Dienstag, 24. Januar 2023

Tante Mo und ihr kleiner grauer Mitbewohner

Tante Mo lebt in einem winzigen verwunschenem Haus an einem kleinen See. Es ist ein rotes Backsteinhaus mit grünen Fensterläden. An einer Seite rankt sich grüner Wein empor. Ein schmaler geschwungener Weg führt zu dem Häuschen durch einen wunderschönen Bauerngarten. Dort wachsen allerlei Gemüse zwischen Tagetes, Lupinen, Jungfern im Grün, Cosmea, Bartnelken und vielen mehr. Sie verströmen einen Duft, der an Sommer und Paradies erinnert. Auch ein paar Sonnenblumen erheben sich über dem unterschiedlichen Grün der Gemüsepflanzen, das in Formen nicht verschiedener sein könnte. Da tanzen die filigrane Stengel der Karotten zusammen mit den lanzenförmigen Blättern der Schwarzwurzeln im Sommerwind. Neben den  knackigen Blätter des jungen Weisskohls stehen die langen Lanzen der Zwiebeln und des Knoblauches. Die runden Blätter der Radieschen schmiegen sich an den Salat. Im Hintergrund ranken die Bohnen an Stangen empor, die mit ihren zierlichen roten Blüten wunderschön anzusehen sind. Am Rand des Weges wachsen Kräuter, hier Lavendel, dort Zitronenmelisse, auch findet man Majoran, Rosmarin, Petersilie, Minze, Ysop, Oregano, sowie Thymian und Basilikum in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Sobald man daran vorbei geht und die Kräuter streift, erfüllt ihr Aroma die Luft. Neben dem Haus steht ein grosser Lindenbaum, der im Juni mit seinem Blütenduft jeden betört. Auf dem Hof tummelt sich das Federvieh, im Gras liegt Tante Mo's Mischlingshund Tornado in der Sonne und lässt sie sich auf den Pelz brennen, die dreifarbige Katze Minou beobachtet von ihrem Aussichtspunkt auf dem Baum das Treiben. Auf dem See ziehen ein paar Enten ihre Bahnen. Ins Häuschen gelangt man durch einen Rosenbogen mit unzähligen roten, rosafarbenen und gelben Blüten, die wild durcheinander wachsen und schon alleine durch ihre Farbmischung ein kleines Stilleben sind. Tante Mo lebt in ihrem selbst geschaffenen Paradies.

Sobald man ins Haus eintritt, ist man direkt in der grossen Wohnküche. Das Häuschen ist gemütlich mit viel Holz eingerichtet und erinnert ein wenig an die Blockhütten aus den Winnetou Filmen. Es steht ein grosser, quadratischer, schwerer Holztisch mit vier Stühlen vor dem Fenster. Wenn man dort sitzt, hat man einen wunderschönen Blick in den Garten, über die Felder auf die entfernten Hügel. Tante Mo hat für die Fenster rotkarierte Gardinen genäht und auf der Fensterbank stehen kleine Blumentöpfe mit Usambaraveilchen in den unterschiedlichsten Farben. Tante Mo liebt Usambaraveilchen und immer wenn sie bei Freunden ein neues Exemplar sieht, bittet sie sie um ein Blatt, dass sie dann zu Hause in die Erde steckt. Sie freut sich jedes Mal riesig, wenn dieses Blatt Wurzeln bekommt und kleine neue Blätter hervorspriessen. Tante  Mo kocht und backt für ihr Leben gerne und so hat sie auch sehr viel Sorgfalt beim Einrichten ihrer Küche eingesetzt. Ganz besonders stolz ist sie darauf, dass sie einen alten, mit Rosen handbemalten Holzherd ergattern konnte. Das ist ihr ganz besonderes Schmuckstück in ihrem Küchenreich. Darauf zaubert sie die tollsten Gerichte und die Kuchen und Brote daraus, sind einfach ein Gedicht. Wenn Tante Mo abends aus ihrem Garten ins Haus kommt, macht sie sich ein feines  Abendessen und setzt sich an ihren Tisch. Neben ihr liegt ihr Hundchen und die Katze hat ihren Lieblingsplatz neben dem Ofen eingenommen.

Tanto Mo macht es sich abends oft an ihrem Esstisch gemütlich. Sie bekommt selten Besuch. Ihr Sohn ist längst erwachsen und lebt weit weg in der grossen Stadt. Ihr geliebter Mann, hat sie schon lange verlassen. Eines Tages sitzt sie, wie immer, alleine vor ihrem Abendessen und sie wird wie so oft ganz traurig darüber. Ihre Gedanken führen sie zurück und erinnern sie an die schönen, glücklichen Jahre mit ihrem Mann, bevor eine Krankheit ihn ihr nahm. Sie stützt ihr Gesicht in ihre Hände und weint leise ein wenig vor sich hin. Mit einem Mal streichelt etwas ganz sanft über ihr Gesicht und als sie aufschaut, blickt sie verwundert in zwei kleine schwarze Knopfaugen. Tante Mo glaubt ihren Augen nicht zu trauen, schliesst schnell die Augen und macht sie dann ganz langsam wieder auf. Nein, sie hat sich nicht getäuscht und sie träumt auch nicht. Vor ihr auf dem Tisch steht mit einem leuchtenden Schein eine kleine graue Maus, die sie ganz freundlich anschaut und ihr weiter ganz sanft die Tränen von der Wange wischt. Mit einem Mal sagt die Maus:" Du musst nicht traurig sein. Ab jetzt bist Du nicht mehr alleine. Ich bin jetzt bei Dir und werde Dir Gesellschaft leisten, wann immer Du es wünschst. Du kannst mir alles erzählen und ich werde Dir von der grossen weiten Welt und den Menschen berichten"

Und so geschah es.... Abends setzte sich die kleine graue Maus vor Tante Mo's Teller und sie erzählten sich, was sie den Tag über so erlebten. Tante Mo sprach von ihren Sorgen, liess die kleine Maus an ihren Freuden teilhaben, erzählte von ihren Träumen und besprach mit ihr ihre Pläne. Die kleine Maus fesselte Tante Mo mit Geschichten aus Tausend und einer Nacht, aus den Weizen Sibiriens, von dem Höhen des Himalajas und des ewigen Eises Grönlands. Sie entführte Tante Mo in ihre Welt voller Abenteuer und brachte sie immer wieder mit den komischsten Anekdoten zum Lachen. Und falls Tante Mo sich doch einmal einsam fühlte und traurig wurde, dann strich die kleine graue Maus ganz sanft über ihre Wange und Tante Mo vergass sofort, wieso sie betrübt war. Da Tante Mo von nun an immer einen glücklichen und zufriedenen Eindruck machte und vorallem so herzhaft lachen konnte, kamen die Leute aus dem Dorf nun immer öfter zu ihr. Sie erzählten Tante Mo von ihren Kindern und Enkelkindern, manchmal auch von ihren Sorgen. Doch jeder, so bedrückt er auch zu Tante Mo kam, ging nach seinem Besuch beschwingt und mit einem Lächeln nach Hause. Und Tante Mo ? Tante Mo setzte sich jeden Abend zu ihrem kleinen grauen Mitbewohner und gemeinsam liessen sie den Tag Revue passieren.

copyright Julietta Guenther

Sonntag, 22. Januar 2023

Rabea - ein Mädchen wie der Frühling


In einer sternklaren Nacht sitzt ein junges Mädchen auf einer Bank am Ufer eines kleinen Sees. Von der gegenüber liegenden Seite klingt Musik und Lachen herüber. Der Platz dort ist umrahmt von bunten Lampignons, die in der dunklen Nacht leuchten. Die Leute feiern das diesjährige Frühlingsfest. Es ist ein lustiges Treiben und auf dem See dümpelt ein Kahn mit einem Liebespaar vor sich hin. Rabea beobachtet die Szenerie, denkt über die letzten Tage und den heutigen Abend nach. Sie ist traurig.

Gestern sass sie an der gleichen Stelle und freute sich auf den heutigen Abend. Doch wie das Leben so oft spielt, kommt es oft anders als man denkt. Rabea ist ein wunderschönes, zartgliedriges Mädchen mit langem, blonden und leicht gewellten Haar. Sie hat eine helle Haut, strahlende grüne Augen und macht ihrem Namen alle Ehre. Ihr Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet Mädchen. Im Arabischen steht  Rabea für Frühling. Und so ist Rabea auch, ein junges Mädchen frisch wie der Frühling.

