch sonst wo, eher wie ein Elephant im Porzellanladen bewegt habe und dabei einen Krach verursacht habe, der weit in die Welt hinaus zu hören war. Nachdem das lautlose Bewegen im Wald einigermassen funktionierte, was erstaunlicher Weise auch auf einem gewissen Erspüren der Umgebung basiert, widmete ich mich dem zweiten Teil. Dem Erspüren von Mensch und Tier. Das gelangt mir sogar noch schneller. Lange bevor ich jemanden sah, konnte ich ihn spüren. Es sind wie Wellen, die sich verschieben, ähnlich den Kreisen, wenn man einen Stein ins Wasser geworfen hat. Mit der Zeit fand ich auch heraus, dass Menschen viel intensiver ein Ungleichgewicht hervorrufen als Tiere. Mit der Zeit konnte ich mich auch quasi "unsichtbar" machen. Die anderen Pilzsammler gingen an mir vorbei, ohne mich zu bemerken. Manch einer hat sich zwar instinktiv suchend umgesehen, konnte mich aber nicht entdecken. - Das war eine erstaunliche Erfahrung für mich und auch heute noch nutze ich das Wissen, wenn ich mich im Gelände bewege. Schliesslich ist es besser, einem Wildschwein auszuweichen als es aufzuschrecken ...

Einen Urinstinkt haben wir Menschen beibehalten, wenn auch in abgeschwächter Form: den Nesttrieb. Die Muttertiere fangen schon lange vor der Geburt an, ihr Nest zu bauen und auch bei Schwangeren konnte beobachtet werden, dass sie kurz vor der Geburt anfangen, ihr Haus auf Vordermann zu bringen. Ich schleppte dafür sogar einen Sessel aus dem Dachgeschoss in den Keller. Ich weiss ... man kann es auch übertreiben ... also nicht zur Nachahmung empfohlen ! Überhaupt ist die Verbindung zu Mutter und Kind noch sehr stark vorhanden. Mit ein wenig Übung weiss eine Mutter über Hunderte von Kilometern, ob es ihrem "Jungen" gut geht oder nicht. Meine Mutter hatte da einen besonderen Draht: immer wenn es einem von uns schlecht ging, rief sie unerwartet an und fragte, wo der Schuh drückt. Mir ersparte dieser Draht, so manche schlaflose Nacht, insbesondere, während der Pupertät, als meine Jungs oftmals ohne Zeitgrfühl unterwegs waren. Schlimm wurde es allerdings für mich, wenn ich spürte, dass etwas im Busch ist und ich sie nicht erreichen konnte.

Vor Jahren las ich eine Kinderbuchtrilogie, die mich ungemein beeindruckt hat. Ein Band hiess, glaube ich "Das Geheimnis der Isis" - ich kann mir Namen und Titel sehr schlecht merken... Die Bücher handelte von Menschen und Menschen, die auf den Mond ausgewandert sind. Das wirklich Erstaunliche war dabei, dass sie von Generation zu Generation immer mehr Wissen verloren haben, so wie wir Menschen. - Wir häufen zwar eine Menge neues Wissen an, wie: was ist ein I-Phone, Bits, Bytes, Gen etc. pp. - doch das essentielle Wissen geht darüber immer mehr verloren. Wer weiss noch um die Naturheilkräfte und welches Kraut gegen was hilft, wer kann noch die Zeit nach dem Stand der Sonne bestimmen, wer den Weg nach den Sternen und wo es Wasser gibt ? Wer weiss noch, was man in der Natur essen kann und was man tunlichst meiden sollte? Immer weniger Menschen.

Doch was bleibt von unserem heutigen Wissen ohne Strom, Elektrizität, fliessend Wasser und Supermarkt 
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Ich kann mich noch daran erinnern, als vor einigen Jahren nach einem Sturm an Weihnachten viele Menschen über Tage ohne Strom blieben. Freunde aus der Stadt, die in einem Hochhaus in Wohnungen mit Zentralheizung lebten, riefen mich an: sie froren im Dunkel und hatten nicht einmal fliessend Wasser, konnten sich nichts zu essen kochen - sie waren im Grunde total hilflos und was noch viel schlimmer war, sie wussten nichts mit sich anzufangen. Wir hatten auch drei Tage lang keinen Strom, dafür aber das unsagbare Glück eines Kohlebeistellherdes und wie immer einen grossen Vorrat an Kerzen im Haus: So war es mollig warm bei weihnachtlichen Kerzenschein und es brutzelte sogar die Weihnachtsgans und 

was das Schönste war: wir hatten Zeit füreinander. Das war wohl das schönste Weihnachtsgeschenk !


copyright Julietta Günther