Der heutige Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück, das Rabea mit ihrer Mutter einnahm. Rabea hatte Urlaub und die beiden Frauen genossen, das gemeinsame Frühstück. Sie plauderten angeregt und erzählten sich einige Anekdoten. Ihr helles, fröhliches Lachen klangt durch den Garten. Nachdem Frühstück half sie ihrer Mutter im Garten. Es war ein sonniger, angenehmer warmer Tag. Sie pflanzten etliche duftende Primeln, einige bunte Stiefmütterchen und in die Lücken zwischen den Sträuchern setzten sie noch ein paar Tulpen und Narzissen. Binnen kürzester Zeit zog ein Hauch von Frühling in den Garten ein. Einige Vögel sind bereits von ihrem Winterquartier zurück und zwitschern noch etwas verhalten vor sich hin. Die ersten Bienen sind auch schon bei der Arbeit.  Rabea und ihre Mutter setzten sich nach getaner Arbeit an die kleine weiße, gußeiserne Sitzgruppe, die im Schatten einer großen Linde steht. Rabea liebt es dort zu sitzen, ganz besonders wenn die Linde blüht und ihr süßer unvergleichlicher Duft die Luft erfüllt. Die beiden Frauen saßen schweigenden bei ihrem Tee und ließen die friedliche Stimmung im Garten auf sich wirken.

Irgendwann wurde es Zeit, daß Rabea sich für den Abend richtete. Sie wollte heute besonders schön sein für Jens, ihren Freund. Die beiden wollten heute abend zum Frühlingsfest zum Tanzen gehen. Rabea wusch sich ihr langes Haar und fönte es sorgsam im Form. Dann zog sie sich an. Für den heutigen Abend zog sie ihr Lieblingskleid mit der engen Korsage und dem ausgestellten Tellerrock an, der sich so herrlich beim Tanz dreht. Das Kleid harmoniert ganz wunderbar mit ihrem blonden Haar und den grünen Augen. Für einen kleinen Augenblick fühlte sich Rabea wie eine Prinzessin. Sie war glücklich. Ungeduldig wartete sie auf Jens und als es an der Tür klingelte, flog sie förmlich die Treppe hinunter. Sie öffnete die Tür und ließ Jens ein. Jens ist ein gutaussehende junger Mann. Die beiden waren ein hübsches Paar. Als Jens eintrat, war er seltsam zurückhaltend und wich ihren Blicken aus. Irgend etwas war heute anders und Rabea wurde es bang um's Herz. Sie gingen ins Wohnzimmer und nach einer halben Ewigkeit der stummen, lähmende Stille, begann Jens zu reden. Erst stockend und dann immer mutiger. Die Worte rauschten an Rabea vorbei und drangen wie aus einer weiten Entfernung ganz dumpf in ihr Bewusstsein. Jens redete und redete. Irgendwie hatte Rabea das Gefühl, sie säße im falschen Film und der Mann mit dem sie jahrelang zusammen lebte, war durch einen Doppelgänger ausgetauscht worden, der so gar nichts mit ihrem geliebten Jens gemein hatte. Erst als Rabea hörte, wie die Haustür leise ins Schloß fiel, wachte Rabea aus ihrer Erstarrung und es breitete sich erst Entsetzen, dann Fassungslosigkeit und schließlich eine grenzenlose Traurigkeit in ihr aus.

Jens war fort - für immer. Er  hatte sich in eine andere Frau verliebt und nun waren all ihre gemeinsamen Jahre zur Geschichte geworden. Rabea verstand die Welt nicht mehr.

Sie saß noch eine Weile regungslos im Wohnzimmer, dann stand sie auf und ging mir schweren, schleppenden Schritten nach draußen. Langsam ging sie hinunter zum See und setzte sich in der sternklaren Nacht auf eine Bank am Ufer des Sees. Auf der anderen Seite sind die Menschen in Feierlaune und Rabea beobachtet das Treiben, das ihr so unwirklich vorkommt, wie so alles an diesem Abend.

Die kommenden Tage sitzt das Mädchen oft am See. Manchmal weint sie leise vor sich hin. Längst schon ist das Funkeln aus ihren Augen verschwunden, ihr Haar ist glanzlos und sie selbst ist nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Jens war ihre große Liebe und Rabea leidet entsetzlich unter der Trennung. Manchmal hat sie das Gefühl, das Herz würde in ihrer Brust zerspringen. Oft aber möchte sie nur noch schreien. Sie ist so unsagbar traurig. Rabea ist still geworden, kein Lachen kommt aus ihrer Kehle. Sie hört auch die Vögel nicht mehr singen und sieht nicht die Frühlingsblumen blühen. Mechanisch geht sie ihrer Arbeit nach, nimmt die Mahlzeiten ohne jegliches Gefühl zu sich. In ihr ist alles erstarrt.

Eines Tages viele Monate später, es ist wieder eine sternklare Nacht. Rabea sitzt wieder auf der Bank am See. Man erkennt Rabea nicht wieder. Nichts ist mehr übrig von dem wunderschönen Mädchen aus der Frühlingsnacht von einst. Sie ist mager geworden und es umgibt sie eine Aura der Hoffnungslosigkeit. So sitzt sie wieder auf der Bank, ohne ihre Umgebung wirklich wahrzunehmen. Plötzlich durchzuckt ein Blitz den Himmel, eine Sternschnuppe fällt vom Himmel und trifft sie mitten ins Herz. Rabea erwacht wie aus einem tiefen Schlaf und ihr wird ganz warm ums Herz. Mit dem Strahl der Sternschnuppe erwachte ihr Lebenswille wieder zu neuem Leben und Rabea schaut sich erstaunt um. In der Dunkelheit der Nacht erkennt sie die Umrisse der blühenden Rosensträucher mit ihrem atemberaubenden Duft. Irgendwo singt leise eine Nachtigall und krächzt eine Käuzchen. Sie weiss nicht, was passiert ist, doch sie weiss sicher, dass nun für sie ein neues Lebens beginnt. Ein Leben voller Freude, Lachen - ein Leben, das auch ohne Jens lebenswert ist - und sie freut sich darauf ...


copyright Julietta Günther





Montag, 16. Januar 2023

Buddy on Tour - Ein Hund auf Reisen


Hi, here am I ! - Wer ich bin !?! - Wieso kennt ihr mich nicht? - Na ja, nobody is perfect ;-)). Also ich bin Buddy, ein Hund und dazu noch ein grosser, schwarzer. - doch vielleicht erzähle ich Euch mal meine Geschichte von Anbeginn. So zu sagen, von Adam und Eva an !?! - Nur, gibt es bei Hunden auch Adam und Eva ? - Hundeeva gab Hundeadam den Apfel und er ass ... Bischen seltsam, nicht wahr ? ... Wenn es dann wenigstens ein Knochen gewesen wäre, da vergisst auch so mancher Hundemann das eigene Denken ;-)) - Also ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass es Hundeadam und Hundeeva gab, für Hunde gab es eh die Arche und obendrein haben wir meistens ein Hundeleben, doch ... im Paradies. - Welcher Mensch kann schon von sich behaupten, dass ihm immer das Essen serviert wird, dann nach Lust und Laune, den Hundedamen nachstellen darf und ansonsten faul auf der Haut liegt. Klar, gibt es auch einen Unterschied zwischen Land- und Stadthunden. Landhunde geniessen noch mehr Freiheit, bekommen erstklassiges Essen und dürfen auf Hof und Gelände rumstreuen, das Einzige was sie hin und wieder tun müssen, ist kräftig bellen und unliebsame Leute verjagen. - Besonders wenn die bissige Schwiegermutter kommt oder der Herr vom Finanzamt, doch blöderweise ist der schon dazu über gegangen, ein Leckerli in der Tasche zu haben und bringt so manche Hundeseele in schwerste Gewissensnöte. ... Doch ganz so doof ist Hund nun doch nicht: erst frisst er das Leckerli und dann schlägt er kräftig an ;-)) - Die Stadthunde hingegen, das sind schon arme "Schweine". Fristen ihr Dasein oftmals in kleinen Gärten oder in einer 1-2-3- Zimmerwohnung und zweimal am Tag geht Herrchen und Frauchen in den Häuserfluchten spazieren, ab und an auch mal in den Park, aber bitte schön an die Leine und wer Pech hat und zu gross geraten ist, der bekommt auch noch einen Maulkorb verpasst - als Ausgleich muss dafür Herrchen oder Frauchen seine Hinterlassenschaft einsammeln ... Aber bitte mit Tüte !!! ... - Doch Stadthund hat auch eine Aufgabe, -nein - Bellen darf er nicht  - dafür ist er aber Herrchen' oder Frauchen's Gesellschafter, manchmal auch Kinderersatz. Besser ein lebendiger Hund als einen gewaltigen Frust oder was ich ganz abartig finde, sind die Roboterhunde in Japan. Diese Roboter werden für alte Leute zur Altenbetreuung eingesetzt: ausgestattet mit einem Laufwerk, dass auch Futter einfordert, hin und wieder eine Pfütze in der Wohnung hinterlässt und für die Sicherheit mit einer Funkverbindung ausgestattet ist, die Alarm schlägt, wenn Herrchen oder Frauchen die Hundeversorgung verpennt. Mit der eingebauten Kamera ist dann die Zentrale per Funküberwachung in der Lage, zu kontrollieren, ob alles ok ist. - Oh je, Big Brother Is Watching You !!! - Also aufgepasst: Sex nur zwischen den Fütterzeiten, sonst sind Spanner dabei ....

Doch jetzt zurück zu meiner Geschichte: Also es begann ... eben nicht bei Adam und Eva, ein Zustand, der wie schon festgestellt eher unwahrscheinlich war, sondern bei mir mit Noddi und Doddo. Noddi ist mein Vater: ein kohlrabenschwarzer altdeutscher Schäferhund mit Schlappohren (gibt es tatsächlich !!) und Doddo ist meine Mutter. Sie ist eine eigenwillige Hundedame aus dem Geschlecht der altdeutschen Schafshunde und hat wohl ihre ersten Wochen auch bei Schafen und Ziegen erlebt. Ein Umstand, der sich bei meiner Erziehung ausgewirkt hat. Zumindest kann ich so springen wie eine Ziege und ein Schaf stellen, ohne ihm ein Haar zu krümmen. Selbst ein Reh habe ich schon gefangen. Also meine Eltern leben absolut ländlich, was für uns der Vorteil war, dass wir rennen und toben konnten, so ganz nach Herzenlust. Ich für meinen Teil wurde in den kältestens Nächten des letzten Winters geboren. Meine Mutter  war eine lausige Mutter und schleppte uns in die Kälte. Übrig blieben meine Schwester und ich. Anfangs versammelten sich meine Schwester und ich am liebsten bei Papa. Ihr müsst nämlich wissen, ich bin ein reichlich verfrorener Hund. Papa war toll. Er passte auf uns auf, wir durften auf ihm rumturnen, er putzte uns das Fell. 

Nachdem ich so langsam flügge wurde, hatten Herrchen und Frauchen ein Einsehen und ab da an durfte ich die kalten Winternächte und manchmal auch die Tage im Haus verbringen. - Und ich - ab hinter den Ofen .... Zwar war da manchmal ein Gedränge, weil da schon einige Katzen lagen, aber wir haben uns arrangiert. Ich an der Seite und sie hinter und unter dem Ofen. So hatten wir es dann mollig warm. Von wegen Hund und Katz vertragen sich nicht. Wir haben uns prima verstanden. Nur wenn wir uns gegenseitig das Futter klauen wollten, dann haben wir keinen Spass verstanden und so habe ich so manchen Schmiss eingefangen und wenn es mir zu bunt wurde, dann habe ich einfach meine grosse Schnauze in die Schüssel versenkt. - ätsch !!! - grosse Schnauze drin, kein Platz für Katzentatze ....

So wuchs ich denn auf, in einer friedlichen Koexistenz, mit Katzen, die mir um den Bart gingen und hin und wieder mir den Rücken wärmten, währendessen ich es mir zur Aufgabe gemacht hatte, ihnen das Fell gründlich abzuschlecken und ihnen mit meinen schlammbedeckten Pfoten das Haarkleid zu kämen. Unterdessen, meine Eltern mir allerhand Nützliches, aber auch einigen Blödsinn beibrachten. Von meinem Vater lernte ich das Raufen und von meiner, ewig verfressenen Mutter, die Futterbeschaffung. Ich hatte schnell raus, wie und wo ich an Fressen ausser der Reihe kam und wo die besten Leckerbissen abfielen, als auch mächtig grimmig zu schauen, wenn mir jemand das abspenstig machen wollte. - Stimmt ich bin auch reichlich verfressen, das Erbe meiner Gene :-(( , was mir auch schon den Spitznamen "Staubsauger" einbrachte.

Eines Tages kam Bewegung in mein Leben, na ja langweilig war es bis dahin auch nicht, dazu gab es Menschen zum Ankläffen (aber nur die, die wir nicht mochten) und jede Menge Rehe, Wildschweine und Füchse, die wir aus dem Gelände vertreiben konnten.

Also eines Tages stand fest, ich bekomme ein neues Herrchen. Eigentlich habe ich den mir ja ausgesucht und mit meinen, nicht himmelblauen Augen verzaubert. ;-)) - Und so startete für mich das Abenteuer "grosse weite Welt"  und ich wurde zum "Hundeauswanderer" -

Mein Abenteuer begann damit, dass zum ersten Mal der Tierarzt nicht ins Haus kam, sondern wir zu ihm fahren mussten. War mir nicht ganz geheuer ! Zwar bin ich schon ein paar Mal durch das Tor in den Hof mit hinein gefahren, doch das waren nur ein paar Meter und jetzt gleich ein paar Kilometer. Mangels Training rutschte ich also in dem Auto hin und her, balancierte auf meinen Pfoten, um die fremde Welt ausserhalb meiner bisherigen Welt in Augenschein zu nehmen. War reichlich langweilig, nicht mal Rehe zum Jagen ... dafür hatte ich nach dieser Aktion ein Chip und einen Pass. - Erhebt ich für mich die Frage, warum Menschen nicht einfach gechipt werden ?- Wäre doch Klasse ... An der nächsten Zollkontrolle hiesse es dann, bitte nach links drehen und einen Pieps und man wäre durch ... - Schlecht wäre es allerdings, wenn es dann hiesse, "Sie haben bei ihrem letzten Urlaub einen Hotelaschenbecher mitgehen lassen. Erst auslösen, dann ausfliegen ! - Oder gar : "Mann, beim nächsten Sex nicht so ein Tempo vorlegen - sonst ist alles schon vorbei, bevor es angefangen hat ... " - Na ja Menschen, haben eben andere Probleme als wir Hunde. -
 
Auf jeden Fall bin ich jetzt ein amtlich registrierter, gechipter Hund mit Vermerk "zur Ausreise" - Hä ?!?!? - wieso Ausreise ? ... wusste ich noch garnicht ? wo geht es denn hin ? - Genauer gesagter wurde ich erst einmal mehr ein "Durchreisehund" oder auch im Amtsdeutsch "Hund auf der Durchreise" - Bislang war ich allerdings nur ein durchgegangener Hund, wenn ich wieder einmal  entdeckt hatte, dass das Tor nicht richtig zu war ;-))

Auf jeden Fall kam der Tag, wo ich von Mama und Papa Abschied nahm. Ich wurde mit vereinten Kräften in das Auto verfrachtet. Wenn schon, denn schon ! so leicht lasse ich mich nicht verfrachten ;-)) - Doch dann machte ich es mir erst einmal auf der Rückbank bequem, wenn ich nicht gerade rutschte, die Trainingseinheit war dann wohl doch zu wenig gewesen. - Das Blöde war, dass die ersten 300 km auch noch ziemlich kurvig waren. Jetzt wurde mir auch klar, weshalb ich am Morgen nichts zu fressen bekommen habe. Dieses wäre mir schon längst aus dem Gesicht gefallen ...

Wir fuhren und fuhren und so wurde ich auch noch zum "Transithund" - jetzt ging es durch Österreich, dann nach einer Ewigkeit landeten wir in Deutschland. "far far away from home" - wenn ich das gewusst hätte, wäre ich garnicht erst eingestiegen !!! - dafür habe ich mich auch kräftig gewehrt, wenn ich nach jeder Rast, wieder einsteigen musste. - Klar doch, Herrchen und Frauchen sollten schliesslich auch was davon haben, und wenn es nur Muskelkater ist ;-)) - Den hatte ich auch und noch so ein paar blaue Flecken dazu. - Als Hund im Auto brauche ich natürlich auch einen Sicherheitsgurt, damit ich nicht bei der nächsten Bremsung zum "Flughund" werde. Doch der Gurt, war wie viele Erfindungen wohl ebenfalls nicht von seinem Erfinder getestet worden, sonst hätte der wohl festgestellt, welche Fehlkontruktion seinem Erfinderhirn entsprungen ist. Auf jeden Fall hat ich mich damit ständig verknotet und kann von Glück sagen, dass es nicht zu einer Bremsung kam, sonst hätte ich wohl den Hersteller auf Schadensersetz verklagen müssen.

Irgendwann hatten wir die  (Tor)tour hinter uns. Ich hatte zwar eine Weile verpennt, doch froh war ich dann doch, als ich aus dieser Konservenbüchse, genannt Auto wieder aussteigen konnte.

Dann fing das Abenteuer richtig an: Als erstes neue Umgebung, neue Gerüche und andere Geräusche und richtig viele Autos und noch mehr Menschen. Au Backe ! wo bin ich da hin geraten. - Ich habe mich lieber erst einmal in Nähe von Herrchen und Frauchen aufgehalten, nicht, dass sie mich womögliche hier vergessen und sicherer war es auch. Nur echt blöde war es, als die beiden mal nach oben oder nach unten verschwanden. - Mist !! - Ich kann keine Treppen steigen !!! - Uff mir schwirrte der Kopf. - doch wisst ihr was Klasse ist, ich bekomme hier öfter mal Essen aus der Dose und andere Leckerbissen. Ist auch besser so, denn das andere Essen, das die Menschen hier bekommen ist echt übel : hartes Fleisch, viel Chemie überall drin usw. da schmeckt mir nicht einmal mein heissgeliebtes Brot. Igitt, das könn' sie selber essen ! - Und ich dachte immer, die Ernährung ist hier besser und vorallem gesünder - Muss wohl eine andere Definitiion von gesund hier vorliegen. - Mir jedenfalls ist chemiefreies Essen eindeutig lieber - Nachdem ich mit dem alltäglichen Angebot, wie ich es von zu Hause gewöhnt war, nicht einverstanden war, erhalte ich jetzt Vorzugsnahrung. - Hält zwar auch nicht mit dem von zu Hause Stand, aber ist eindeutig besser, als das hiesige Menschenfutter.

Zu erst habe ich erst einmal das Terrain abgesteckt, allerdings darf ich hier nicht einmal Bellen, wenn etwas hier eindringt.- sofort kommen Herrchen und Frauchen an, um mich von meiner Aufgabe abzuhalten. Hund soll doch schliesslich Haus und Hof bewachen.... Oder ? - Andere Länder, andere Sitten ...

Neu war für mich auch, dass ich lernen muss, an der Leine zu gehen. Zu Hause brauchte ich das nicht. Aber hier ist es scheinbar für Herrchen und Frauchen zu gefährlich und deshalb müssen sie immer achtgeben, dass ich in ihrer Nähe bleibe und darauf aufpassen, dass sie nicht einfach auf die Strasse laufen, sondern erst nach rechts und links schauen, um zu verhindern, dass sie nicht bei wildgewordenen Autofahrern mit fanatisch erwachtem Nationalstolz, als Kühlerfigur enden oder an deren Fahnenstange hängen.

Eines Tages war ein Ausflug in die Stadt angesagt. Da ich nicht alleine zu Hause bleiben wollte, musste ich mit. Doch - was ist eigentlich eine Stadt ? - Noch mehr Häuser, Autos und Menschen, die obendrein meist grimmig oder gleichgültig dreinschauen. - Na mal sehen, ob ich dem etwas abgewinnen kann ... - Wir fuhren in ein Parkhaus, ob Graus, da muss man auch wieder raus !!! .... Erst musste ich ein paar Stufen runter .... Hallo ! - vergessen, dass ich keine Treppen laufen kann !!! - Also ich schlich da hinunter, dabei sah ich eher aus wie ein Hund mit vollen Windeln, auch wenn ich keine an habe. (na ja, in der Stadt laufen eh so seltsame Hundegestalten herum: Hunde mit Käppi, Schühchen oder Mäntelchen - echt affig - aber wem's gefällt ...) - Ich will auch keine Windeln und Schühchen auch nicht !!!!! -
Da kam es ganz Dicke: sollte ich doch in so einen kleinen Raum hinein. Gleich zu Beginn sollte ich doch so ein elektronisches Seil hindurch, um mich dann in einem Käfig wieder zu finden, der obendrein auch nicht still hielt, sondern nach oben oder unten ging. - Die Menschen nennen das Fahrstuhl - Mich scheint, dass eher ein Utensiel aus einer Zeitmaschine zu sein: denn wenn die Tür wieder auf geht, dann befindet man sich in einer ganz anderen Welt.

Wir kamen neudeutsch in eine "Fussgänger-Zone" - Nur warum gibt es dann hier so viel seltsame Vehikel mit 1-2-3-4 Räder ? - manchmal sitzt sogar ein Mensch drauf oder drin. - Der, der drin sitzt, kräht dann őfters. - Klar gibt es auch Fussgänger und davon jede Menge, in allen Grőssen und Farben, oftmals allerdings reichlich mürrisch. Die bringe ich dann mit Vergnügen aus der Fassung, in dem ich grimmig zurück schauen oder einmal kurz belle. Sind Hunde an der Leine eigentlich auch "Fussgänger" ? - auf jeden Fall gibt es hier einige - "hey Kumpel, wo kommst denn Du her ? " - Pfff.- reichlich blasiert und dressiert diese Stadthunde.- Keiner, der nur freudig zurück bellt, stattdessen laufen sie blind wie Maulwürfe neben ihren Begleitern her. - Ich hab's: das sind vielleicht auch Roboterhunde, diese programmiert zum geräuschlosen Menschenbegleiter ohne Hundehaufen. - Allerdings scheinen sie trotzdem zu markieren und ich habe einiges zu schnuppern. - Aber ganz wohl ist mir in der Stadt nicht: Leinenzwang, und Knoten in den Eingeweiden (Herrchen hat Tüte vergessen .... ) - Ach, ich wusste garnicht, dass die Tauben, die mir vor der Nase herum fliegen, auch zu Fussgängern gehören. Nur zu blöd, dass sie nicht gebraten sind. ;-) Ich liebe gebratenes Geflügel ! - Doch vielleicht sind die Fussgänger-Zonen auch mit fliegendem Tauben-Personal ausgestattet für die Reinigung der Plaster. Hier Dönerreste, dort ein Stück Fleischkäsbrőtchen - Tauben an die Arbeit !!!

Wie auch immer, in der Stadt gab es eine Menge zu sehen, war ganz interessant, doch wieder hin muss ich da nicht unbedingt wieder.

Ihr wisst ja, dass ich ein ganz schlaues Kerlchen bin .. Nein ? .. Na gut, dann wisst ihr es eben jetzt !

Wie ich schon sagte, verschwinden Herrchen und Frauchen öfter einmal nach oben und unten. Eines Tages, mir war grauslich langweilig und die beiden oben ... da auch ja auch ein guter Beobachter bin, habe ich es versucht und tatsächlich so kam ich auch hoch. Die beiden haben vielleicht blöd geschaut, als ich plötzlich neben ihnen stand. Und ich - stolz wie Oskar bin ich umher gegangen, mit hocherhobenem Kopf und wedelnden Schwanz - die Rolle "kuckt mal wer hier ist " gespielt. - Doch das Ganze hatte ein üble Nachspiel. - Wer hoch kommt, der muss auch runter, zumindest weiss ich das inzwischen auch. - So stand ich dann oben, am Treppenansatz und hatte gestrichen die Hosen voll, falls ich welche angehabt hätte. - Jauaul - Frauchen hat gezogen, mit Leckerli gelockt - doch ich habe gebockt: "Nein meine Leckerli ess ich nicht, ich esse meine Leckerli nicht " - und schon garnicht gehe ich diese Treppe wieder runter. !!!! - So hat mich dann Frauchen in den Schwitzkasten genommen und mich Stufe für Stufe hinunter gezogen, (Tragen wäre mit meinem Gewicht auch kaum möglich gewesen - nein ich bin nicht fett ! - nur eben ein grosser Hund)
Also war ich dann endlich wieder unten und Frauchen schweissgebadet ;-)) -

Übrigens baden, ich liebe Wasser und am liebsten trinke ich das Wasser aus der Brause, weshalb für mich seit Neuestem auch immer Wasser in die Duschwanne eingelassen wird.

Also jetzt konnte ich schon einmal die Treppen rauf gehen. ... und schwupps die wupp .. gleich wieder probiert. - doch diesmal haben mich Herrchen und Frauchen geleimt ... sie gingen wieder runter und ich blieb oben ... Mist, kein Treppenlifta ! ... Nachdem es unten in den Kochtőpfen geklappert hat, musste ich unbedingt nachsehen gehen, also den inneren Schweinehund verbannt und ab in die Tiefe. (Wäre ich Hund bei Schweinen, hätte ich auf meinen inneren Schweinehund gehört, denn Schweine sind ganz schön gefährlich) - Also ich runter, ab in die Küche geflitzt, Leckerbissen geschnappt und weil es so schön war gleich wieder die Treppe rauf. - Jetzt habe ich ein neues Fitnessprogramm: Treppensteigen und das im Affenzahn (langsam kann's schliesslich jeder !!)



Mit der Zeit gewöhnte ich mich an die neue Umgebung, da wusste ich noch nicht, dass die Reise für mich noch nicht zu Ende ist.

Mein neues Herrchen wollte sein Haus verkaufen, musste operiert werden, dann hatte er einen Unfall und musste in Rehabilitation. Fortan war ich Reisehund. Mein altes Frauchen nahm mich wieder mit und wir wurden zu Pendlern zwischen den Ländern. Vorsichtshalber schlief ich immer neben  meines Frauchens Bett. Einmal war Frauchen für zwei Wochen ohne mich weggefahren und ich blieb bei meinem früheren Herrchen. 

Jauuuul! Frauchen wann kommst du?

Als sie kam, habe ich mich nachts immer heimlich still und leise unter ihre Bettdecke geschlichen und bevor sie wach wurde, trollte ich mich wieder. Einmal allerdings erwischte sie mich. Mitten in der Nacht wurde sie wach und wunderte sich  warum ihr Partner auf der anderen Seite von ihr lag. Anders als üblich. Ich hatte mich der Länge nach neben sie gelegt. Wie gesagt, bin ja nicht doof. Aber als sie mich im Halbschlaf der Länge nach abtastete, wurde sie schlagartig Glocken wach. So haarig hatte sie ihren Freund doch nicht in Erinnerung.

Mist! Von da an blieb die Tür zum Schlafzimmer zu. :-((

Als mein neues Herrchen wieder halbwegs fit war, durfte ich wieder mitfahren. Wieder Ausreisehund. 

Was dann kam war echt cool. Na ja, kläffen durfte ich noch immer nicht. Selbst nicht als der Marder bei Nachbars Auto an den Kabeln nagte. Er schrie, Frauchen solle die Töle, meinte mich, zum Schweigen bringen. Selber Schuld. Es hat ihm die Sprache, ob der Reparatur Rechnung verschlagen. Ehrlich gesagt, etwas Schadenfreude kam schon auf, als er mitten auf der Strecke stehen blieb und abgeschleppt werden musste. Wollte ja nicht auf mich hören.

Nun denn, wir waren wieder bei meinem neuen Herrchen. Der ging mit mir in die Hundeschule und hatte immer klasse Leckerli. Doch er schaffte es mir nicht, das Ziehen an der Leine abzugewöhnen. Dies wurde mir später noch zum Verhängnis.

Das Haus stand zum Verkauf und alles wurde verpackt. Das war Klasse! Meine Spielwiese hatte sich vervielfacht. Überall standen Kartons herum. Da konnte ich toben ohne Ende - rauf auf die Kartons, wieder runter, oder rund herum gepest. Wehe es war ein Karton offen! Der fungierte dann als Versteck. "Hast du Buddy gesehen?" - "Nein". 
Sie suchten mich. Irgendwann schlich ich vorsichtig aus dem Karton, legte mich in den Sessel und tat als schliefe ich. "Na nu, hier ist er ja, habe ihn vorhin garnicht gesehen." 

:-)))

Die Kartons waren nicht nur für mich tolle Verstecke. Mein Spielzeug konnte ich da ebenso vergraben, wie die frischen Kotelettknochen. Allerdings sahen die nach einigen Wochen beim Auspacken reichlich grün aus. 

Eines Tages kam Frauchen in den Garten, stutzte, fing schallend an zu lachen und rief ihren Vater herbei. Sie fragte ihn, ob er gesehen hätte, was bei ihm im Garten wächst. Er schaute sich verwundert die vielen braunen Spitzen an, die in seinem Garten "wuchsen".
Währenddessen konnte sich Frauchen vor Lachen kaum mehr beherrschen. Sie prustete und ihr liefen die Tränen über die Wangen. Armes Frauchen! Ich hatte es doch nur gut gemeint, als ich die getrockneten Schweineohren pflanzte...

... warum die Frauchen wieder ausgrub, kann ich nicht verstehen. Mir hat es gefallen.. Frauchen hat scheinbar kein Spielzeug. Meine Bälle, Frisbeescheiben, Seile und alles andere Spielzeug hat sie auch wieder ausgegraben. Juhu! Jetzt haben wir ein neues Spiel. Ich vergrabe mein Spielzeug  sie sucht es. 
"Buddy, wo ist der Ball?"
"Frauchen hier oder hier oder vielleicht in einem der Kartons. Mir wurde es bei diesem Spiel nie langweilig.

Eines Tages kaufte Frauchen eine Pflanze mit leuchtend rote Früchte dran. Die rochen gut. 

Ich durfte mich im Haus und Garten frei bewegen. Die beiden Leutchen sahen Nachrichten, da fielen mir die roten Früchte ein. Ich also raus auf den Balkon. Es waren circa 30 Stück daran. Ich fraß bis auf eine Handvoll alle vom Strauch ab
Waren lecker - ABER...

Die beiden sahen verdutzt, wie ich wie ein geölter Blitz in die Küche raste und einen halben Eimer Wasser leer soff. Sie konnten sich keinen Reim auf meinen Sprint machen und Frauchen ging nachsehen. Auf dem Balkon sah sie was passiert war "Buddy hat fast alle Chilli vom Strauch gefressen".

Hey, hätte man mir auch sahen können, dass die mit Feuer gefüllt sind! Das brannte wie Teufel! In mir gluckerte der halbe Eimer Wasser und was rein kommt, muss auch wieder raus. Jetzt hatte ich spichwörtlich auch noch Feuer unterm Hintern. 

Am nächsten Tag war ich mit keinem Leckerli dazu zu bewegen, auf den Balkon zu gehen. Schwelle zum Balkon hinaus und ich die Bremse auf alle vier Pfoten hinein.

Ein paar Tage später fiel mir die Pflanze ein. Sie sah reichlich zerfleddert aus und sie tat mir leid! Ergo habe ich die letzten Chilli auch noch abgefressen.

Irgendwann war alles verpackt. Ein Transport ging in meine alte Heimat, einer in die neue. Mein neues Herrchen hatte mit dem Transport in meiner neuen Heimat alle Hände voll zu tun, so nahm Frauchen mich mit. Die Strecke kannte ich schon. Inzwischen war ich zum Autohund mutiert. Kaum war Autotür offen, war ich drin, rollte mich ein und pennte. Eines Tages war Frauchen reichlich sauer mit mir. Sie hatte nach dem Auto putzen, die Türen offen gelassen. Sie war ziemlich angefressen, weil ich meinen Knochen in der Rückbank vergrub. Fortan durfte ich nur noch unter Begleitung ins Auto. 

Wir blieben zwei Wochen. Herrchen war in meine neue Heimat geflogen. Nun musste nur noch ich da hin kommen. 

Autohund liebt Auto fahren!

Aber 2500 Kilometer war nicht gerade um die Ecke. So viel geschlafen hatte ich noch nie. Wenn mir mal die Blase drückte, dann ging ich mit der Schnauze vor, legte sie Frauchen auf die Schulter und der nächste Rastplatz war meiner. 

Zwischendrin übernachteten  wir in einem Hotel. Mein altes Herrchen war auch mit von der Partie. Sie wollten abends noch etwas essen gehen und ich musste alleine im Hotelzimmer bleiben. Frauchen war nicht wohl dabei. Doch ich war brav, kein Gebelle, keine Pfütze im Zimmer und das Inventar blieb heil. Eine Stunde am Meer Möven jagen hatten mich müde gemacht.

So viel Transit lässt selbst den versiertesten Hund müde werden. 

Das Meer, die Boote, die Möven, andere Gerüche...

.."Dobar dan" - " Buona Notte" - "Au revoir" - "Hola" ...

... ab sofort war ich 
"Buddy. El perro negro" 

Das brachte mir schon gleich von Anfang an einen gewissen Respekt ein. Spanier fürchten in der Regel schwarze Hunde. Und ich war pechschwarz bis auf meinen grauen Bart. 

Mein neues Zuhause war nicht übel. Da konnte ich vorne ins Haus laufen, einmal durchqueren,  hinten wieder heraus, durch den Garten ums Haus herum und vorne wieder rein. Am liebsten mochte ich, wenn Herrchen im Pool schwimmen ging. Ich mit Anlauf und Karacho, platsch  war ich mit drin. 
Mir gefiel es dort. Mein neues Herrchen war super lieb, immer Leckerli parat, ging mit mir in die Hundeschule oder am Meer spazieren. Wellen jagen macht fast noch mehr Spass als Möven aufscheuchen. Ich fühlte mich wie (Hunde)gott in nicht Frankreich, aber Spanien. Hier wollte ich bleiben.

Doch leider kommt es oft anders als man denkt. Mir wurde mein Temperament zum Verhängnis. Ich konnte innerhalb eines Wimpernschlages in den Sprint übergehen. Mein neues Herrchen war durch seine Operation nicht mehr so sicher auf den Beinen und irgendwann war klar, dass er mich nicht händeln konnte. 

Traurig nahmen wir voneinander Abschied. Später besuchte er mich einmal, aber es war nicht mehr wie früher. Für mich hiess es meine alte Heimat wird meine neue und meine neue meine alte. Also wieder die ganze Strecke retour. 

Als wir wieder zu Hause ankamen, war mein Vater alles andere als erfreut. Unser Verhältnis war fortan zeitlebens angespannt. Nie mehr tobten wir wie früher zusammen. Schade! Aber es ist wohl bei Hunden wie bei Menschen: wenn der Nachwuchs flügge geworden ist, dann ist Hotel Papa nicht mehr der richtige Ort. 

Meine Liebe zum Autofahren ist mir geblieben und ich ließ keine Chance aus  mitzufahren. Dann lag ich auf der noch immer zerfledderten Rückbank und träumte von Spanien mit seinen schnuckeligen Hunde Signoritas...


copyright Julietta Guenther



Montag, 2. Januar 2023

Wie zynisch ist das denn?

Eigentlich bin ich eher ein unpolitscher Mensch, aber das was seit Monaten das Geschehen in Europa bestimmt, geht auch an mir nicht spurlos vorbei. Im Gegenteil langsam kocht es in mir hoch.

Da steht ein offensichtlich an Geltungsbedürfnis nicht zu überbieten kleiner Präsident und verkündigt in seiner Neujahrsansprache 2022, sie würden "moralisch" und "historisch" auf der richtigen Seite stehen. 

Aha! Historisch, bedeutet Geschichte und somit für mich Vergangenheit. Entweder habe ich in der Schule nicht aufgepasst, oder da lebt jemand in der Vergangenheit. Dann auch noch verkünden, dass dies die neue Realität ist. Ich kenne das von meinem an Demenz erkranktem Vater. Der lebte in seiner Gedankenwelt in seiner Kindheit im Krieg in Berlin als die Russen kamen. 

Und "moralisch" - nochmals viele??? Moral wird als Regel- und Normenwerk einer Gesellschaft angesehen, dass als Verhaltensmassstab einer Gesellschaft steht... armes Russland, arme Russen. Mir war neu, dass es im 21.Jahrhundert noch Staaten gibt deren moralische gesellschaftliche Maßstäbe, Strukturen einem "historischen" Raubrittertum gleichen.

Wie heisst es ferner in der Neujahrsansprache dieses Präsidenten, der so realitätsfremd ist, dass mir oft nur noch ein Kopfschütteln möglich ist. Manchmal fragte ich mich aber auch, ob nicht irgendein ein Virus die heimgesucht hat und ob sie den Quatsch den sie loslassen auch wirklich glauben. Das wirklich Schlimme ist, dass viele Hunderttausende sich den Unsinn auch noch unreflektiert einverleiben und fleissig nachplappern. 

Hirn einschalten!

Selbst die vielen schlecht gemachten russischen Fotomontage fallen vielen nicht auf. Offensichtlich ist es in diesem grossen Land Normalität, dass ein Mensch innerhalb von nicht mal 2 Wochen gute 30 Kilo abnimmt und scheinbar alle paar Tage mit anderen Ohren und mit oder ohne Knubbel auf der Leinwand erscheint.

Der russische Präsident stellt sich in seiner Rede wie so oft als der Retter dar, doch offensichtlich ist, dass die er retten will, garnicht in seinem Sinne gerettet werden wollen. Besonders zynisch ist es, denen die man angeblich retten will, massenhaft Bomben  auf den Kopf wirft.

Wenn ich mir die gesamten Argumentationen und Rechtfertigungen anschaue, dann erscheint es mir wie Projektionen. Die Vorwürfe, die man anderen macht, haben im eigenen Haus ihren Ursprung... 

Wir leben im Zeitalter von Wahrheiten: 

Die Wahrheit des einen als Grund für Raubrittertum. 

Die Wahrheit des anderen als Ursache, nichts zu tun.

Dann gibt es noch die alternativen Wahrheiten.

... und es gibt die alternativen Fakten: da werden Menschen zu Tieren. Meucheln auf bestialische Weise andere Menschen... und jetzt aufgefasst: nun greifen die alternativen Fakten! Ein ermordeter Mensch hat das selber verursacht. Ach sooo! Der hat sich also selber die Hände gefesselt, damit sich dann einen Kopfschuss beigebracht, von den Toten auferstanden, um  anschliessend seinen Leichnam zu schänden. Filmreife Leistung!

Mir ist eines nicht klar. Sind es jetzt alternative Fakten oder alternative Wahrheiten, wenn Russland seine gefallenen Soldaten gleich vor Ort in mobilen Krematorien verbrennt? Es sind sicher alternative Fakten. Ein gefallener Soldat, der erst garnicht im Sarg zu seinen Angehörigen zurück kommt, ist einfach verschwunden. Der braucht in keiner Statistik mehr erscheinen! So schafft man alternative Wahrheiten! 

" oh, mein Papa ist in eine andere Dimension gebeamt worden! Jetzt ist einfach weg.".

Der Volksmund würde vermutlich sage, da wird einem die Hucke voll gelogen.

Kaum zu überbieten ist der perverse Zynismus in Bezug auf Getreidelieferungen. Lagerhäuser werden bombardiert,  Getreideschiffen die Zufahrt verwehrt. Erst werden tonnenweise, mutwillig Getreide zerstört, dann stellt sich der Zerstörer als Retter der Menschheit dar und will mit gestohlenen Getreide in kostenlose Lieferungen punkten. Pervers!

Irgendwie fällt es mir schwer, diesen verqueren, verknoteten Gedankenwindungen eine Logik abzugewinnen. 

Meinen Kindern habe ich versucht beizubringen, dass wenn man Mist gebaut hat, auch genug Rückgrat haben muss, dazu zu stehen. Bei diesen Lektionen in der Kindererziehung müssen einige Russen der Führungselite geschwänzt haben. Egal was passiert, in Russland sind immer die anderen Schuld.

Gedanken sind frei, jedenfalls noch...

Copyright Julietta Günther  

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Copright Julietta Günther 






Samstag, 31. Dezember 2022

26 - Mikesch - der kleine Kater Naseweis - Teil 26

 ... am Morgen rekelte sich Mikesch noch sehr verschlafen in der Koje. Er hatte von Minou, seinen Kindern, Fietje, dessen Familie und Wuschel geträumt.

Als er plötzlich die Schiffsglocke hörte, fiel ihm siedenheiss ein, dass er ja nicht mehr im Urlaub war, sondern bei der Arbeit. Schnell sprang er aus der Koje, fuhr sich hastig mit seinen Pfoten durchs Fell und rannte richtig Messe. Alle saßen schon beim Frühstück. Tony, der Kapitän sah ihn streng an: "Na wohl verschlafen? Aber nicht dass das zur Gewohnheit wird!" Mikesch murmelte kleinlaut eine Entschuldigung. Alle anderen waren schon fast fertig und so beeilte sich Mikesch noch ein paar Bissen zu ergattern. Es war nicht mehr viel übrig. Aber "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Mit noch immer knurrenden Magen machte er sich an die Arbeit "Mäuse fangen". Ihr erinnert euch, dass Mikesch nur so tut als ob, schließlich kann er ja nicht die Verwandtschaft von Tante Mo's kleinen grauen Freund fressen. Er wendete weiter den Trick mit den Fellmäusen an. Bei seinem Rundgang durch das Schiff musste er jedoch feststellen, dass seine Finte mit den unechten Mäusen, Mikesch ein großes Problem bescherte. Während seines Landurlaubes hatten sich die Mäuse gewaltig vermehrt und in einigen Teilen des Schiffes wuselte es nur noch vor lauter Mäuschen. Oh weia! Das würde Tony nicht entgehen! Jetzt war guter Rat teuer ... Mikesch setzte sich in eine Ecke hinter einem der Rettungsboote und grübelte und grübelte. Ihm kam eine Idee in den Sinn, jetzt müssten nur die Mäuse mitspielen. Mikesch flitzte zu dem Ältesten der Mäuse, Theoderich Mäusezahn. Er erklärte der alten grauen Maus das Problem und seinen Lösungsvorschlag. Theoderich hörte zu, schüttelte und nickte hin und wieder mit dem Kopf. Nach einer Weile bat er seinen Enkel, den Ältestenrat der Mäuse zusammen zu rufen. Kurze Zeit später sassen sie alle um Mikesch herum. Theoderich berichtete von dem Vorschlag des Katers. Es wurde heftig diskutiert. Dann stimmte der Ältestenrat über Mikesch seinen Lösungsvorschlag ab. Die meisten entschieden sich dafür und Theoderich Mäusezahn verkündigte den Beschluss: 

Künftig werden bei jedem Stopp eine Gruppe Mäuse das Schiff verlassen und so die Anzahl der Mäuse auf dem Schiff klein halten. Wer und wieviele graue Pelztiger ans Ufer übersiedeln, wird vor jedem Stopp gemeinsam entschieden. - Im Gegenzug verpflichtet sich Mikesch keine Schiffsmäuse zu fangen und zu fressen. So sei es beschlossen!

Der Ältestenrat blieb noch zusammen und trafen die Vorbereitungen für den kommenden Stopp. 

Mikesch war zufrieden mit sich und seiner Lösung des Problems. Er fing dann als Alibi die von Tante Mo genähten Plüschmäuse. 

Die Vereinbarung mit den Mäusen funktionierte! Fortan bei jedem Stopp sah Mikesch wie, in der Dunkelheit der Nacht eine Gruppe Mäuse von Bord schlich.

Nur wenn Tony ihn wegen seiner guten Arbeit bei der Mäusejagd lobte, kam er sich schäbig vor, Tony so zu hintergehen.

Der Frachter nahm Kurs auf Island. Ursprünglich hatte der kleine Kater geplant, einen Stopp dort zu nachen und sich das Land etwas anzusehen. Aber! Er hatte gerade erst Landurlaub und würde nicht gleich wieder frei bekommen. Obendrein würde Tante Mo und ihr kleiner grauer Freund auf der Rückfahrt mit an Bord sein. Er freute sich auf die Beiden und so beschloss Mikesch seine Island Tour zu verschieben. Island würde ihm nicht davon laufen, doch ob er Tante Mo und ihr kleiner grauer Freund irgendwann später mal wiedersehen würde, war ungewiss. Der kleine Kater wollte die Zeit, die er mit Freunden verbringen konnte nicht verplempern. Freunde sind kostbar, Freundschaften müssen gepflegt werden und nichts kann so schmerzhaft sein, wie verpasste Gelegenheiten. Er freute sich auf die Zeit mit ihnen. Am kommenden Morgen sollten sie Island erreichen.


... Fortsetzung folgt ...


Copyright Julietta  Günther 




Mittwoch, 28. Dezember 2022

25 - Mikesch - der kleine Kater Naseweis - Teil 25

 ... am kommendem Morgen hieß es früh aufstehen. Mikesch hatte sein Bündel schon am Abend zuvor gepackt. Alle saßen gemeinsam am Frühstück. Es herrschte eine etwas traurige Stimmung. Pittyu würde wieder wochenlang auf See sein, das Leben seiner Familie würde ohne ihn weiterlaufen. Poul, Lea und Sane würden lange ohne die Gutenachtgeschichten ihres Vaters einschlafen müssen und Mariella müsste das Leben mit den Kindern alleine meistern. Auch für Mikesch hieß es Abschied nehmen. Er war gerne bei der Familie, aber im inneren seines Herzens spürte er, dass dies nicht sein Platz auf der Welt war. Höflich bedankte er sich für die Gastfreundschaft, gab jedem die Pfote und liess sich von allen noch reichlich knuddeln, bis Pittyu zur Abfahrt drängte. Sie winken noch aus dem Fenster bis das Auto ausserhalb der Sichtweite war. Stumm fuhren sie den Weg zurück, jeder hing seinen Gedanken nach. Weder die Schafe auf der Straße, noch die wunderschöne Aussicht nahmen sie so richtig wahr. Abschied ist immer das Ende von etwas und immer ein gewisser Schritt ins Unbekannte. Sie kamen am Hafen an, stellten das Auto auf dem Parkplatz ab und gingen zum Pier. Da lag schon das Schiff vor Anker und der Kapitän winkte hocherfreut als er beide zurück an Bord kommen sah.

Nach und nach trudelten die anderen Crewmitglieder ein. Sie hatten den kurzen Aufenthalt genutzt, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen oder Post aufzugeben. Kurze Zeit später stach das Schiff in See. Mikesch verkroch sich in seine Koje und liess die Tage noch einmal Revue passieren. Er hatte liebe Menschen kennengelernt, sehr viel erlebt und noch mehr erfahren. Da fiel ihm zum ersten Mal auf, dass es nie wichtig war, welche Sprache gesprochen wurde. Selbst wenn jeder in seiner eigenen Sprache redete, war dies kein Hindernis. Man konnte einander auch ohne Worte verstehen und hatte sich so viel zu erzählen. Seltsam nicht! Oder vielleicht auch nicht. Man hat nicht nur Worte um sich zu verständigen, man hat Hände, Füsse, Mimik oder notfalls Papier und Stift. Letzteres klappte bei Mikesch eher weniger. Er konnte lausig zeichnen und so kam schon mal der blanke Quatsch heraus. Wollte er einen Elefanten zeichnen  verstanden die Leute Gießkanne, was ja bekanntlich etwas ganz anderes ist. Aber im grossen und ganzen klappte die Verständigung sehr gut.

Am Abend begann Mikesch Magen sich zu melden und er begab sich zur Messe. Als Otto ihn sah, rief er: "Seht mal Leute wer da ist! "Hi Leute " ist wieder mit an Bord! (das ist Mikesch's Spitzname an Bord). Es gab erst einmal ein großes Hallo als sie Mikesch sahen. Er musste erzählen, was er alles erlebt hatte und sie berichtete was sich an Bord getan hat, während sie auf Landurlaub waren. Sie erzählten Mikesch aber auch, dass Tante Mo und ihr kleiner grauer Freund noch auf Island seinen und bei der Rückfahrt wieder mit kommen würden. Das freute Mikesch. Er hatte so gehofft die beiden noch einmal zu treffen.  Dann erzählte Rudero, der Steuermann noch eine unglaubliche Geschichte von Island. Dort kann man Outhorsing buchen. Was das ist? Angeblich beantworten Pferde dort die Emails der Gäste. Dazu haben die überdimentionale Tastaturen über die die Pferde laufen und so die Emails gestresster Urlauber beantworten. Ah ja, dachte sich Mikesch, ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen oder glaubt die story vom Pferd? Irgendwann, viel später stellte er fest, dass es diesen Quatsch tatsächlich gibt  wenngleich die Emails recht undefinierbare Anworten enthielten, logischerweise in pferdisch waren.

Recht schnell nach dem Abendessen verzog er sich in die Kabine. Mikesch hatte an dem Abend keine rechte Lust auf Gesellschaft. Ganz gegen seiner Gewohnheit schlief er nicht in Jan seiner Koje am Fussende. Jan wunderte sich etwas darüber, dass Mikesch in seiner eigenen Koje zusammen gerollt lag und schlief. Er dachte so bei sich, na ja Kater wollen offensichtlich auch mal fär sich alleine sein. 

Es war ein ruhige Nacht, das Schiff glitt ruhig durch das Wasser. Mikesch träumte, dass irgendjemand seinen Namen ruft. Als er am Morgen aufwachte, war er nicht sicher, ob er es nur geträumt hatte oder ihn wirklich jemand gerufen hatte. 


... Fortsetzung folgt...


Copyright Julietta  Günther 




Dienstag, 27. Dezember 2022

24 - Mikesch - der kleine Kater Naseweis - Teil 24

... die kommenden Tage dümpelte Mikesch so vor sich. Er besuchte noch einmal Li. Diesen Mal hatte Li nicht viel Zeit, sie hatte eine Lieferung bekommen und musste die in die Regale räumen. 

Das kommende Ende des Landurlaub machte sich auch bei der Familie bemerkbar. Sie planten für die Wochen an denen Pittyu auf See sein würde und Mariella alleine mit den Kindern an Land. Pittyu seinerseits bereitete möglichst vieles vor, damit es für Mariella leichter war. Er kontrollierte die Heizung, überprüfte die Süsswassertanks, schnitt den Schafen noch die Hufe, mistete die Stallungen aus und so vieles mehr.

Am Tag vor der Abreise traf Mikesch Caruso. Da dieser meistens mit der Schafherde draußen war, hatten sie einander nur aus der Ferne gesehen. Jetzt beim Hufe schneiden, hatte er frei. Nun war Caruso ebenso wissbegierig wie Mikesch neugierig. Sie setzten sich in den Schatten und sofort begann Caruso Mikesch Löcher in den Bauch zu fragen. Eigentlich war er in Gesellschaft der Schafe ziemlich einsam und hatte selten Gesprächspartner. Nun ja, da waren die Schafe, aber die kannten auch nur die Weiden und Stall. So spudelte es nur so aus Caruso. Er redete wie ein Wasserfall, wie eben jeder der lange jeder Konversation entbehrt hat. Das ist wie wenn ihr im Urlaub ward, zurück kommt und euren Freunden alles erzählen wollt, was ihr erlebt habt.

Eigentlich kam Mikesch kaum zu Wort, aber es war auch egal, er hatte sowieso keine große Lust zu reden und fand es viel interessanter zuzuhören was Caruso ihm erzählte. 

Er erzählte dem kleinen Kater, dass er ein ausgebildeter Hüterhund ist. Seine Aufgabe ist es, die Schafherde zusammen zu halten und bei Gefahr sie aus der Gefahrenzone zu bringen und zu beschützen. Vieles  seiner Aufgaben erledige er selbständig, ohne dass sein Herrchen oder Frauchen eingriff. Meistens lag er bäuchlings im Gras und beobachtete die Herde. Mit seinen Augen, Ohren und vorallem seiner Nase achtete er auf die Umgebung, ob sich zum Beispiel ein Fuchs der Herde näherte. Ihr müsst wissen, Hunde können viel, viel besser riechen als Menschen. Sicher habt ihr schon einmal bemerkt, dass euer Hund bereits an der Haustür steht und wartet, obwohl euer Papa mit dem Auto noch nicht einmal in die Straße eingebogen ist. 

Caruso erzählte ihm, dass er ein reinrassiger Australian Sheperd und sogar adelig ist mit einem richtigen Stammbaum. Seine Vorfahren kamen aus Irland und seine Großmutter aus Australien. Er entstammt einer sehr intelligenten Familie, die schon viele Preise gewonnen haben. Er selbst hätte beim Hütewettbewerb eine Silbermedaille gewonnen. Sein Cousin war etwas schneller und gewann Gold. Caruso erzählte und erzählte, langsam wurde Mikesch müde. 

Doch als als Caruso von einem entfernten Verwandten erzählte, der ausgebildeter Therapiehund ist, da wurde Mikesch glockenwach. Das interessierte ihn. Er fragte nun seinerseits Caruso Löcher in den Bauch, was denn ein Therapiehund sein. 

Geduldig erklärte Caruso ihm, das nur sehr intelligente Hunde mit gutem Sozialverhalten dazu ausgebildet werden. Sie müssen erst den Grundgehorsam lernen, wie "sitz", "platz", "bleib" usw. Dann entscheidet sich, ob sie weiter in die Schule gehen dürfen. So wie die Kinder  wenn sie gute Noten haben, dürfen auch sie weiter lernen. 

Die Therapiehunde müssen lernen in jeder Situation ruhig zu bleiben, auch wenn jemand schreit oder wie ein Betrunkener auf ihn zu wankt. Sie dürfen auch nicht schnappen, wenn jemand ihm den Knochen aus der Schnauze nehmen will. Erst recht nicht darf er jemanden das so verführerisch riechende Leberwurstbrot aus der Hand oder vom Teller klauen. Die Ausbildung ist recht anspruchsvoll und erst wenn er alle Prüfungen bestanden hat, dann darf er als Therapiehund arbeiten. Es ist eine tolle Arbeit  aber manchmal auch sehr anstrengend oder traurig. Als Therapiehund kann man mit behinderten Kindern arbeiten oder im Hospiz, wo unheilbar kranke Leute und Kinder sind. Es ist immer der schönste Dank, wenn man diesen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Caruso erzählte, dass sein Verwandter Balto in Spanien in einem Altenheim arbeitete. Eigentlich hatte er früher dort immer nur sein Herrchen besucht. Irgendwann fragte man, ob er nicht bei den Therapiestunde für die an Demenz erkrankten Bewohner dabei sein will. Das fand er spannend. Dieses Mal durfte er in einen Rollstuhl springen, damit er auf der gleichen Höhe wie die anderen war. Die Therapeutin schob ihn von einem Bewohner und Bewohnerin zum nächsten. Brav gab er zur Begrüßung seine Pfote. Dann warfen sie bunte Bälle durch einen Ring. Die alten Leutchen mussten genau aufpassen, dass sie den roten Ball durch den roten Ring warfen, den blauen durch den blauem  usw. Baltos Aufgabe war es den Ball wieder an den richtigen Rollstuhlfahrer zurück zu bringen. Aber er durfte auf keinen Fall am Rollstuhl hochspringen. 

Eine Therapiestunde war richtig lustig. Die Therapeutin hatte jede Menge Haarschmuck mitgebracht, Haargummi, Schleifchen, Kämmerchen,  usw. Balto hatte langes weisses, glänzendes Fell mit ebenso schwarze Flecken wie Caruso. Die älteren Herrschaften mussten nun der Reihe nach den Haarschmuck in Baltos Fell klemmen. Manchmal ziepte es, aber Balto wusste, dass er nicht knurren oder abhauen durfte. Als er in die leuchtende Augen und die lächelnden Gesichter der Alten sah, hatte er jedes Ziepen vergessen. Ihr denkt euch jetzt sicher was für ein Quatsch, wozu soll denn das gut sein?

Ganz einfach, wenn man älter wird, wollen manchmal die Finger nicht mehr so. Durch den kleinen Haarschmuck wurden die Beweglichkeit der Hände trainiert. So hat jede Übung seinen Sinn. Das Allerschönste aber war, dass manche sogar noch nach Wochen sich an Baltos Namen erinnerten und manche, die durch ihre Krankheit in ihrer eigenen Welt verschlossen waren, wieder aktiv am Leben teilnahmen.

Whow, dachte Mikesch, das sollte es öfters in Altenheimen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen geben. Vielleicht auch in Gefängnissen, wer weiß.

Caruso erzählte ihm, dass es nicht nur Therapiehunde gibt, sondern auch Blindenhunde, die ihre blinden Herrchen oder Frauchen durch die Strassen führen. Die müssen ganz genau wissen, wenn die Fußgängerampel grün ist oder ein Hindernis im Weg ist und so vieles mehr. Die Blindenhunde tragen eine enorme Verantwortung.

Ferner gibt es unter anderem noch Spürhunde für die Suche nach Vermissten, Lawinenhunde, Sprengstoffsuchhunde  Minensuchhunde und welche bei der Drogenfahndung. 

Hunde bei der Seerettung. Die müssen sogar aus einem Hubschrauber springen können und dürfen nicht wasserscheu sein.

Seit einiger Zeit werden auch Hunde trainiert, die wegen ihrer aussergewöhnlichen Riehfähigkeit, Krankheiten wie Krebs oder so erkennen können. 

Mikesch war total geplättet als er hörte was Hunde alles können, vorausgesetzt sie dürfen in die Schule. Fast wie bei den Menschenkindern. Er dachte so bei sich... und was können wir Katzen ? Schnurren, Mäuse jagen und ... na ja nicht besonders viel. Da fiel ihm gerade noch ein, dass auch Katzen Krankheiten erkennen können.

Nach dem langen Bericht schwirrte Mikesch der Kopf und er war hundemüde. Er wollte nicht unhöflich sein, aber als Pittyu dann nach Caruso rief, war er doch froh  dass Caruso sich trollte. Mikesch rollte sich zusammen und schlief sofort ein.


... Fortsetzung folgt ...


Copyright Julietta Günther